Die Recherche des „World of Pain“-Projekts untersucht den globalen Missbrauch opioidhaltiger Schmerzmittel des deutschen Pharmakonzerns Grünenthal mit Sitz in Stolberg bei Aachen. Im Mittelpunkt stehen Tramadol und das noch stärkere Tapentadol, die mit dem US-Konzern Purdue Pharma und dessen Opioidkrise um OxyContin verglichen werden.
Anhand mehrerer Schicksale wird gezeigt, wie gefährlich der Medikamentenmissbrauch ist: Marco, ein 23-jähriger Berliner, starb 2022 an einer Tramadol-Überdosis, nachdem er sich jahrelang mit gefälschten Privatrezepten selbst versorgt hatte. In Australien zerstört eine Tapentadol-Sucht Familien, während in Teilen Afrikas Tramadol bereits eine eigene Opioidkrise ausgelöst hat. In Deutschland entwickelt sich der Missbrauch opioidhaltiger Medikamente bei jungen Menschen zunehmend problematisch; Experten warnen vor einer drohenden Opioidkrise.
Grünenthal, ein Familienunternehmen mit kontroverser Vergangenheit – darunter NS-Verstrickungen der Forschung und der Contergan-Skandal – gilt als Erfinder von Tramadol. Seit dem Patentablauf wird das Medikament von anderen Herstellern als Generika angeboten, weshalb Grünenthal offenbar verstärkt sein neues Opioid Tapentadol in neue Märkte treibt. Kritiker werfen dem Konzern vor, Risiken herunterzuspielen, Ärzte zu beeinflussen und durch Lobbying eine strengere Regulierung zu verhindern.
Deutschland nimmt hierbei eine Sonderrolle ein: Im Gegensatz zu Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Kanada, Schweden oder den USA wird Tramadol weiterhin ohne Betäubungsmittelrezept abgegeben. Eine 2011 vom BfArM angestrebte Verschärfung wurde nach Eingreifen Grünenthals vertagt. Die Bundesopiumstelle verweigerte den Rechercheuren zudem ein Interview, was den Verdacht regulatorischer Nähe zur Industrie befeuert. Die Behörde beruft sich auf Ressourcenmangel, Kritiker sprechen von einem „Compliance-Konflikt“.
Zusammengefasst zeigt die Recherche alarmierende Parallelen zwischen der deutschen Opioid-Strategie und dem US-amerikanischen Purdue-Modell: hohe Abhängigkeitsrisiken, aggressive Vermarktung, schwache Kontrolle und fragwürdige Einflussnahme auf Regulierer. Die Frage bleibt, ob Deutschland eine neue „Opioidkrise Made in Germany“ riskiert, solange Arzneimittel wie Tramadol und Tapentadol zu lax reguliert bleiben.
📜 Transkript
Marco ist 23 Jahre alt und lebt in Berlin. Er hat sich kürzlich einen neuen Drucker gekauft, nur für ein ganz bestimmtes Dokument. Ein Rezept für das Medikament Tramadol. Heute wird er damit das letzte Mal zur Apotheke losziehen. Bei Siku in Lumé heißt Tramadol auch Purmans Cocain. Er wirft sich eine Pille ein und beginnt seine Schicht auf dem Motorradtaxi. Bredin Victoria im Süden Australiens macht seiner Frau heute richtig Angst. So ausgerastet ist er noch nie. Schuld ist seine Sucht nach Tapentadol. Ein opioithaltiges Schmerzmittel. Ähnlich wie Tramadol. Alle drei Schicksale beginnen in Stollberg bei Achen. Hier sitzt ein weltweit führender Pharmakonzern für Schmerzmittel, Grünental, ein Familienunternehmen mit einer kontroversen Vergangenheit. Heute hälten manche eines seiner Medikamente für viel zu lasch reguliert und sehen es als Einstiegsdroge. Gleichzeitig entwickelt sich der Missbrauch von Arzneimitteln bei jungen Deutschen problematisch. Der Drogenbeauftragte sieht teils Hinweise einer sich anbahnenden Opioidkrise. Teile Afrikas hat der von grünental erfundene Wirkstoff bereits in ihre eigene Opioidkrise gestürzt. Heute gibt es Dramadol auch von anderen Herstellern. Darum pusht Grünental seit einem guten Jahrzehnt offenbar sein neues noch stärkeres Opioid auf neuen Märkten. Es geht um mögliche Einflussnahme auf Ärzte. Risiken, die anscheinend heruntergespielt werden. Eine Behörde, die nicht mit uns reden will und offenbar zaghaft oder womöglich sogar im Interesse von Big Farmer agiert. Die Methoden des Achner Familienunternehmens erinnern an Perdu Farmer. Der Konzern hat die USA vor über 20 Jahren in eine bis heute andauernde Opioidkrise [musik] gestürzt. Folgt jetzt eine neue Opioidkrise Made in Germany. [musik] Alle in politischer Verantwortung in Deutschland sind sehr alarmiert über die Opioidkrise in den USA. [musik] Wer sich anschaut, wo die herkommt, der sieht, die hat ihre Ursachen bei pharmazeutischen Herstellern. Also die einen Shady Business und das andere weißer Kittel quasi. Ja, da merkt man einfach wieder mal, dass die Pharmaindustrie [musik] da das da geht's rein um Geld. Die Patientensicherheit zu gewährleisten und Gesundheitsgefahren [musik] frühzeitig vorzubeugen, das sind die wichtigsten Aufgaben des BF. Es gibt einen handfesten Compliance Konflikt von den regulatorischen Behörden, weil die Vorwürfe an der Stelle natürlich im Raum stehen und die dürfen uns nicht kalt lassen. Ich wäre nicht davon ausgegangen, dass es so direkte Einflussnahme gegeben hat. Unsere Sohne soll nicht umsonst gestorben sein. Das ist es. Es ist die 67. Drogenkonferenz der Vereinten Nationen. Gut eine Woche lang tauscht man sich hier über die weltweite Drogenpolitik aus. Neben Vertretern der Mitgliedstaaten sind auch NGOs und Fachleute da. Health security Policy enforcement. Auch Maria Christoph hat sich unter die Teilnehmer gemischt. Die Investigativnalistin arbeitet für den Spiegel, Paper Trail Media und das CDF mit Reportern aus über 10 Ländern an einer großen Recherche unter der Leitung vom Portal The Examination. Es geht um den Missbrauch von Medikamenten und das Geschäft [musik] mit Opioiden für das World of Pain Projekt haben wir uns jetzt am Anfang Perlwarmer angeschaut, also diesen US-Konzern, der auch mit der Opioidkrise dort in Verbindung gebracht wird, der der Familie Seckler gehört. Darüber haben wir bereits vor einigen Jahren ein Video gemacht. Heute geht es um die Sycklas und ihr Medikaments. Oxanten. Mit ihrem opioidhaltigen Schmerzmittel haben sie die USA in eine Opioidkrise gestürzt, die bis heute anhält. Perty damals versichert, Oxikontin machen nicht süchtig, verursache keine Entzugserscheinungen und wäre schwer zu missbrauchen. Es wurde entsprechend ab Ende der 90er massenhaft verschrieben gegen diverse chronische Schmerzen, leichte Rücken bis hin zu Zahnschmerzen. [musik] Dabei ist es eigentlich ein Medikament gegen starke bis sehr starke Schmerzen. All die Versprechen waren falsch. Millionen von Patienten in den USA wurden von Opioiden abhängig. Mehr als 800.000 Menschen sind in den letzten 24 Jahren daran gestorben. Bis heute sterben infolg desschen immer noch jährlich ztausende Abhängige an vollsynthetischen Straßenopioiden wie Fentanyl. Doch auf der UN Drogenkonferenz hört Maria Christoph immer wieder: "Pertw und Oxicontin, die seien Schnee von gestern. Tramadol, Tapentadol, schon mal was davon gehört." Sie horucht interessiert auf. Der Entwickler dieser Medikamente ist ein Pharmakonzern aus Deutschland, ein Familienunternehmen, genau wie Perdu Pharma der Secllers. Und das ist offenbar nicht die einzige Gemeinsamkeit. Ihr wird gesagt, das was der Konzern macht sieht aber relativ ähnlich aus wie was in den USA vor einigen Jahren passiert ist. Schaut euch die Zahlen mal an, ähm wie die angestiegen sind in den vergangenen Jahren. Und dann haben wir uns gedacht, okay, schauen wir uns mal an. Wir sind für dieses Video also nach Berlin gefahren und weil Berlin gefühlt Deutschlands Bargeldhauptstadt ist, erstmal Geld abheben. Jetzt habe ich euch als Sprecher Marcel ja schon 2641 mal die Vorteile von Revolut runtergebetet, aber mich selbst noch nicht getraut, mein Mainkonto zu einer neuen Bank umzuziehen. Jetzt habe ich es vor einem halben Jahr beendlich gemacht und bin super happy mit Revolut. Der Wechsel war mega entspannt. Die Eröffnung von dem Konto dauert maximal 5 Minuten und man kann sofort mit Apple Pay bezahlen. Der Konto Wechselservice hat z.B. alle Lastschriften automatisch auf mein neues Revolutkonto umgestellt. 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Ich konnte halt nur nachvollziehen durch Freunde von ihm, dass er sich auch ein Drucker und Computer geholt hat. Dann 2019, dass er da wo anfing mit den Medikamenten. [musik] Je stärker ein Medikament ist, desto schwieriger ist es, es zu bekommen. Nasensprays oder Halstabletten kriegt man einfach so im Supermarkt oder der Drogerie. Verschreibungspflichtige Medikamente gibt es nur in Apotheken. [musik] Dafür benötigt man in Deutschland ein entsprechendes Rezept. Das übliche Kassenrezept kennen wir alle. Es gibt aber auch andere Rezeptarten, etwa diese blauen Privatrezepte. Die bekommen versicherte von privaten Krankenkassen oder gesetzlich versicherte, wenn ihre Krankenkasse ein bestimmtes Medikament nicht übernimmt, z.B. für die Pille. Für härtere Medikamente, die als Betäubungsmittel eingestuft sind, gibt es noch das sogenannte Betäubungsmittelrezept, kurz BTM-Rezept. Es hat verschiedene Sicherheitsmerkmale. Es gibt z.B. dieses sehr feine Muster, dass sich mit keinem normalen Drucker kopieren lässt. Dann hat jedes Rezept eine einmalige fortlaufende Nummer, die unter UV-Licht ihre Farbe ändert. Das soll die Rezepte fälschungssicher machen und man soll Fälschungen so leichter erkennen können. Außerdem sind sie nach der Ausstellung nur eine Woche gültig. [musik] Für ein Medikament, das Marco ab 2019 genommen hat, braucht man bis heute kein BTMRept. Es reichen die regulären Kassenrezepte. Marco hat sich Blanco Vorlagen von blauen Privatrezepten besorgt. Mit seinem neuen Drucker macht er nun genau das, was sonst in Arztpraxen passiert. Er verschreibt sich selbst Medikamente wie das Betäubungsmittel Ketamin oder das Schmerzmittel Tramadol. Wie genau er dabei vorgegangen ist, teilen wir nicht. Wir raten grundsätzlich davon ab, Medikamente unbedacht und ohne Anweisung eines Arztes einzunehmen. Medikamente können schwer abhängig machen und erhebliche gesundheitliche Schäden verursachen. Der Missbrauch kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Marcos gefälschtes Rezept ist fertig. Jetzt braucht er nur noch eine Apotheke. [musik] Also, er hat immer vorher angerufen und hat nach dem Medikament gefragt, ob das vorrätig ist. [musik] Und wenn das Medikament vorrätig war, dann ist er dahin nachts hingegangen, teilweise nachts 11:30 Uhr. Und es gab sogar die Momente, da ist er sogar nicht mehr gerade laufend lallend da rein und er hat mit dem Privatrezept tatsächlich [musik] fünf Ampolen Kitamin ausgehändigt bekommen. Und das gleiche läuft bei Tramadol ab. Tramadol ist das Medikament, für das Marco in 3 Jahren vermutlich das allerletzte Mal zur Apotheke losziehen wird. Es ist ein Opioid und Opioide wirken anders als die Schmerzmittel, die viele von uns zu Hause haben. Bei einem opioidhaltigen Schmerzmittel hat der Konsument [musik] teilweise so ein euphorisches Gefühl. Also eigentlich wie bei anderen Drogen, bei illegalen Drogen auch. [musik] Iboprophäen, Aspirin, Paracetamol und Co. Z.B. nicht opioidaltige Schmerzmittel. Ja, da sind deine Kopfschmerzen vielleicht weg, aber du hast kein euphorisches Gefühl, was so in den Körper kommt, wie so ein Glücksmoment, wie so [musik] Endorphine. Endorphine sind körpereigene Botenstoffe, die Schmerzen lindern und gleichzeitig unsere Stimmung beeinflussen. Sie werden von unserem Körper ausgeschüttet, z.B. wenn wir lachen oder auch beim Geschlechtsverkehr. [musik] Endorphine beeinflussen unsere Körpertemperatur, Hormonkreisläufe und unser Hungergefühl. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist es aber, unseren Körper vor Schmerzen zu bewahren. Nehmen wir an, du stürzt mit dem Fahrrad und jetzt tut dir dein Knie weh. Endorphine docken nun an den sogenannten Opioidrezeptoren an und machen die Schmerzen erträglicher. Die Rezeptoren befinden sich an schmerzverarbeitenden Nervenbahn, z.B. im Gehirn und Rückenmark. [musik] Endorphine bekämpfen aber nicht den Ursprung des Schmerzes, also deine Wunde am Knie. Über die Opioidrezeptoren wird nur die Weitergabe des Schmerzes ans Gehirn unterdrückt. Die Schmerzen sind zwar noch da, aber das Gehirn wird weniger stark über die Reize informiert. Es gibt allerdings zahlreiche Schmerzen, bei denen sich die körpereigenen Schmerzstille erschöpfen oder nicht ausreichen. Doch die Menschheit hat bereits vor Jahrtausenden natürliche Substanz entdeckt, die an denselben Rezeptoren andocken kann. Opium. Der Begriff Opium stammt aus dem Griechischen und bedeutet Saft. Gemeint ist der Milchsaft des Schlafmonds, aus dem die Substanz gewonnen wird. Der griechische Mediziner Hippokratus soll das laut manchen Quellen schon um 400 vor Christus erwähnt haben. Es gibt aber auch Hinweise, dass medizinisches Opium schon deutlich früher von den alten Ägyptern benutzt wurde. Später hat Opium auch bei den Römern einen zentralen Platz in der Medizin eingenommen. Es gab mancher Orts hunderte Opiumapotheken. Etliche römische Kaiser waren regelrechte Opium Junkys. Chinesische Chirurgen haben es lieber als Narkosemittel genutzt. Der derzeit älteste bekannte Opiumfund stammt aus Israel. Es sind diese Keramikkrüge, in denen Schlafmoond damals aufbewahrt wurde. Knapp 3400 Jahre später in Paderborn. Der Apotheker Friedrich Sertörner experimentiert in seinem Labor mit unter Medizinern immer noch beliebtem Schlafmohn. Er isoliert daraus eine Substanz, [musik] die sich besser dosieren lässt als der Milchsaft. Morphium. Heute heißt es nur noch Morphin. Damit legt Sert den Grundstein für die moderne Schmerztherapie. Morphin ist ein sogenanntes Opiat, weil es direkt aus dem Saft des Schlafmonds gewonnen wird. Opioide dagegen bezeichnet alle Substanzen, die ein Opioidrezeptoren wirken, also auch teils oder komplett synthetisch hergestellte [musik] Stoffe. Mit Morphin wird bis heute gemessen, wie wirksam ein Opioid gegen Schmerzen ist. [musik] Tramadol und Telidin wirken etwa 80 bis 90% spewächer als Morphin. [musik] Der Wirkstoff inoxykontin von Pertue wirkt bei gleicher Dosis wie Morphin etwa doppelt so stark. [musik] Fentanyl ist 70 bis 100 mal stärker. Das macht die Droge so extrem gefährlich. Das stärkste in der deutschen Humanmedizin zugelassene Opioid ist Sufentanil. Es ist 500 bis 1000 mal stärker als Morphin. Ende des 19. Jahrhunderts dominiert Deutschland den globalen Arzneimittelsektor. Es gibt Stader in Dresden oder Bayer in Leverkusen. 1898 bringt man hier eines der ersten Opioide auf den Markt. Zu dieser Zeit sind viele in Europa und den USA süchtig nach Morphium. Das neue Medikament von Bayer soll viel besser sein als Morphium und nicht abhängig machen. Es heißt Heroin. Bayer bewirbt es aggressiv als harmloses Schmerzmittel gegen Husten. Es gibt Heroin frei verkäuflich in der Apotheke. Opioide wie Heroin werden zu weit verbreiterten Drogen. Doch im Laufe des 20. Jahrhunderts werden Opioide immer mehr aus dem Alltag der Menschen verbannt. Etliche neue Gesetze werden erlassen. Opioide landen vorwiegend in den Medizinsschränken von Krankenhäusern und Apotheken. Sie können Wunder bewirken, wenn man Schmerzen unterdrücken will. Gleichzeitig können sie aber auch extrem abhängig machen. Und dieses euphorische Gefühl führte eben auch dazu, dass man das wieder haben möchte, dass man eigentlich gerne weniger Schmerzen hätte und dass teilweise auch die Schmerzen stärker werden, wenn man das Medikament im Körper wieder entzieht. Und das macht eben ein Opioid gefährlich. Dadurch entsteht das Abhängigkeitspotenzial. Wer abhängig ist, entwickelt mit der Zeit eine Toleranz. Für das gleiche euphorische Gefühl muss man dann immer mehr konsumieren oder zu immer stärkeren Opioiden greifen. Gleichzeitig wächst du das Risiko einer Überdosierung. Die Atmung kann sich dann stark verlangsamen und es kommt zu wenig Sauerstoff im Gehirn an. Das kann zu Bewusstlosigkeit, Koma oder einem Herzstillstand führen. Oft bleiben dauerhafte Hirnschäden. Der Mischkonsum mit Alkohol oder anderen Drogen erhöht dieses Risiko zusätzlich. Im schlimmsten Fall droht ein plötzlicher Tod. Es ist Ende Mai 2022. Marco nimmt mittlerweile seit 3 Jahren regelmäßig Tramadol. Er ist im Teufelskreis der Sucht gefangen. Auch heute hat er sich wieder Tramatol eingeworfen. Seine Oma erzählt, er sei an diesem Tag in keinem guten Zustand gewesen. Sie beobachtet, wie er in seine Wohnung geht. Seine Mutter schickt ihm eine Nachricht, bekommt aber nur einen Haken. Das kommt öfter vor und sie denkt sich nichts Großes dabei. Na ja, er hat wieder irgendwie was genommen, will jetzt eine Ruhe haben. Doch als sie nach drei Tagen immer noch [musik] nichts von Marco hört, fährt sie selbst zu seiner Wohnung. Diesmal war so, dass ich etwas unruhig war. Trotz Sturmklingeln macht Marco nicht auf. Dann habe ich die Polizei geschickt, die haben die Tür nicht geöffnet, trotzdem, obwohl ich alles gesagt habe, mit Alkohol oder auch mit Fing mit mit dem mit den Medikamenten, ne? Das hat sie nicht interessiert. Es vergehen noch mal drei Tage, bis die Polizei ein zweites Mal anrückt. Aus Markos Wohnung kommt ein unangenehmer Geruch. Das war der dritte se, wo mir das dann ja Marco stirbt mit 23 Jahren. [musik] Bei der Obduktion wurde Dramadol in einer potentiell komösleten Konzentration gemessen. Im Obduktionsbericht steht, dass Marco eine Toleranz für Tramatol entwickelt haben könnte. Außerdem wurde neben geringen Mengen Paracetamol eine leichte Alkoholisierung und das Antipsychotikum Prometazin festgestellt. Daraus ergeben sich Hinweise auf eine kombinierte Vergiftung mit Dramadol. Leider ist Markusgeschichte kein Einzelfall. Wir reden oft nur über klassische Drogen, Alkohol, Heroinen, Cannabis, aber dass wir über 1,5 Millionen Medikamentenabhängige, wahrscheinlich in Dunkelzahlen sogar noch viel mehr Menschen haben. Das erlebe ich als Notfallmediziner dort hinter den Netzgardinen in den Wohnungen, auf der Straße, wo viele andere Menschen nicht hinkommen. Das ist Janno Stammen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen und nebenbei aktiv im Rettungsdienst. Als Notarzt erlebe ich jeden Tag an Stellen, wo viele andere Menschen nicht hinkommen, dass wir ein großes Problem mit Medikamentenmissbrauch in Deutschland haben. Je nach Erhebung gelten in Deutschland rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen als Medikamentenabhängig. Damit gibt es etwa so viele Medikamenten wie Alkoholabhängige, [musik] teilt sogar mehr. Vor allem junge Menschen experimentieren immer häufiger mit Drogen. Medikamente werden dabei immer beliebter. [musik] Opioide werden am häufigsten von jungen Menschen missbräuchlich eingenommen. Das sind zumindest die Ergebnisse einer aktuellen Befragung des Instituts für Therapieforschung. eine Umfrage, die heißt Trendspotter, wo man mit Leuten in ähm Substitutionsstellen aber auch in der Partyszene gesprochen hat und die gesagt haben, es wird immer schlimmer, dass junge Menschen zwischen 16 und 25 Medikamente konsumieren, opioidhaltige Medikamente konsumieren, das Abhängigkeitspotenzial unterschätzen, trotzdem in eine Sucht gelangen und dann vielleicht danach zu Oxykodon Fentanyl Heroin greifen. Junge Menschen wissen oft nicht, wie gefährlich und riskant ihr Drogenkonsum ist. [musik] Gerade bei jungen Menschen wird Tramadol und auch Teledin zunehmend auch als Einstiegsdroge verstanden, die leicht [musik] verfügbar ist, die total unterschätzt wird. Nimmt man draußen eine Tablette, fragt keiner nach. [musik] Zieht jemand draußen eine Nase durch mit Koks, da fragt man nach, aber nicht bei einer Tablette. Aber dass eine Tablette genauso tödlich sein kann, das ist dem wenigsten bewusst. 2023 waren über alle Altersgruppen hinweg opioidhaltige Schmerzmittel in etwa 8% aller drogenbedingten Todesfälle involviert. Bei 14 bis 20-jährigen in jedem dritten Fall. Viele dieser Schmerzmittel sind weiter verbreitet denn je. Es gibt ganz unterschiedliche Wege, wie man an Tramador rankommt, z.B. über Telegram, über irgendwelche Gruppen aus dem Darknet oder vielleicht bei der Oma am Schrank, weil die das verschrieben bekommen hat und das da irgendwie rumliegt oder bei anderen Verwandten oder eben, indem man sich wie Marco mit geringem Aufwand selbst Rezepte schreibt. Warum werden einige dieser Opioide also nicht strenger reguliert? Etliche andere Länder haben z.B. deutlich strengere Regeln für die Abgabe von Dramadol als wir. Großbritannien stuft das Opioid schon seit 2014 als Control Truck der Stufe 3 ein, was eine strengere Verschreibung vorsieht, nämlich ein spezielles Rezept für Control Trucks. In Frankreich erkennt man bei Tramadolas Opioid ein hohes Risiko für Missbrauch, Abhängigkeit und Überdosierung. Seit 2020 darf es nur noch für maximal 3 Monate verschrieben werden. Außerdem müssen die Hersteller kleinere Packungen anbieten, damit keine Tabletten übrig bleiben. Seit 2025 gelten in Frankreich noch strengere Regeln. Dramadol ist nur noch mit einem fälschungssicheren Spezialrezept erhältlich, vergleichbar mit dem deutschen Betäubungsmittelrezept. Auch Kanada, die USA und Schweden regulieren Tramadol strenger als Deutschland. Warum geht Deutschland, das Land, in dem Tramadol erfunden wurde, einen Sonderweg? Schauen wir uns dafür den Konzern, der das Medikament entwickelt hat, mal etwas genauer an. [musik] Vision a world of pain. Grünental ist im Vergleich zu anderen Pharmariesen ein recht junger Konzern. Trotzdem hat er eine ereignisreiche Geschichte. 1946, ein Jahr nach dem Zweiten Weltkrieg. In Nürnberg wird rangohe Nazis der Prozess gemacht. Währenddessen schuften draußen viele Menschen mit ihren bloßen Händen und wurden schweren Schutt durch die Gegend. Gleichzeitig sind viele Menschen mit Verletzungen vom Krieg gezeichnet. [musik] In Stollberg bei Aen scheint die Unternehmerfamilie Wirz zu wissen, was ein solches Land nun braucht. Medizin. Bisher das Unternehmen der Familie vor allem Waschmittel hergestellt. 1946 gründen sie die Chemiegrünental GmbH. Sie sind die ersten, die das Antibiotikum Penicillin auf den deutschen Markt bringen. Das junge Pharmaunternehmen hat sich zahlreiche Wissenschaftler anbord geholt. Dr. Heinrich Mücker wird wohl Leiter der Forschungsabteilung. Er soll in der NS-Zeit grausame und teilt tödliche Experimente an KZ-Häftling durchgeführt haben. Einer Verhaftung durch die polnische Justiz entgeht er wohl durch die Flucht in den Westen. Angeklagt oder verurteilt wurde er dafür nie. Auch Heinz Baumkötter soll als NS Lagerarzt im KZ Sachsenhausen an Menschen experimentiert haben, darunter auch Kinder. Er soll ihn unter anderem Hepatitiserreger injiziert und sie mit Phosphor verbrannt haben. Baumkötter wird später zu einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Die Strafe gilt jedoch als verbüß, weil er zuvor in Untersuchungshaft und einem Sowjetgefängnis inhaftiert war. Statt erneut im Gefängnis landet er bei Grünental. Grünentils wahrscheinlich berühmtester Nazi war Otto Ambros, Giftgasexperte und Vorstandsmitglied beim Vorläufer der BASF. Ambros gilt als Hauptverantwortlicher für das KZ Auschwitz 3 und wurde zu 8 Jahren Haft verurteilt. Entlassen wurde er bereits nach 3 Jahren und landet dann im Vorstand mehrerer Unternehmen. Bei Grünen Teil wird er später Berater in einem Beirat. Laut Recherchen der Regionalzeitung WZ sollen mindestens fünf führende Nazis für Grünental gearbeitet haben. Sie konnten ihre Karrieren in Aen trotz ihres düsteren Lebenslaufs offenbar ungestört fortsetzen. Grünentil bestätigt uns, dass sie in der Nachkriegszeit unter anderem Forschende beschäftigt haben, die zuvor Positionen in der NSDAP Inne hatten. Das sei in vielen anderen Firmen genauso gewesen. Sie würden die Greuultaten des Naziregimes verurteilen und betonen, dass sie für eine freie, vielfältige und tolerante Gesellschaft einstehen würden. Diese Haltung sei ihnen heute wichtiger denn je. Anfang der 60er macht das Familienunternehmen erstmals weltweit Schlagzeilen. Dabei geht es nicht um mutmaßliche Nazis im Labor, sondern um den bis heute wahrscheinlich größten Pharmaskandal Europas. 1957 bringt Grünental ein scheinbar harmloses Beruhigungs- und Schlafmittel auf den Markt. Kontergan enthält den Wirkstoff Talidomit und wird explizit auch an Schwangere verschrieben. Viele nutzen es gegen Schlafschwierigkeiten oder Morgenübelkeit. Das Medikament wird unter verschiedenen Namen in fast 50 Ländern verkauft. Doch plötzlich häufen sich Fehlbildungen bei Neugeborenen. Über 12000 sogenannte Konterganbabies kommen mit fehlenden oder verkümmerten Armen und Beinen zur Welt. Heute weiß man, dass der Wirkstoff in Kontagan in frühen Schwangerschaftswochen die Entwicklung des Fötos beeinträchtigt hat. Das hat zu den Fehlbildungen geführt. Fast ein Drittel der etwa 12000 weltweit dokumentierten Kontaganbabies haben ihren ersten Geburtstag nicht erlebt, vor allem wegen Problemen mit Herz, Nieren und Darm. Nach vier Jahren wird Kontagan vom Markt genommen. Überlebende haben teils bis heute mit schweren Einschränkungen zu kämpfen. Von einer den 70ern gegründeten Stiftung erhalten sie seitdem eine sogenannte Konterganrente. Das Geld dafür kommt teils von Grünental und ab Ende der 90er komplett vom Bund. Wir kriegen eine Höchstrente von 545 € und ich möchte Sie einfach fragen, würden Sie für 545 € ihre Arme und Beine abgeben? Nein, das würde keiner wollen. Wir fordern von den grünen Teilen Eigentümern der Familie Wirz in Stolberg be Achen ein Angebot, was wir einfach nicht ablehnen können. Die Renten wurden seit 2008 mehrfach erhöht und Grünental bezahlt weitere 50 Millionen Euro in die Stiftung ein. 2012 gründen sie eine zusätzliche Stiftung, die mit finanziellen Hilfen versucht, die Lebenssituation der Opfer zu verbessern. Im Jahr 2021 entschuldigt sich Michael Wirtz im Namen der Unternehmerfamilie Wirz bei allen Geschädigten. Die Kontagödie sei Teil ihrer Unternehmensgeschichte und sie würden die weitreichenden Folgen zutiefst bedauern. Uns schreibt Grünental, wie wichtig ihre Stiftung sei und welch besondere moralische Verantwortung sie tragen würden. In den 70ern ist das junge Unternehmen nach dem Skandal am Boden. Jeder hat äh erstmal mit dieser Krise das Unternehmen in Verbindung gebracht. relativ bald oder auch ja eigentlich schon in dieser Krisenzeit wurde ein neues Medikament von der Firma entwickelt im Schmerzmittelbereich ein Opioid [musik] ähm das hieß Tramadol damals auch Tramal der Markenname. Tramal kommt 1977 auf den deutschen Markt. Die Forschung daran hat vermutlich mindestens 15 Jahre gedauert. [musik] 1962 soll der Chemiker Kurt Flick den Stoff erstmal synthetisiert haben. Erste Anträge auf ein Patent haben wir schon wenige Jahre später in einem Dokument des US-Patentamts gefunden. Solche Forschungsphasen sind extrem aufwendig und kosten viel Geld. Oft werden Medikamente noch in der Forschungsphase verworfen und kommen nie auf den Markt. Das macht die Entwicklung neuer Medikamente sehr teuer. Darum ist der Patentschutz insbesondere für forschende Pharmakonzerne so wichtig. Das Patent auf Dramadol ist Ende der 90er ausgelaufen. [musik] Während das Patent läuft, kann nur der Erfinder mit seinem Wirkstoff Geld verdienen. So können die Kosten der Forschung wieder reingeholt werden. Nach der Markteinführung wird Tramadu laut Grünental zu einem der weltweit am häufigsten verschriebenen opioidhaltigen Schmerzmittel. Es gilt damals als schwaches [musik] Opioid. Das ist ja auch noch mal quasi ein großes Problem, dass man bei Tramadol immer gesagt hat, es ist ein schwaches Opioid und dann gibt's noch die starken Opioide. Die einen sind ganz okay und die anderen Vorsicht, aber eigentlich haben die Experten oder viele Experten, mit denen wir gesprochen haben, gesagt, diese Unterscheidung macht keinen Sinn. Opioid ist Opioid und Opioide können abhängig machen. In Deutschland bekommt man es seit jeher mit einem einfachen Rezept in der Apotheke. Wir wollten wissen, warum. Wir landen zunächst beim Bfarm, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. 1975 wurde als Reaktion auf den Kontagskandal das Bundesgesundheitsamt gegründet. Aus diesem ging später unter anderem das Bfarm hervor. Die Behörde mit Sitzend Bonn ist laut eigenen Angaben Europas größte Erzneimittelzulassungsbehörde. Sie kümmert sich auch um die Einstufung von Medikamenten als Betäubungsmittel. Entscheidet also darüber, wie einfach man an Tramadol und Co. kommt. Die sogenannte Bundesopiumstelle [musik] ist innerhalb des Bfarm dafür zuständig. Wir schreiben also eine E-Mail. Wir fragen, ob der Bundesopiumstellenleiter Dr. Kremer Schffer in den nächsten Wochen Zeit für uns hat. Nur wenige Stunden später kommt eine Antwort. Vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir bitten jedoch um Verständnis, dass wir Ihnen aus Ressourcengründen leider kein Interview anbieten können. Hm, unsere Anfrage hatte monatelangen Vorlauf. Wir rufen direkt die Nummer aus der Mail an und landen bei einem Pressesprecher des Bfarm. Wir erklären, dass wir ein Team junger Journalisten auf YouTube sind, dass wir super viele junge Menschen erreichen und dass uns auch nur 15 Minuten Videocall ein kurzes Telefonat mit dem Leiter der Bundesopiumstelle reicht. Keine Chance. Nach einer Viertelstunde Telefonat mit dem Pressesprecher bleibt es dabei. Fragen werden nur schriftlich beantwortet. Das Bfarm macht dicht. Die Begründung mit den Ressourcen wirkt auf uns wie eine Ausrede. Dass sie nicht mit euch [musik] sprechen wollten, überrascht mich jetzt nicht. Es gibt einen handfesten Compliance Konflikt von den regulatorischen Behörden, der damals bekannt war, der rückblickend noch absurder erscheint. Es ist ja eine Entscheidung, die im Jahre 2011 getroffen worden ist, die sicherlich auch kritisiert wird, insbesondere was die Unabhängigkeit der Entscheidung betrifft. Der Fall beginnt im Mai 2010. Dramadol ist seit gut 30 Jahren auf dem internationalen Markt und wird inzwischen auch von anderen Herstellern als sogenannte Generika angeboten. Generika sind Medikamente, die den gleichen Wirkstoff haben wie ehemals patentgeschützte Erzneimittel. Sie wirken genauso wie die Originalmedikamente, heißen teils aber anders. In Deutschland gibt das Dramadol unter anderem auch von Raziofarm Hexal oder Hexals Schwesterfirma 1A Pharma. Dennoch verdient Grünental weiterhin Geld mit dem Medikament. [musik] Wie viel genau hat uns das Unternehmen nicht beantwortet? Ein Grünen Teilmitarbeiter nennt Dramadol gegenüber dem Spiegel eine Cash Cow. Wir sind in Bonn im Bfarm. Dramadol ist ihr heute Thema im sachverständigen Ausschuss für Betäubungsmittel. Es soll stärker reguliert werden. Kremer Schäfer persönlich soll es auf die Agenda gesetzt haben. Er war damals bereits Leiter der Bundesopiumstelle. Tagesordnungspunkt 6: Unterstellung von Tramadol in die Anlage 3 des Betäubungsmittelgesetzes. Auch Tilidin soll stärker reguliert werden. Am Ende fällt keine Entscheidung. Der Ausschuss vertagt das Thema und Grünental schaltet sich ein. Man sei von diesem Agendapunkt sehr überrascht, schreibt Grünental in einem Schreiben an Kremer Schffer. Grünental rätt darin dringend von restriktiven Maßnahmen ab. Eine verschärfte Regulierung in Deutschland habe eine weltweit fatale Signalwirkung. Zusätzlich soll Grünental Lord Spiegel 49 Seiten wissenschaftliche Bewertung angehängt haben, die ein geringes Missbrauchspotenzial von Tramadol beweisen sollen. Diese Belege sollen von Grünental ausdrücklich als vertraulich eingestuft worden sein. Der sachverständigen Ausschuss im Bfarm will sich Dramadol jetzt genauer anschauen. Dafür wird kurz darauf die Arbeitsgruppe Telidin Tramadol gebildet. In dieser Arbeitsgruppe hat man sich eben damit befasst, ähm ja, haben wir ein Problem quasi mit Abhängigkeit durch Dramadol, hat sich wissenschaftliche Studien angeschaut, äh natürlich auch die Zahlen zur Nebenwirkung eingeholt, die z.B. beim Unternehmen eben liegen. Ähm und genau hat überlegt, sollte das strenger reguliert werden oder passt es eigentlich so, wie es ist. Die Arbeitsgruppe besteht aus acht der 12 Mitglieder des Ausschusses. Beim Blick auf die Teilnehmerliste kann Maria Christoph ihren Augen kaum trauen. Eine ehemalige Managerin von Grünental z.B. ähm saß da drin andere Wissenschaftler auch, die mit grünen Teil zusammen Forschung betrieben haben. Äh und der Leiter der Arbeitsgruppe war interessanterweise auch ein Grünental Stiftungsprofessor, äh wo für uns eigentlich der Interessenkonflikt schon im Namen vorhanden war. Auch sehen hier einen Interessenkonflikt. Es gibt Zweifel, dass Parteien, die zuvor für Grünental gearbeitet haben, unabhängig über die Zukunft von Grünentals Cashcow beraten können. Der Schmerzmediziner Lukas Ratbruch erkennt keinen Interessenkonflikt. Er war Vorsitzender der Arbeitsgruppe und bis Herbst 2010 Professor an der RWT. Achen. Sein Lehrstuhl wurde von der Grünen Teilstiftung für Palliativmedizin finanziert. [musik] Er selbst sei aber verbeamteter Professor gewesen und habe keine nennenswerten Aufwendungen von Grünal erhalten. Außerdem betont er seine Unabhängigkeit und Freiheit in Forschung und Lehre. Grünental schreibt uns, der Lehrstuhl werde schon seit 2003 gestiftet und hänge nicht mit Ratbruch zusammen. Seine Position in der Arbeitsgruppe habe keinen Zusammenhang zur Förderung durch ihre Stiftung. Zudem hätten sie keinen Einfluss auf die Zusammensetzung der Arbeitsgruppe gehabt. Das Bfam schreibt: "Ihnen seien damals keine Interessenkonflikte mitgeteilt worden, die eine Mitarbeit bestimmter Mitglieder an der Arbeitsgruppe ausgeschlossen hätten. Auch Kremer Schäfer will laut Spiegel keinen Interessenkonflikt erkennen können. Im Dezember 2012 tag der Sachverständigen Ausschuss für Betäubungsmittel erneut im Bfarm. Kurz vor Ende der Sitzung stellt die AG Telidinamadol ihren Abschlussbericht vor. Sie empfehlen keine strengeren Regeln für Tramadol. Das Opioid könne zwar grundsätzlich missbraucht werden. Hinweise auf ein erhöhtes Missbrauchs oder Abhängigkeitspotenzial erkenne man aber nicht. Im Vergleich zu stärkeren Opioiden wird das Abhängigkeitspotenzial als gering eingeschätzt. Dramadol soll weiterhin ohne BTM-Rezept erhältlich bleiben. Der Sachverständigen Ausschuss beschließt das einstimmig. Die Empfehlung hat dann äh die Arbeitsgruppe und der Sachverständigen Ausschuss an das Gesundheitsministerium gegeben und die haben dann gesagt, ja, okay, passt. Dieser Vorgang ist nun 15 Jahre her. Im Gegensatz zu uns konnte Maria Christoph mit Peter Kremer Schäfer über all das persönlich sprechen. Also, es waren echt einige Stunden, die wir da in Bonn im Büro des Leiters der Bundesopiumstelle saßen und sehr ausführlich über Tramadol, die Datenlage, die ganzen Geschehnisse damals mögliche Interessenkonflikte gesprochen haben. Im Nachhinein hat man uns gesagt, wir dürfen nicht daraus zitieren. Ein sogenanntes Unter dreig Gespräch mit Journalisten. Sie darf nichts aus der Unterhaltung erzählen, kann uns aber sagen, wie sie Kremerschäfer wahrgenommen hat. Ja, also auf mich wirkte der Leiter der Bundesopiumstelle sehr distanziert zum Thema. Ähm sehr professionell auch. Kremer Schäfer ist Schmerzmediziner und kennt die Arbeit an Patienten. 2003 ist er ins Bfarm gewechselt und leitet seit 2009 die Bundesopiumstelle. Gleichzeitig glaube ich, dass er schon relativ lang einfach auch nicht mehr als praktizierender [musik] Arzt ja tätig ist und vielleicht auch nicht mehr ganz weiß, wie viel Zeit einen Arzt tatsächlich hat, um einem Patienten die Nebenwirkung von dem Medikament zu erläutern und gerade bei sowas wie Tramadol zu erklären, dass es wirklich wirklich mit Vorsicht zu genießen ist, auch wenn es nicht vollständig unter Betäubungsmittel fällt. Rückblickend gibt das offenbar Zweifel an der Einschätzung von damals. Mehr Experten, mit denen wir gesprochen haben und auch jüngere Studien, die wir uns dazu angeschaut haben, sehen auf jeden Fall ein erhöhtes Abhängigkeitsrisiko bei Tramadol und vor allem auch Menschen, die abhängig sind, mit denen wir gesprochen haben, die haben gesagt, dass sie eigentlich sofort abhängig waren. Gleichzeitig hat sich das gesellschaftliche Umfeld seit 2012 verändert. Jugendliche trinken und rauchen zwar weniger, probieren dafür etwas mehr illegale Drogen aus. Auch der Bundestdrogenbeauftragte Hendrik Sträg will einen Schift in Deutschland erkennen. Ganze Stadtteile haben sich verändert oder verändern sich aufgrund von Crack und so synthetischen Opioiden und in einigen Gebieten und auch in Teilen sehen wir einfach einen deutlichen Hinweise auf eine sich anbahnende Opioidkrise. Im Kern zeigt sich heute, dass die Abhängigkeitspotentiale dieses Medikaments viel höher sind, als sie damals angegeben wurden. In Berlin sprechen wir mit Politikern über eine mögliche Neubewertung von Tramadol. Janus Damen von den Grünen ist ganz klar dafür. Es ist ein großer Fehler und die Umstände, unter denen die Entscheidung [musik] der regulatorischen Behörden damals zustande gekommen sind, sind sie hochfragwürdig und auf Basis der Erkenntnisse heute müsste dringend eine Änderung erfolgen, die äh hier dafür sorgt, dass das unters Betäubungsmittelgesetz fällt, um Menschen zu schützen und eben andere Formen der Schmerztherapie auch dort, wo eben die Medikamente gebraucht werden, viel stärker in den Vordergrund zu rücken. Ich glaube, es hilft uns nicht, wenn wir nur die Entscheidung von 2011 kritisieren, [musik] sondern die jetzige Entwicklung ist besorgniserregend. Sos Pantazos von der regierenden SPD pläert entsprechend ebenfalls dafür Tramadol wieder auf die Agenda beim Bfarm zu setzen. Wenn die wissenschaftliche Neubewertung dann vorliegt, dann müssen wir aktiv werden [musik] im Sinne halt auch der Sicherheit der Bevölkerung, aber auch gleichzeitig der die eine Abwegungsentscheidung vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit von Schmerzpatientinnen und Patienten nicht außer Acht lassen. Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU sagt dem ZDF, sie wäre offen dafür, Tramadol neu überprüfen zu lassen. Nur das Bfarm und Kremer Schäfer möchten das offenbar nicht. Die Behörde schreibt uns: 2024 habe es aufgrund eines routinemäßigen Verfahrens Änderungen an den Fach- und Gebrauchsinformationen gegeben. [musik] Was das vergleichsweise geringe Missbrauchspotenzial angehe, würden aktuell keine neuen Erkenntnisse vorliegen. [musik] So steht das Bfarm weiter zur Bewertung der Arbeitsgruppe von 2012. Sie erkennen auch keine Hinweise auf eine Opioidkrise. In den USA seien zu Beginn der Krise die Verschreibungen stark angestiegen. Das lässt sich in Deutschland nicht beobachten. Die Verordnung von opioithaltigen Schmerzmitteln ist zwischen 2005 und 2020 sogar um 19% gesunken. [musik] Über die Entwicklung von Opioidmissbrauch unter jungen Menschen sagen diese Zahlen nur bedingt etwas aus. [musik] In derselben Studie, die das Befarm hier zitiert, geht es auch um sogenanntes Doktor Shopping. [musik] Wer in einem Jahr von mindestens fünf verschiedenen Arztpraxen Opioidrezepte erhält, gilt als Doktor Shopper. Das kann auf Missbrauch und Abhängigkeit hindeuten. Die Daten zeigen, dass jüngere Menschen deutlich häufiger Doktorhoppen als ältere. Abseits des Missbrauchs will das Bform nun die Abhängigkeitsentwicklung bei therapeutischer Anwendung von Opioiden untersuchen lassen. [musik] Gleichzeitig übernimmt die Behörde bei der Begründung gegen eine BTM Rezeptpflicht und eine strengere Regulierung offenbar teils das Wording von Grünental. In Deutschland ist ein Argument äh der Firma selbst, aber auch des Bfarm, dass man eine Signalwirkung habe. Man wolle es in Deutschland nicht zum Betäubungsmittel machen, damit es in anderen Ländern nicht strenger reguliert würde. In Telefonaten mit Tanja Albroscheid hat Peter Kremer Schäfer ihr zufolge mehrmals ähnliche Töne angeschlagen. Da war immer wieder die ähm Aussage von ihm gewesen wegen der dritte Weltländer, damit dort die Verfügbarkeit dort ist und leichter ist. Wenn man auch ganz genau mal äh guckt, weiß man selber, dass in Afrika und so weiter das ganz schlimm auch ist mit diesen ganzen Sachen. Hat konkret in Afrika? Ja, dritte Weltländer hat er ganz das hat er ganz klar gesagt. Was genau meinen Kremer Schäfer und das Bfarm damit? Was hat eine strengere Regulierung von Tramadol in Deutschland mit einer angeblich weltweiten Signalwirkung zu tun? Auf solche Fragen hat uns das BF nicht direkt geantwortet. Sie schreiben lediglich, dass sie die Entwicklung und fachliche Diskussion auf internationaler Ebene beobachten. Grünen Teil dagegen hat uns sehr ausführlich geantwortet. 2010 hätte eine verschärfte Regulierung in Deutschland laut dem Konzern eine negative Signalwirkung auf andere Länder haben können. Das hätte besonders Regionen betroffen, die mit einer Unterversorgung von Opioiden zu kämpfen hatten. Schauen wir uns mal eine solche Region an in Afrika. Teile des Kontinents erleben seit vielen Jahren eine gravierende Opioidkrise. Also gerade in Westafrika wird eigentlich die Bevölkerung überschwemmt mit Opioiden, gerade auch mit Tramador. Das ist ein afrikanischer Pfirsig. In Kamerun benutzen ihn Menschen zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Malaria. Forscher aus Kamerun und Frankreich untersuchen die Pflanze gerade. Sie wollen herausfinden, was hier die schmerzländernden Eigenschaften verleih und sie werden tatsächlich fündig in der Wurzelrinde. Sie analysieren den Wirkstoff und können es selbst kaum glauben. Sie stoßen in der Pflanze auf diesen Stoff. In der Medizin ist er besser bekannt als Tramadol. Der natürliche Stoff, den sie gerade entdeckt haben, ist exakt der gleiche wie der, den grünen Teil vor Jahrzehnten im Labor erfunden hat. Bis jetzt dachte man, Tramadol sei ein von Menschen geschaffenes synthetisches Opioid. Kann das also wirklich sein? Um sicherzugehen, untersuchen die Forscher insgesamt drei Pflanzen von unterschiedlichen Orten in Kameruhun, [musik] gesammelt zu verschiedenen Jahreszeiten. Tatsächlich, sie finden in allen Proben Tramadol. Eine Kontamination schließen sie nun aus. Die Forscher sind sicher, dass der Stoff einen natürlichen Ursprung haben muss. Es ist eine bahnbrechende Entdeckung. Sie macht international Schlagzeilen in der Fachpresse. Als nächstes will das Team erforschen, wie die Pflanze das Dramadol herstellt. Doch soweit kommt es nicht, denn zwei Jahre später erscheint diese Studie. Vier Forscher entzaubern den bahnbrechenden Fund. Das Tramadol im afrikanischen fürsich hat eindeutig keinen natürlichen Ursprung. Es ist Menschen gemacht. Sie weisen Tramadol nicht nur im Pirsig, sondern auch in anderen Pflanzen nach. Sie finden das Opioid auch im Boden und den teils besorgniserregend hohen Konzentrationen in Brunnenwasser. Das ist in manchen Ländern in Afrika sogar im Grundwasser, weil es einfach durch die Ausscheidung einfach so viel vorhanden ist. Ähm das wird auf Eckern gefunden. Also es ist einfach ein riesiges Problem und das weiß auch jeder. Nicht nur in Kamerun sind unzählige Menschen von dem Schmerzmittel abhängig. Auch in Togo, Nigeria und Ghana ist Tramadol extrem weit verbreitet. Das Opioid überrollt seit Jahren zahlreiche westafrikanische Staaten. Laut den Vereinten Nationen ist die nichtmedizinische Verwendung von Dramadol mindestens seit 2013 ein wachsendes Problem des Kontinents. Heute erleben viele Staaten regelrechte Opioidkrisen. Dramadol trägt ja auf den Spitznamen Poorman's Cocain. [musik] Motorradifahrer in der Hauptstadt von Togo. [musik] Um geht es in dieser sehr empfehlenswerten Arte Doku. Er erzählt darin, dass er zum Geld verdienen nach Lom kommt. [musik] Eigentlich wohnt er weiter weg und geht nur sonntags in sein Dorf zurück. In der Stadt lebt er gemeinsam mit Kollegen auf der Straße und Siko ist abhängig von Tramadol. [musik] Nimmt zum Zeitpunkt der Aufnahmen seit 3 Jahren Tramatol. Er schluckt etwa zwei Pillen pro Tag. Das Tramatol, das er nimmt, stammt aber nicht von grünen Tal. Der Konzern vertreibt kein Dramadol in Westafrika. Stattdessen fluten indische und chinesische Hersteller den Markt mit billigen Generika. Zusätzlich ist auch gepunchtes Tramadol im Umlauf. Die Tabletten haben auf eine andere Dosis als auf der Packung angegeben ist. Manche enthalten schlicht gar kein Tramadol. In der Arte Doku erzählt Siko von seinen Nebenwirkungen. Je veux devenir un fou. S'il y a un immeuble à côté de toi, ça fait comme si l'immeuble est en train de tomber sur toi et si tu ne fais pas attention, tu vas commencer à courir. Donc moi, je suis obligé de m'assoir sur ma moto. S nutzt Dramadol, um seine 12 Stunden Schichten auf dem Motorrad durchzuhalten, um die Arbeit zu überstehen und durch den Tag zu kommen. Dafür nutzen das viele. Ist so das Kokain der Armen heißt es immer wieder. Also, man nutzt es, um auch high zu werden, um vielleicht auch Schmerz zu vergessen. Es ist auch so eine Art Partydroge. Es wird einfach wahnsinnig viel missbraucht. Siko muss sich keinen teuren Drucker kaufen, um an seine Pillen zu kommen. Es gibt Tramadol im Überfluss, in Apotheken, an Straßenständen oder beim Dealer auf dem Schwarzmarkt. Teils illegal produziert, teilt legale Generiker aus Asien. Grünental hat als Erfinder des Wirkstoffs für die Situation in Teilen Afrikas höchstens eine moralische Verantwortung. Gleichzeitig wirkt das Drängen auf eine lockere Regulierung in Deutschland mit Verweis auf eine weltweite Signalwirkung auf uns nicht ganz schlüssig. Man möchte, dass es in Deutschland nichts als Betäubungsmittel gilt, damit das in anderen Ländern, wo es dringend gebraucht wird, auch nicht äh strenger reguliert wird. Was natürlich eigentlich ein verdrehtes Argument ist, weil in Deutschland geht es um deutsche Patienten. Die Verfügbarkeit ist da, auch mit Betäubungsmittelrezept. Das hängt jetzt nicht direkt mit Afrika zusammen, ehrlich gesagt. Eine strengere Regulierung im Heimatland des Tramadolerfinders könnte vielleicht auch eine Signalwirkung auf das Label haben, das grünen Teil seinem Wirkstoff seit jeher mutmaßlich zuschreibt. Man hat ja auch mal diesen Anschein schwachen Opioids in die Welt gesetzt und [musik] man hat ja auch mal das quasi geframed als etwas, was nicht so stark ist wie andere Opioide. Und da würde ich schon sagen, hat Grünental nach wie vor eine Verantwortung, weil Menschen nach wie vor davon ausgehen, schwaches Opioid, starkes Opioid. Das eine ist nicht so schlimm, fällt nicht unter WDM, das andere Oxikodon z.B. ist total schlimm. Äh, da müssen wir aufpassen. Grünental ist sich durchaus bewusst, dass ihre opioithaltigen Schmerzmittel auch missbraucht werden können. Es sei unbestritten, dass Tramadol abhängig machen könne. Der Konzern schreibt uns weiter, er würde Tramadol nicht als Medikament mit geringem Missbrauchs oder Abhängigkeitspotenzial vermarkten. Ihre Position bezüglich des Missbrauchspotenzials basiere auf wissenschaftlichen Daten, die den Behörden gegenüber transparent dargestellt werden. Dramadol sollte nur unter strenger ärztlicher Kontrolle und Nutzenrisikobewertung angewendet werden. Die Regulierung des legalen medizinischen Einsatzes würden die jeweiligen Regierungen vornehmen. Grünental unterstütze entsprechende Maßnahmen, sofern eine nationale Situation das Erfordere. In einigen westafrikanischen Staaten wurde Tramadol jedoch erst strenger reguliert, nachdem es jahrelang gewütet hat. Tramadolen hat sich in einigen Teilen der Welt augenscheinlich zu einem unglücklichen Nebenschauplatz für Grünental entwickelt. Nachdem das Patent Ende der 90er ausgelaufen ist, gibt es Tramadolgenika von zahlreichen anderen Herstellern. Entsprechend fallen auch die Preise für das Medikament. Nachdem Tramadol Generiker wurde, brauchte man natürlich einen neuen Topseller. Grünental bringt um das Jahr 2010 ein neues Medikament auf den Markt. Es soll viel besser sein als vergleichbare Pillen wie das berüchtigte Oxikontin. Und so wird dieses neue Medikament von Grünental noch mehr Teile der Welt erobern. Wir haben an diesem Beitrag über Monate gearbeitet, eine Apotheke gemietet, Interviews im Bundestag gedreht. Das geht nur mit der Unterstützung von unseren Partnern. 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Ab 2016 war er zwei Jahre lang von Oxikodon abhängig. Seit einem Jahr hat der Opioide aber erfolgreich hinter sich gelassen. Heute sitzt er wegen chronischer Kopfschmerzen wieder beim Arzt. Der verschreibt ihm ein neues Opioid [musik] namens Palexia. So heißt das Medikament von Grünental mit dem Wirkstoff Tapentadol. In Australien wird das von einem anderen Hersteller vertrieben, der Lizenzgebühren an grünen Teil bezahlt. Im Beipackzettel steht zwar, dass Brad ein höheres Abhängigkeitsrisiko haben könnte, weil er schon mal abhängig von verschreibungspflichtigen Medikamenten war. Trotzdem vertraut er seinem Arzt. Linda dagegen ist besorgt. Ein Jahr später bringt sie Drillinge zur Welt und Bred nimmt immer noch Tapentadol. Die Tabletten machen ihn schläfrig und er kann kaum mit den Kindern helfen. Wenn er die Pillen absetzt, wird der sonst so friedliche Australier gereizt und aggressiv. Heute eskaliert das total. [weinen] Als Brad dann das erste Weihnachten der Drillinge verpasst, wird es Linda zu viel. Er muss ausziehen, darf die Kinder aber weiter besuchen. 5 Monate später wird Brad tot aufgefunden. Er ist an einer Überdosis Tapentadol und Oxikodon gestorben. Für viele globale Pharmakonzerne gichen die letzten Jahrzehnte eine Achterbahnfahrt. PDU Farmer hat seine Opioide über Jahre mit aggressiven Marketingstategien beworben, hat gezielt Ärzte beeinflusst und das Abhängigkeitsrisiko seiner Medikamente verharmlost. Für seine Rolle in der Opioidkrise wurde das Unternehmen 2020 zu einem Vergleich über rund 8 Milliarden US-Dollar verpflichtet. Ein Jahr zuvor hat die Firma Insolvenz beantragt. Für viele Unternehmen gilt das Geschäft mit Opioiden als zu heiß und riskant. Der Pharmaise Johnson and Johnson beispielsweise hat 2021 sein Opioidgeschäft in den USA vollständig eingestellt. Das Farmaunternehmen Endo Health Solutions hat sich 2024 in einem Insolvenzverfahren verpflichtet, sein Opioidgeschäft stark einzuschränken. Zuvor hat sich der Konzern mit US-Behörden auf einen Vergleich geeinigt wegen irreführender und aggressiver Vermarktung von Opioiden. Konzerne, die weiter auf Opioide gesetzt haben, könnten von dem Vakuum profitiert haben, dass Perdu Pharma und Co. hinterlassen haben. Um 2010 bringt Grünental Palexia auf den Markt. Es enthält den neuen Wirkstoff Tapentadol, ein Medikament, was so ähnlich funktioniert wie Tramadol. Es verkauft sich auch ähnlich. Es wird [musik] als opioidhaltiges Schmerzmittel verwendet. Medizinische Opioide werden überall auf der Welt dringend benötigt, vor allem bei der Behandlung von starken Schmerzen, wie z.B. bei Krebs. Ein Fokus von Grünental liegt dabei offenbar auch auf Lateinamerika. Und wie der Konzern dort vorgeht, hat sich das Team von The Examination genauer angeschaut. Wir haben auch mit Kollegen vor Ort gesprochen und gearbeitet, vor allem in Brasilien, in Kolumbien, in Peru und Mexiko, die sich genau angeguckt haben, wie wird es da promoted, wie geht das Unternehmen auch auf Ärzte zu? Welchen Anschein macht dieses Medikament? Welches Label hat es sozusagen? Klassische Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente ist oft verboten, auch in einigen lateinamerikanischen Ländern. Die Vermarktung solcher Opioide richtet sich deshalb oft ausschließlich an Ärzte und Apotheker, also an die Personen, die Tapentadol hinterher verschreiben sollen, nicht an Patienten. Grünental verwendet dafür offenbar eine Art abgeschwächtes Perdu Playbook. Mir gegenüber haben häufiger auch Leute gesagt, Perdu Farmer hat das so mit dem Vorschlaghammer gemacht. Grünteil sei auf eine sehr viel professionellere Art daran gegangen und habe sehr viel unterschwelliger den Menschen zu verstehen gegeben, dass ihr Medikament [musik] besser sei als andere. Viele Pharmakonzerne finanzieren medizinische Organisationen und Patientengruppen. Grünental hat laut den Recherchen von The Examination im letzten Jahrzehnt allein in Europa 9 Millionen Euro an etwa 900 Organisationen bezahlt. Auch in Lateinamerika sollen solche Gruppen unterstützt worden sein. Zahlungen würden laut grünen Tal für klar definierte Leistungen erfolgen. Es gebe keinerlei Erwartungen in Bezug auf das Verschreibungsverhalten oder andere Erwägungen. Die Examination führt in seiner Recherche jedoch einige kritische Vorgänge auf. Beginnen wir z.B. in Mexiko. Hier soll eine von grünen Teil finanzierte Schmerzvereinigung im Kongress für eine niedrigere Regulierung von Tapentado lobbyiert haben. Der Konzern schreibt uns, er hätte niemanden finanziell unterstützt, um auf eine Lockerung der Verschreibung hinzuwirken. In Peru soll der Vorsitzender einer ähnlichen Vereinigung Tentadol auf einer Schmerzkonferenz als weniger abhängig machend als herkömmliche Opioide beworben haben in einem Raum voller Ärzte. Sie könnten mit dem Medikament viel Profit machen, soll er es angepriesen haben. Grünental schreibt uns, sie hätten erst durch die Journalisten von dieser Begebenheit erfahren. Sie hätten zwar den Kongress gesponsort, aber nicht den genannten Vortrag oder Referenten. Bei ihrer Recherche stoßen die Journalisten auch auf diese spanischsprachigen Schulungsplattformen. Beide stammen von Grünental und richten sich an Fachleute wie z.B. Ärzte in mindestens [musik] 10 Ländern. Auf einer der Websites entdecken Sie dieses Schulungsvideoss [musik] compete aos tanto profesionales de la salorosa im Video spricht die leiterin einer mexikanischen Schmerzklinik Silvia Alen de Perz erwähnt aber nicht dass sie zuvor für grünen gearbeitet hat also wir konnten auch Schulungs Material auf der Website von Grünental finden, indem Ärzte und medizinisches Fachpersonal darüber gesprochen hat, dass das Medikament weniger abhängig machen würde. Peris betont die Vorteile von Tapentadol gegenüber anderen Opioiden. Die gezeigte Folie behauptet, das Medikament habe ein geringes Missbrauchspotenzial. Außerdem werden die Risiken einer potenziell lebensgefährlichen Atemdepression heruntergespielt. [musik] Zu Atemdepressionen gebäte. Eine Studie von 2017 zur Entwicklung von Tapentadol nach der Markteinführung dokumentiert allerdings sehr wohlentsprechende Fälle. Auch im Beipackzettel von Palexia werden Atemdepressionen als Nebenwirkung aufgeführt. Trotzdem ist das Schulungsvideo noch bis 2024 auf der Website von Grünentil verfügbar. Im Laufe der Recherche, vor allem gegen Ende, wurde diese Website offline genommen und das Unternehmen hat auch eingestanden, dass hier Inhalte geteilt wurden, die so nicht hätten geteilt werden sollen. Auch uns gegenüber schreibt Grünenteil, dass die Behauptungen auf der im Video gezeigten Folie tatsächlich falsch waren. Man nehme solche Vorfälle sehr ernst und habe daher im Anschluss alle weiteren Inhalte der Webseite kritisch überprüft. Grünental hat noch weitere Studien zu Tapentadolen Auftrag gegeben. Das ist in der Pharmabranche relativ normal, das Unternehmen zu ihren eigenen Medikamenten Studien finanzieren. Bei diesen Studien sind Mitarbeiter von Grünental mit in der Byile sozusagen, also als wissenschaftliche Expertise neben anderen Forschenden. Bevor eine Studie oder ein Artikel in Fachjournalen erscheint, werden sie in der Regel von unabhängigen Fachleuten anonym geprüft. Durch dieses Peer Review gelten Veröffentlichungen als besonders seriös und vertrauenswürdig. Sie sind oft eine wichtige verlässliche Quelle für Ärzte und Apotheker. Doch auch ein Peerre Review Verfahren und die Veröffentlichungen in Fachzeitschriften garantieren nicht immer vollfängliche Unabhängigkeit. Nehmen wir diesen Artikel über Tapentadol aus dem Jahr 2014. Er erscheint im Fachjournal CNS Drugs. [musik] Die Autoren sind Mitarbeiter von Grünental. Im Artikel steht, die angeblich reduzierte Abhängigkeit könne daran liegen, dass Tapentadol über einen dualen Wirkmechanismus Schmerzen beeinflusse. Wir haben dann Experten diese Studien auch gezeigt und diese wissenschaftlichen Artikel in solchen Fach Journals und diese Experten, mit denen wir gesprochen haben, die unabhängig voneinander mit uns gesprochen haben, haben gesagt, dass sie hier keine Hinweise darauf sehen, dass das so tragbar wäre, was darin steht. Trotzdem wurde diese Behauptung bereits in anderen wissenschaftlichen Artikeln zitiert. Dadurch erhält die Aussage eine zusätzliche Art Gütesiegel. [musik] Mit den Ergebnissen dieser Studie soll Grünental dann wiederum Verkaufsteams gebrief haben. In den USA hat sich anfangs Johnson und Johnson um den Vertrieb von Tapentadol gekümmert. Schon 2012 hat das Unternehmen mit Forschern zusammengearbeitet, die das Missbrauchspotenzial des Medikaments untersucht haben. In E-Mails geben sie zu, dass sie keine Belege in der Studie gefunden haben, dass Tapentadol durch den dualen Wirkmechanismus weniger abhängig mache als andere Opioide. Mir sind keine Beweise bekannt, aber ich kann damit leben, dass die Leute bei J&J das für wahr halten. Sein Kollege antwortet: "Ich verstehe es auch nicht ganz." Die Journalisten von The Examination konnten diese E-Mails einsehen, in denen schon forschende Zweifel äh geäußert haben, dass sie ähm bei diesen Ergebnissen, die sich der Konzern wohl gewünscht hat, nicht unbedingt übereinstimmen und hier ein Problem sehen. Und da ging es eben um dieses [musik] Abhängigkeitspotential. Da muss man sagen, das war auch schon damals bekannt, ähm wie es heute bekannt ist, dass das Medikament einfach stark abhängig macht. Grünenteil will zum Austausch der Vertreter keine Stellung nehmen. [musik] Sie stimmen allerdings zu, dass es keine Belege für ein geringeres Missbrauchspotenzial durch den dualen Wirkmechanismus ge. Sie hätten wiederholt darauf hingewiesen, dass das Missbrauchspotenzial von Tapentadol ähnlich dem anderer starke Opioide sei. Trotzdem hat es der Konzern offenbar geschafft, sein neues Medikament als gutes oder zumindest besseres Opioid darzustellen. Ja, Grüntal hat es ziemlich schlau gemacht. Also, wir haben auf der einen Seite Oxykodon. Durch die Opioidkrise in den USA hat es einfach den Stempel. Das ist ein gefährliches Medikament, tausende Tote. Auf der anderen Seite haben wir Tapentadol, ein opioidhaltiges Schmerzmittel, was sehr ähnlich, ich würde sagen, fast gleich wirkt. ähm wo allerdings Ärzten gesagt worden sein soll, dass es weniger schnell abhängig macht und weniger gefährlich sei. Also die einen Shady Business und das andere weißer Kittel quasi. Dabei ist es auf eine ähnliche Weise vermarktet worden. Ich sage jetzt vermarktet, obwohl das Unternehmen immer wieder betont hat, dass sie es nicht so vermarktet hätten. Aber was ist es, wenn nicht Vermarktung, wenn man quasi Ärzten sagt, hier das Medikament ist besser als andere. Grünental schreibt uns, sie würden für ihre Materialien nur Daten von Studien aus peerreviewten Fachzeitschriften verwenden. Wenn die Daten einen Vergleich mit anderen Produkten erlauben, würden diese auch entsprechend zitiert. So oder so hat Tapentadol in einigen Ländern inzwischen die Generika das Jahrzehnte alten Oxikodon von Perduharma überholt. In Mexico sind die Verschreibungen von Oxigodonen ab 2020 eingebrochen, während Tpentadol stark zugenommen hat. Laut der Datenerhebung von die Examination gibt auch Peru seit 2019 zunehmend immer mehr staatliche Mittel für Tapentadol aus. Inzwischen sogar deutlich mehr als in den 10 Jahren zuvor für Oxikodon. Diese Entwicklung bedeutet nicht unbedingt mehr Missbrauch. Sie kann auch bedeuten, dass mehr Menschen Zugang zu notwendigen Medikamenten bekommen. Bislang lässt sich in Lateinamerika keine flächendeckende unkontrollierte Opioidverschreibung beobachten. Doch die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, wie schnell sich ein Markt drehen kann. Aggressives Marketing, ein verharmlosender Umgang mit Risiken und steigende Verschreibungen können eine Entwicklung auslösen, die später kaum noch zu stoppen ist. In einigen Gegenden von Indien häufen sich seit Jahren die Meldungen über den Missbrauch von Tapentadol. Auch dieses Tapentadol stammt nicht von grünen Tal, sondern sind Generiker von indischen Herstellern. Es wird oft als illegale Verbindung mit einem Medikament gegen Muskelerkrankungen genutzt. Im letzten Jahrzehnt war Tapentadol in Indien offenbar mehr oder weniger rezeptfrei zu bekommen. Ähnlich wie Tramadol in Westafrika. Erst 2021 reagiert das indische Gesundheitsministerium offenbar auf den Anstieg des Missbrauchs. Anfang 2025 prüft die Regierung sogar den Wirkstoff als Betäubungsmittel einzustufen. Die strengeren Regeln sollen neben dem Missbrauch im eigenen Land vor allem den Export der Tapentadul Generika eindämmen. Die gehen vor allem nach Afrika. Dort wütet nun nicht mehr [musik] nur das Purm Cocain, sondern auch immer mehr sein Nachfolger Tapentadol. Ein weiteres Opioid entwickelt in Deutschland. Allein in Deutschland ist Pharma ein milliardenschweres Business. Weltweit rangiert der Umsatz inzwischen bei über 1,2 Billionen Euro. Tendenz seit Jahrzehnten steigend, auch wegen immer älter werdenden Gesellschaften. [musik] Dabei versuchen Pharmakonzerne teils mit altbewährten Mitteln ihre Medikamente zu vermarkten. Doch gerade stark abhängig machende Medikamente wie Opioide müssen von Anfang an halten, was sie versprechen. Was Leben retten kann, kann auch Leben zerstören. Von Verelendung bis hin zu tödlichen Überdosierungen. Pharmakonzerne tragen Verantwortung dafür, wie offen, ehrlich und angemessen mit den Risiken und Gefahren ihrer Medikamente umgegangen wird. Doch wo endet diese Verantwortung? Bei Patienten, die vielleicht glauben, dass sie von diesem Opioid nicht abhängig werden, bei Ländern, in denen sich ihr Wirkstoff unkontrolliert ausbreitet, bei experimentierfreudigen Jugendlichen, die plötzlich in eine schwere Abhängigkeit rutschen, weil sie vielleicht die Risiken unterschätzen und ziemlich leicht drankommen. Grünental schreibt uns, sie würden sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Opioiden einsetzen. Die gezielte Wirkung dieser Schmerzmittel sei wichtig für Patienten, die unter starken Schmerzen leiden, z.B. für bei Krebs, größeren Operationen oder schweren Verletzungen. In vielen Fällen wären Opioide die letzte verbleibende Option für den behandelnden Arzt. Grün will neuen Opioiden künftig dennoch den Rücken kehren. Der Konzern schreibt uns, erforsche nicht mehr weiter an diese Art Schmerzmittel. 2024 hätten Tramadol und Tapentadol einen niedrigen zweistelligen Prozentssatz vom Umsatz ausgemacht. Auch für kommende Jahre erwartet der Konzern einen weiteren Rückgang. Medikamente werden seit jeher missbraucht, von Morphium über Heroin bis hin zu Fentanyl. Gerade deshalb tragen auch Politik und Aufsichtsbehörden eine große Verantwortung. Sie müssen Entwicklungen früh erkennen, reagieren und angemessen regulieren. Entscheidungen über Arzneimittel müssen unabhängig getroffen werden. Dabei müssen Sie im Interesse von Patientinnen und Patienten nicht im Interesse von Pharmakonzernen handeln. Wir brauchen unabhängige Arsenalmittelforschung viel stärker in Deutschland. Das gilt für die Grundlagenentwicklung einerseits, aber auch für die Versorgungs und versorgungsbegleitende Forschung. Andererseits müssen einfach unabhängige Entscheidungen getroffen werden, die nicht auf Profitgear basieren, sondern die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, auch auf neuesten wissenschaftliche Erkenntnissen, mehr geforscht wird, mehr unabhängige Forschung passiert. [musik] Es ist einfach teilweise auch wenig Geld da, um unabhängige Forschung zu machen. Das heißt, das wird häufig von Pharmaunternehmen finanziert. Vielleicht ist da nicht so groß das Interesse auch zu Nebenwirkung ähm zu forschen. Der Glaube der Menschen in die Handlungsfähigkeit von Politik, in die Aufsichtsfunktion hängt ganz entscheidend damit ab, dass man unabhängige seriöse Daten hat, die hier eben nicht mit Interessenkonflikten versäugt sind. Und wenn der Verdacht aufkommt, dass eventuelle Entscheidungen nicht wissenschaftsorientiert, sondern ich sag's einmal Interessen geleitet gewesen sind, dann schwächt das insgesamt nicht nur das Ansehen der Pharmaindustrie, [musik] sondern auch das Ansehen insgesamt der medizinischen Versorgung hier in Deutschland und das dürfen wir so nicht hinnehmen. Unsere Sohne soll nicht umsonst gestorben sein. Das ist es. Wir möchten Oh, [musik] geht's oder sollen wir? Nee, alles gut. Geht schon. Nee, was wollte ich gerade sagen? Ach so, ja, unsere Kinder. Genau, unsere Kinder, richtig. Also [musik] Tanja Albroscheit hat sich für ihren persönlichen Kampf mit anderen Müttern zusammengetan. Sie hatten Gespräche mit Peter Kremer Schäfer, dem Drogenbeauftragten der Bundesregierung [musik] und haben eine Petition gestartet. Sie fordern strengere Kontrollen bei der Verschreibung und Abgabe von Opioiden und anderen Präparaten auf Privatrezepten. Außerdem wünschen sie sich gezielte Prävention gegen Medikamentenmissbrauch bei Jugendlichen. Und das ist etwas, was wir jetzt hoffen, äh auch in die Gänge zu kriegen, dass da wirklich mehr passiert in der Politik, dass beim Bfarm umgesetzt wird einiges und nicht immer nur vertröstet wird. Ja, das macht der der und der der ist dafür zuständig und der ist dafür zuständig. Es wird immer auf andere geschoben. Ähm, da frage ich mich langsam, wer ist dann verantwortlich dafür? Cheers.