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🤖 Zusammenfassung
Die Analyse zeigt, dass Alkohol trotz erheblicher Gesundheitsrisiken in Deutschland kaum reguliert wird. Mit über zehn Litern reinem Alkohol pro Kopf und jährlich mehr als 40.000 alkoholbedingten Todesfällen liegt Deutschland europaweit im oberen Mittelfeld. Die Lobby der Brauereien und Spirituosenhersteller übt massiven Einfluss auf Politik, Wissenschaft und Gesetzgebung aus. Obwohl Werbung an Minderjährige offiziell verboten ist, dringt Alkoholmarketing über Produktplatzierungen in Musikvideos, Fußballsponsoring und politische Netzwerke. Liberalere Steuer- und Abgaberegeln sowie das „begleitete Trinken“ ab 14 Jahren fördern den Konsum, obwohl Studien dessen Schädlichkeit belegen. Eine 2023 vorgelegte Studie empfahl ein totales Werbeverbot – sie wurde ignoriert. Auch EU-weite Krebswarnhinweise und Sponsoringverbote wurden durch die Industrielobby abgeschwächt. Während der Staat etwa drei Milliarden Euro Alkoholsteuer einnimmt, entstehen gesellschaftliche Kosten von geschätzt 57 Milliarden Euro jährlich. Zudem existiert laut WHO und weiteren Experten keine gesundheitlich unbedenkliche Alkoholmenge.
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📜 Transkript
Alkohol ist in Deutschland überall. Jetzt aber mal zu einem wirklich wichtigen Thema, saufen im Fußballstadion, in Musikvideos und sogar in der deutschen Politik. Aber Alkohol zerstört Leben und da kam dann so die Diagnose, dass wenn ich jetzt weiter trinke, in der Krebsvorstufe bin. Allein in Deutschland sterben Schätzungen zufolge jedes Jahr über 40.000 Menschen an den Folgen von Alkohol. Auch wenn der Konsum in den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist, trinken wir weiter. Vielleicht auch wegen einer gewaltigen Industrie. Junge Menschen werden zu Konsumenten erzogen. Politik, Wissenschaft und Gesetze sollen immer wieder gezielt beeinflusst werden. Das ist die unglaubliche Macht der deutschen Alkohollobby. [musik] In Deutschland werden jedes Jahr pro Kopf etwas mehr als 10 l reine Alkohol getrunken. [musik] In Europa liegen wir damit im oberen Mittelfeld. In Bier umgerechnet werden das um die 500 Flaschen pro Person, also mehr als eine Flasche jeden Tag. Und es gibt Menschen, die Tag und Nacht daran arbeiten, dass das genauso bleibt. Stell dir vor, du bist Geschäftsführer eines großen Bierkonzerns. Ihr produziert so ziemlich alles. Pilz, helles, Radler, auch mal was mit Frucht. Dein Unternehmen bedient so ziemlich jede Zielgruppe. Doch es ist 2021 und das bedeutet, du hast womöglich richtig schlechte Laune, denn Corona hatte das letzte Jahr fest im Griff. Mit der Pandemie wurden die Kneipen leer, Festivals und Vereinsfeste sind [musik] ausgefallen. Der Umsatz ist spürbar zurückgegangen. Für deine Branche, die auf Masse und Tradition setzt, [musik] ist es dramatisch. Aber es kommt noch schlimmer. Die Ampelregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag gerade strengere Gesetze für Alkoholwerbung angekündigt. Das ist Marie. Also das erste Mal, dass ich mich erinnern kann, dass ich mit Alkohol in Berührung gekommen bin, war auf einer Sturmfreiparty von einem Klassenkameraden von mir damals mit 11 oder 12 Jahren. Marie ist heute Anfang 30. Sie wohnt im Westen von Deutschland, hat einen kleinen Sohn und lebt ein ziemlich normales Leben. Und sie trinkt keinen Schluck Alkohol mehr, denn Marie war jahrelang alkoholabhängig. Was früher ganz krass war, ähm war, dass ich Hiphop gehört habe und eigentlich da in jedem Videoclip Alkohol zu sehen war, irgendwie in Whisky oder was auch immer. Ja, ich habe halt früh irgendwie gemerkt, dass es so dazu gehört. In Deutschland ist Alkoholwerbung, die sich an Kinder [musik] und Jugendliche richtet, verboten. So steht es im sogenannten Jugendmedienschutz Staatsvertrag. [musik] Trotzdem ist Alkoholwerbung quasi überall, z.B. auch in Musikvideos in Form von Produktplatzierungen. Dieses Video von Apache z.B. ist Teil einer Kooperation mit dem N9 Mile Wodka Hersteller MBG. Auch Bones und Raf Camora machen mit einem Song direkt Werbung für ihren sogenannten Karneval Vodka. Deutschrap ist bei den 14 bis 19-jährigen eins der beliebtesten [musik] Musikgenres. Das zeigt diese Erhebung des Deutschen Musikinformationszentrums. Laut einer EU-Richtlinie darf bei Werbung, die sich explizit an Jugendliche richtet, nicht der Eindruck entstehen, dass ihr mit Alkohol beliebter werd oder besser flirten könnt. Wenn ich date, dann nur das [musik] Playmate des Mon oder das Alkohol eure Probleme löst. Wie passt das zusammen? Wir haben dazu bei den Landesmedienanstalten nachgefragt. Die Kommission für Jugendmienschutz schreibt uns dazu, da das Genre Deutschwerb regelmäßig eine breite Zielgruppe inklusive Erwachsene adressiert, lässt sich eine Ausrichtung auf minderjährige oder eine besondere Ansprache schwer nachweisen, da die gezeigten Lifestyle Elemente oft eine altersübergreifende Anziehungskraft besitzen. Sofern die Protagonisten volljährig sind, greift auch das Verbot der Darstellung des Genusses durch Minderjährige nicht. Das heißt nur, weil sehr viele Jugendliche Musikvideos schauen, heißt es nicht, dass sie sich explizit an sie richten. Darüber hinaus betont die Kommission für Jugendmedienschutz, dass sie sich ungeachtet der Hürden, die die rechtliche Einschätzung dieses Genres mit sich bringt, der gesellschaftlichen Relevanz des Themas Bewusstsein. Immer wieder wurden gezielt Social Media Kanäle untersucht und Verdachtsmomente an die zuständigen Landesmedienanstalten weitergeleitet. [musik] Beim Thema Darstellung von Konsum in Musikvideos kommen es konkret auf den Einzelfall an. Ob die Darstellung und Lyrics in den Musikvideos also den Richtlinien entsprechen oder ob sie einfach nur nie geprüft wurden, können wir nicht beurteilen. Wir haben auch die Hersteller dazu gefragt, leider haben uns beide nicht geantwortet. Nicht nur in Musikvideos wird Alkohol oft als cool dargestellt, auch rund um den Fußball. Bier ist aus der Fußballfankultur kaum wegzudenken. Seit Jahrzehnten arbeiten der deutsche Fußballbund und große Biermarken eng zusammen. Bis 2018 soll der DFB von der Brauerei Bitburger mit Millionen [musik] Beträgen gesponsort worden sein. Dann war kurzzeitig Schluss, bis 2025 die neue Führungsetage der Brauerei die Partnerschaft wieder aufgenommen hat. Brauereien gehören zu den wichtigsten Sponsoren im Profifußball. Deutsche Fußballvereine bekommen jährlich Millionenbeträge von ihnen. Der Verein Schalke 04 könne je nach Liga in den nächsten 10 Jahren mit bis zu 65 Millionen Euro von der Feldiensbrauerei rechnen. Dafür sieht man im Stadion Werbung für Bier und es trägt weiterhin den Namen Feldans Arena. In den Werbeausschlusskriterien des DFB steht: Werbung für Tabak, Tabakprodukte, Betäubungsmittel, starke Alkoholiker oder für Erzneimittel ist untersagt, aber Bierwerbung ist erlaubt und die ist oft echt gottlos. Liebe Baras. Boah. Okay, anstatt Bier aus Bauchnäbeln zu saufen, gehst du vielleicht lieber mal an die frische Luft. [musik] Na ja, und wenn du gerade ausnahmsweise mal kein Segelboot da hast, dann schnapp dir am besten ein E-Bike von Upway. Bei Upway hast du die Auswahl aus über 4000 Refurbished E-Bikes. Die sind nicht nur besser für die Umwelt, du sparst bei den Spritpreisen auch richtig Geld. Ich meine, das sind ja fast vier Mark. Unter der Woche musst du nicht im Stau rumstehen und am Wochenende kannst du eine schöne Fahrrtour zur Wieltsperre machen. Die kennst du vielleicht. Damit du dabei nicht liegen bleibst, wird jedes Bike von Experten mit einer 50 Schrittinspektion überprüft. Und sollte die Akkukapazität unter 80% liegen, wird er selbstverständlich ausgetauscht. Dadurch kommt eine ganz persönliche Perle der Natur in Topzustand zu dir nach Hause. Scann einfach diesen QR-Code oder klick auf den Link in der Beschreibung. Dort bekommst du Markenbikes bis zu 65% günstiger als neu. 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Sie geht zur Schule, trifft Freundinnen und geht wie viele andere Jugendliche am Wochenende auf Partys. Es gab so zwei Lager, also die einen haben getrunken, die anderen haben nicht getrunken. Die, die getrunken haben, waren eher cool und ein bisschen frühreif und ja, da habe ich mich dann eher zugehörig gefühlt. An jeder Ecke findet man zu dieser Zeit bunte süße Getränke. Sie sind gelb, grün und blau. schmecken nach Zitrone, Kiwi oder Orange und sie sind wahnsinnig günstig. Es ist die Zeit der sogenannten Alkoopops. Also, ich habe selbst angefangen mit den Alcoopops, sage ich mal, die harten Sachen zu trinken. Die Mischgetränke waren halt schön süß und man hat den Alkohol nicht so geschmeckt und ja, es war bei uns ganz normal, die zu trinken. Teenager lieben die neuen Alkopops und während gefälschte Schülerausweise über Tankstellenteken wandern, knallen wahrscheinlich irgendwo in der Chefetage eines Alkoholkonzerns die Sektorken. Die Industrie reitet mit den Alcops eine Welle des Erfolgs. Für sie sind Alcops das Ergebnis einer klugen neuen Marketingstrategie. Alkohol, der nicht nach Alkohol schmeckt. Und genau das macht sie beliebt, vor allem bei Jugendlichen. Die Verkaufszahlen gehen durch die Decke. Jeder dritte Jugendliche trinkt damals regelmäßig Alcoopops. Für viele werden sie auf einmal zum absoluten Standardgränk. Egal ob beim Vorglühen an der Dorfbushaltestelle oder McDonald's Parkplatz. Alcopops sind wirklich überall am Start. Doch 2004 ist die Euphorie vorbei. Es gibt immer wieder Schlagzeilen, die verheerend klingen. Koma saufen als neuer Trend. Immer mehr Jugendliche landen mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Mutmaßlich sind auch Alkoopops verantwortlich. Der Bundestag handelt und führt die sogenannte Alkopopsteuer ein. Mischgetränke mit hochprozentigem werden jetzt massiv besteuert. Alcops werden damit pro Flasche fast doppelt so teuer. Damit soll der Konsum unter Jugendlichen eingedämmt werden. Und kurz nach der Einführung der Steuer sinkt der Konsum von Alcops mit Schnaps tatsächlich. [musik] Der Großteil verschwindet nach und nach wieder aus den Supermarktrealen. Um die Steuer zu umgehen, werden die Hersteller kreativ, denn die höhere Steuer gilt nur für Mischgetränke mit hochprozentigem, also z.B. mit Wodka oder rum, aber nicht für Bier. Statt Schnaps kommt jetzt Bier oder Wein in die Flasche. Die Steuer fällt weg und man kann die Getränke ab 16 kaufen. Und obwohl die klassischen Alkopops verschwinden, steigt der Alkoholkonsum bei Jugendlichen nach 2005 wieder an. Es gibt öffentliche Diskussionen über sogenanntes Koma und Flatrate saufen. Forderungen nach strengeren Kontrollen werden laut. Es gibt mehr Aufklärung darüber, wie gefährlich Alkohol sein kann. Sogenannte Flat Rateid Partys, auf denen man für wenig Geld so viel trinken durfte, wie man wollte, werden Stück für Stück verboten. Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen geht in den nächsten Jahren leicht zurück. Trotzdem trinken deutsche Jugendliche im europäischen Vergleich weiterhin viel. Seit ein paar Jahren stehen Getränke wie Smur auf Ice plötzlich wieder im Supermarktregal. E gib mal so ein Schluck. [musik] Boah, welch erfrischender Geschmack. Anfangs sieht die Verpackung fast so aus wie damals. Nur eine Sache ist anders. Was man jetzt allerdings wieder beobachtet, das ist eine aktuelle Entwicklung in den letzten Jahren, ist, dass die Alkoholindustrie einen Steuertarifsprung bei der Alkoopopsteuer ausnutzt. Tobias Effert ist Gesundheitsökonom. Er beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Alkoholindustrie in Deutschland. Die sieht nämlich vor, dass ab 10 Volumen% keine Alkoopopsteuer mehr erhoben wird auf die Getränke. Und wenn Sie heute im Supermarkt ins Regal greifen und sich mal probehalber so eine Dose Alkoopop aus dem Regal nehmen, ist die in der Regel genau bei 10 Volumen Prozent. Heute haben viele Alkoopops mehr als doppelt so viel Alkohol wie vor 20 Jahren, einige sogar noch mehr. Und sie sind über die Jahre wieder beliebter geworden. Bis heute darf man in Deutschland theoretisch ab 14 Jahren trinken, zumindest solange eine sorgeberechtigte Person dabei ist. Das heißt begleitetes Trinken. Es wurde 1952 eingeführt und ist sogar in der Öffentlichkeit legal. Die Idee, ein begleiter Umgang soll zu einem besseren Umgang mit Alkohol führen. Doch Studien zeigen, dass das nicht funktioniert. Im Gegenteil, begleitetes Trinken bei Jugendlichen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie später zu viel Alkohol konsumieren. Auch für Menschen wie Marie, die schon jungen in eine Abhängigkeit geraten sind, ist dieses Konzept befremdlich. Also, dass man in Deutschland schon ab 14 trinken darf in Begleitung von Erwachsenen, finde ich so absurd, weil ich natürlich zurückdenke und weiß, mit 14 ist man überhaupt noch gar nicht so weit, um einschätzen zu können, wie viel Alkohol der Körper verträgt und ich finde es irsinnig. Mittlerweile sehen viele Politikerinnen und Politiker das Gesetz kritisch. Der Bundesrat fordert eine Gesetzesänderung. Bei einigen stehen strengere Gesetze fürs Alkohol trinken auch aktuell wieder auf der politischen Agenda. Passiert ist bisher aber nichts. Zurück im Jahr 2006. Marie will ihren 17. Geburtstag in einem Club in München feiern. Bevor ich in den Club gegangen bin, war ich bei einem Arbeitskollegen Schä Freund von mir zu Hause und wir haben zusammen getrunken und ich glaube, dass wir zusammen noch ein Joint geraucht hatten. Ich war an dem Tag sehr aufgeregt, weil ich eben wusste, dass die ganzen Leute auf mich warten. Ich war einfach gespannt, wie es wird und dementsprechend auch mega hyped. Marie und ihr Freund ziehen los. Sie will heute richtig eskalieren. Dann sind wir zu meinem Tisch gegangen und dort ja haben die anderen schon was zu trinken bestellt. Ich habe dann gleich eine Flasche bestellt mit Mixgetränken und dann ging der Abend quasi los. [musik] Marie feiert und sie trinkt. Hier in Wodka Energy. Da ein Säck zum Anstoßen. Irgendwann geht sie eine rauchen. Also ich kann mich erinnern, dass ich mit einer Bekannten draußen eine Rauchen war. Wir haben über irgendwas tiefgründiges gesprochen und irgendwann sind wir wieder reingegangen und dann weiß ich nur noch so bruchstückhaft, dass ich irgendwie die Toilette habe ich im Kopf oder den Gang zur Toilette, aber genau weiß ich nicht mehr, was dann war. Marie hat ein Blackout. Am nächsten Morgen wacht sie im Krankenhaus auf. In ihrem Arm steckt eine Infusion. Sie erinnert sich an nichts. Also, mir wurde nachträglich von meinen Freunden erzählt, was passiert ist. Ich wurde auf der Toilette aufgefunden, bewusstlos über der Toilettenschüssel hängend. Dafür musste die Toilettentür aufgebrochen werden und ja, die Freunde haben dann nur noch gesehen, wie ich mit der Trage von den Sanitätern rausgebracht wurde und ja, alle haben sich Sorgen gemacht. Marie wurde rechtzeitig gefunden und erholt sich. Doch es dauert nicht lange, bis sie wieder trinkt. Also, ich habe vielleicht nach dem Vorfall eine Woche nichts getrunken. Ich habe öfter gesagt, ich trinke nie wieder was oder ich trinke nie wieder so viel, aber das habe ich nicht eingehalten, sondern ich habe einfach weitergetrunken. 2021 will die damalige Ampelkoalition Alkoholkonsum strenger regulieren. Also beauftragt das Gesundheitsministerium eine Studie. Sie soll untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen Alkoholmarketing und dem Konsum gibt. 2023 wird die Studie fertig [musik] gestellt und sie kommt zu einem klaren Ergebnis. Es müsste ein vollständiges Verbot von Alkoholwerbung geben. Die Werbung sei effektiv und sie tendiere dazu, Alkohol als cool und schick [musik] darzustellen. Damit erleichtere sie den Einstieg für Jugendliche, wie damals auch für Marie. Das Bundesgesundheitsministerium hat eindeutige Ergebnisse vorliegen. Doch am Ende wird die Studie ignoriert. Die Empfehlungen der Studie, um eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken in diesem Land in den Griff zu kriegen, versickern ohne jede Reaktion. [musik] Dass so viele Menschen Alkohol trinken, hat einen ziemlich einfachen Grund. Prost heißt übersetzt, es möge nützen. Und genau das macht Alkohol. Er nützt uns zumindest kurzfristig. Z.B. um nach einem langen Tag besser abzuschalten, [musik] um sich abzulenken, wenn man traurig ist, oder um unter Fremden schneller locker zu werden. Gerade schüchterne Menschen fühlen sich durch Alkohol oft lockerer und selbstbewusster. Das macht das vermeintlich einfacher, mit anderen zu quatschen und sie kennenzulernen. [musik] Aber Alkoholkonsum ist auch eine Klassenfrage. Je höher Abschluss, desto mehr trinken Menschen, zeigt eine Studie des RKI. Gebildete Menschen haben meist erfolgreichere Jobs, [musik] in denen sei es oft normal, dass man auch mal gemeinsam trinkt. Ich habe aber ganz gut funktioniert. Also, ich bin dann trotzdem mit Kater in die Arbeit gegangen oder ich habe irgendwie andere Geschichten halt einfach erzählt, um das halt so zu verstecken. Aber ich habe eigentlich ganz gut funktioniert auch im Studium. Angeblich soll ein bisschen Alkohol ja nicht schaden. Das sagt z.B. die Deutsche Weinakademie. Die Organisation hat sich auf die Fahnen geschrieben, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Weinkonsum nach draußen zu tragen. In den sogenannten Wine in Moderation Leitlinien auf ihrer Website schreibt sie, dass zwei bis drei Gläser am Tag okay sein. Zu der Kampagne gehören viele verschiedene Leute. Die meisten kommen von Weingütern, Kellereien oder aus der Gastronomie. Auch die Hochschule Geisenheim wird gelistet. [musik] Dort kann man unter anderem International Wine Business studieren. Auch eine Website des Deutschen Brauerbunds, also dem Dachverband der Deutschen Brauwirtschaft, informiert online zu Bierkonsum. [musik] Ein Pilz hat z.B. weniger Kalorien als eine vergleichbare Menge Apfelsaft. Bierkonsum und Übergewicht [musik] stehen in keinem Zusammenhang. Frauen, die moderat Bier trinken, sein im Durchschnitt sogar etwas dünner als [musik] abstinent lebende Frauen. Das könnte man so verstehen, dass etwas Alkohol sogar schlank macht und laut Weinakademie soll er gut für die Blutgefäße sein. Es gibt nur ein Problem, das stimmt so nicht. Es gab mal eine Zeit lang die Vorstellung, dass es sogar der Gesundheit zuträglich sein könnte, geringe Mengen zu konsumieren. Das hat sich aus meiner Sicht als statistisches Artefakt, so sagt man das, ähm herausgestellt. Dass ein bisschen Alkohol gut für die Gesundheit sein soll, ist das Ergebnis von früheren Studien. Darin wurde der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gesamtsterblichkeit untersucht. Die Kurve sieht aus wie ein J. Das heißt, wer ein bisschen Alkohol trinkt, hat ein geringeres Risiko zu sterben als Menschen, die gar nicht trinken. Heute gilt die J-Kurve mindestens als umstritten, denn es gibt Studien, die diese Ergebnisse stark einschränken oder sogar widerlegen. Neuere Forschungen kommen zum Schluss, dass die früheren Studien verzerrt sein, denn sie hätten nicht mit einbezogen, dass Menschen, die wenig trinken, insgesamt einen sehr gesunden Lebensstil haben. Außerdem würden die Studien unter dem sogenannten Sequitter Buyers leiden. Das heißt, ehemalige Abhängige werden fälschlicherweise zur abstinenten Gruppe hinzugerechnet. [musik] Diese Menschen haben oft Langzeitschäden durch ihre Abhängigkeit. Das zieht die Gesamtsterblichkeit der Gruppe nach oben. Das heißt, [musik] man hat hier einfach die zu untersuchenden Gruppen nicht gut ausgewählt und hat dann bei Korrektur feststellen können, dass man für diejenigen, die sehr, sehr wenig Alkohol trinken, keinen Effekt misst, also keinen gesundheitsförderlichen Effekt, sondern einfach nichts. Verschiedene Organisationen wie die deutsche Suchthilfe, die deutsche Gesellschaft für Ernährung und auch die WHO kommen zu einem sehr deutlichen Ergebnis. Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol. Wir haben die Deutsche Weinakademie um Stellungnahme gebeten, die mit den Leitlinien zu Weinkonsum. Die Akademie sieht die Studien, auf die sich WHO und DGE berufen, kritisch. Es handle sich dabei nämlich nicht um randomisierte Studien mit hohem Evidenzgrad. Was die Deutsche Weinakademie hier als Beleg fordert, ist in der Praxis fast unmöglich. Man müsste dafür Menschen per Zufall einer Gruppe zuteilen. Die eine trinkt über viele Jahre regelmäßig Alkohol, die andere gar nicht. Am Ende vergleicht man, wer häufiger Krebs bekommt. [musik] Deshalb nutzen Wissenschaftler sogenannte Beobachtungsstudien. Die sind zwar weniger eindeutig, aber deutlich einfacher umzusetzen. Was aber ganz eindeutig nachgewiesen ist, viel Alkohol macht krank. Es gab bei mir nicht so dieses krasse Ereignis mit Ende 20, wo ich gemerkt habe, ich muss aufhören, sondern es war eher so, dass ich immer kränker geworden bin. Also, ich habe gemerkt, dass ich total depressiv bin und irgendwie auch die Lehre in mir gar nicht mehr füllen kann. Schon seit Jahrzehnten steht vor allem eine Krankheit immer wieder im Fokus, Krebs. Und ich war da so in einem Teufelskreis drin, dass ich halt auch versucht habe, mir Hilfe zu holen durch Ärzte. Ich habe da zwar nicht erzählt, dass ich trinke, aber ich habe halt versucht drauf zu kommen, was mir körperlich fehlt. Und da kam dann so die Diagnose, dass wenn ich jetzt weiter trinke in der Krebsvorstufe bin und das dann nicht mehr stoppen kann und dann halt auch einfach ein Krebs produziere. Warnlabels auf Zigaretten kennt man. Rauchen kann tödlich sein oder Raucher sterben früher. Würde man das gleiche mit Weinflaschen machen, würde vielleicht sowas hier drauf stehen. Eine Flasche Wein pro Woche erhöht das Brustkrebsrisiko für Frauen genauso [musik] wie zehn Zigaretten. Vereinfacht gesagt, Alkohol ist krebserregend. Solche Warnlabels für Alkohol wurden auf EU-Ebene vorgeschlagen. Unter anderem dafür wurde 2020 extra ein Sonderausschuss im EU-Parlament gebildet mit der Abkürzung BK. Der Ausschuss hat sich damit beschäftigt, wie man Krebs in Europa besser bekämpfen kann. Ende 2021 benennt der Ausschuss Alkoholpolitik als ein zentrales Element, um Krebs vorzubeugen. In europäischen Richtlinien soll anerkannt werden, dass Alkoholkonsum ein Risikofaktor für Krebs ist und dass es in Bezug auf Krebs kein sicheres Maß an Alkohol gibt. Der Ausschuss fordert auf Flaschen außerdem Warnungen wie auf Zigarettenschachteln. Alkoholsponsorings im Sport sollen ganz verboten werden. Werbung für Lieferdienste und Fastfood sieht man im Sport weiterhin ziemlich viel. Das ist verlockend, wenn du mal wieder keine Lust hast, den ganzen Abend in der Küche zu stehen, aber [musik] halt auch echt ungesund. Leckeres Essen geht aber auch frisch gekocht und schnell. 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Auch die Winze und Spirituosenhersteller sehen ihr Geschäft durch die Forderungen bedroht. Am 15. Februar 2022 stimmt das EU-Parlament darüber ab, ob der BK Bericht als Leitlinie für zukünftige Gesetzesvorschläge gelten wird. Kurz vor der Abstimmung geht diese Kampagne online. Hinter der Kampagne stehen unter anderem die Brewers of Europe. Das ist ein großer Verband, der viele Brauereien aus ganz Europa vertritt. Den Brewers of Europe geht es vor allem darum, dass Alkoholwerbung und Sponsorings im Sport bestehen bleiben. Beides sollen nur dann verboten werden, wenn primär Jugendliche bei Events dabei sind. Bei der Abstimmung [musik] nimmt das Parlament den Bericht an. Er gilt damit ab sofort als politische Empfehlung. Aber er wurde stark verwässert. Im finalen Bericht steht z.B. nichts mehr von Warenetiketten und auch Werbung im Sport soll nicht mehr generell verboten werden. Ursprünglich hieß es z.B. es gibt keinen sicheren Alkoholkonsum in Bezug auf Krebsprävention. Jetzt heißt es, am sichersten ist es keinen Alkohol zu trinken. Das klingt vielleicht erstmal gar nicht so anders, aber der Unterschied wird klar, wenn wir ein anderes Beispiel nehmen. Sicher Autofahren geht nur, wenn man angeschnallt ist. Das heißt, wenn du nicht angeschnallt bist, ist es nicht sicher. Punkt. Wohingegen dieser Satz etwas ganz anderes aussagt. Am sichersten fährt man Auto, wenn man angeschnallt ist. Also auch ohne Gurt kann man sicher Auto fahren, nur halt nicht ganz so sicher. Und so wird aus kein Alkohol ist sicher, ein gefühltes, ja, ein bisschen geht schon, nur nicht zu viel. Diese neuen Formulierungen sind das Ergebnis mehrerer Änderungsanträge, die von Politikern vor der Abstimmung eingebracht wurden. Nach der Abstimmung feiern verschiedene Politiker und Gruppen die Anpassungen, darunter auch die Brewers of Europe. An der Spitze des Europäischen Brauerverbands steht seit 2025 ein Deutscher, Christian Weber. Auch sein Vater war schon Präsident des Verbands. Christian Weber ist außerdem Präsident des Deutschen Brauerbunds und CEO der Karlsbergbrauerei KG, einem international agierenden Bierkonzern. Hier ernt er gerade den Generalsekretär der CDU Carsten Lindemann zum sogenannten Botschafter des Bieres. Jedes Jahr kürt der deutsche Brau neue Bierbotschafter. Oft sind darunter auch aktive Politiker. 2014 z.B. Jem Ösdemir, damals Parteichef der Grünen, oder 2019 Sigma Gabriel von der SPD. Der Titel wird laut dem Verband an Menschen vergeben, die sich besonders für Handwerk und Mittelstand einsetzen. 2018 ist Julia Klöckner dran. Damals ist sie noch Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Damit ist sie eigentlich auch für die Regulierung der Bierbranche zuständig. Nur zwei Wochen nach ihrem Antritt als Bierbotschafterin bekommt sie ein Kastenbier ins Büro geliefert, ein Geschenk von einem Online Bierhandel. Kurz danach postet sie dieses Foto auf Twitter. Dass die damalige Ernährungsministerin einen Bierkasten inklusive Link zum Onlineshop in die Kamera hält und auf Social Media bewirbt, findet im Bundestag anscheinend niemand problematisch. Aber nicht nur die Bierindustrie wird im Bundestag vertreten. 2003 hat die ehemalige Weinkönigin und Winzertochter Julia Klöckner gemeinsam mit Volker Wissing und anderen Abgeordneten das parlamentarische Weinforum im Bundestag gegründet. Eine Interessensgruppe abseits der parlamentarischen Strukturen, wie uns ein Sprecher des Bundestags schreibt. Dieses Weinforum lädt 2023 die aktuellen Weinmajestäten zu einem gemeinsamen Themenabend in den Bundestag ein. Die Majestäten wiederum sind offiziell im Auftrag des Deutschen Weininstituts unterwegs und dieses Institut finanziert die Deutsche Weinakademie. Die hat unter anderem die Leitlinien mit den zwei Gläsern pro Tag veröffentlicht. An der Hochschule Geisenheim hat sie unter anderem einen Vortrag zum Gesundheitswert von Wein organisiert. Dort sprach auch der Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Nikolai Worm. Er tritt auch als Sprecher auf Kongressen auf, die von Weinorganisationen gesponsort werden. Bis heute hält Worm öffentlich daran fest, dass aktuelle Empfehlungen für eine Nullpromille Politik bodenlos sein. Die Deutsche Weinakademie schreibt uns, dass die Veranstaltung in Geisenheim eine Einzelveranstaltung mit den Ärzten und Ernährungswissenschaftlern ihres Beirats gewesen sei. Keiner von ihnen hätte auf den Veranstaltungen gesprochen, wenn irgendeine [musik] Einflussnahme stattgefunden hätte. Alle hätten für ihre Vorbereitung und den Vortrag ein übliches Honorar erhalten. Der wissenschaftliche Beirat sei eine ehrenamtliche Tätigkeit und wissenschaftlich unabhängig. Die Botschafter des Bieres sind nicht die einzigen im Bundestag, die sich der deutschen Braukultur verbunden fühlen. 2022 hat die Grünen Politikerin Lisa Badum die Parlamentsgruppe Braukultur gegründet. Badum kommt aus Oberfranken, einer Brauereiregion. Dort ist man stolz auf sein Bier. Franken ist eben die Heimat der Biere. Es gibt hier ca. 300 Brauereien, aber der Bierabsatz ist wegen Corona stark eingebrochen. Also hat es sich die Parlamentsgruppe Braukultur zur Aufgabe gemacht, die Interessen der Brauereien im Bundestag zu vertreten. 2023 veranstaltet der Parlamentskreis gemeinsam mit dem deutschen Brauerbund eine Art Netzwerktreffen in Berlin. Der ganze Abend [musik] steht im Zeichen der Stärkung der Braukultur. An diesem Abend kommen Abgeordnete und die Bierindustrie zusammen, um sich zur Bedeutung des Bieres für Deutschland zu bekennen. nicht nur als Kulturgut, sondern auch als Wirtschaftsfaktor. Der Bierindustrie geht es um Wertschöpfung und damit auch um Steuereinnahmen. 2024 haben die Brewers of Europe sogar ein Verbandsrepporter herausgebracht, wie wichtig die Steuereinnahmen durch den Verkauf von Bier in Europa sind. Und die Industrie hat auch ähm in der Vergangenheit immer wieder argumentiert, es würden Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und es würde auch volkswirtschaftliche Schäden bedeuten. Es wird ins Feld geführt, dass äh die Alkoholsteuern auch eine Einnahmequelle für den Staat sein. Den kann ich nur entgegnen, dass die bei weitem nicht die Schäden ausgleichen können, die durch Alkoholkonsum in Deutschland entstehen. 2024 hat der deutsche Staat knapp 3 Milliarden Euro mit der Alkoholsteuer eingenommen, aber die Kosten, die Alkohol für die Gesellschaft verursacht, sind laut einigen Schätzungen weitaus höher. [musik] Der volkswirtschaftliche Schaden durch Alkoholkonsum beträgt 57 Milliarden Euro jedes Jahr in Deutschland. Tobias Effz hat diese Zahl 2017 [musik] berechnet. Heute sei sie laut ihm sogar konservativ ausgelegt und die tatsächliche Zahl noch höher. Auch andere Erhebungen gehen von rund 50 Milliarden aus. Diese hohen Summen entstünden vor allem durch direkte Kosten, also Behandlungen bei Krankheit und Reha von Sucherkranken. Es sein aber auch indirekte Kosten enthalten, wie Produktivitätsausfälle, wenn Menschen beispielsweise wegen Alkohol nicht richtig arbeiten können oder ihren Job verlieren. Außerdem gebe es laut Eff noch weitere Kosten. Darüber hinaus gibt es natürlich noch Kosten für Schmerz und Leid, die ich zusätzlich berechnet habe, die noch mal mit 10 Milliarden Euro dazu kommen und die betreffen auch nach meinen Rechnung momentan nur die Alkoholiker selber. Damit meint der sogenannte intangible [musik] Kosten, die Einbußen von Lebensqualität, die durch die Folgen von Alkoholkonsum entstehen können. Wie man diese Kosten genau berechnet, dazu gibt es laufende Debatten. EFT schätzt, dass diese Zahlen eigentlich noch höher sein müssten. Schmerz und Leid, die beispielsweise dann in Familien auftreiten aufgrund von Verhaltensänderungen des Alkoholikers, verursachten ähm Verletzungen, äh diesen ganzen Komplex auch gegenüber Kindern äh die äh alkoholabhängige Eltern haben, der ist da noch gar nicht abgebildet. Kosten durch Straftaten, die im Zusammenhang mit Alkohol entstehen, sein in dieser Rechnung auch nicht enthalten. Zu dem Argument der Arbeitsplätze, Vernichtung, wenn man weniger trinkt, das ist ja zynisch. Also, man kann ja nicht [musik] eine Industrie am Leben erhalten auf Kosten der Gesundheit der Menschen in Deutschland. Ähm, es gibt außerdem auch gerade für kleinere Betriebe, beispielsweise bei den Bierbrauern, durchaus auch Ausnahmeregelungen und Erleichterung auch bei der Besteuerung. Das hat man also alles schon [musik] implementiert sozusagen. Noch mal zurück zur Studie von 2022. Die Studie, die zum Schluss kam, dass es ein vollständiges Werbeverbot für Alkohol geben müsse. Wir haben beim Bundesgesundheitsministerium nachgefragt, was mit dieser Studie passiert ist. Das Ministerium weiß uns darauf hin, dass die Studie in einem englischen Fachmagazin veröffentlicht wurde. Warum die Studie nicht vom Ministerium selbst oder in deutschsprachigen Medien veröffentlicht wurde, sagt uns das Ministerium nicht. Auch auf die Frage, warum die Ergebnisse der Studie nicht umgesetzt wurden, erhalten wir keine Antwort. Einem Rechercheteam vom Bayerischen Rundfunk liegt eine E-Mail vor. In der soll ein leitender Mitarbeiter des Ministeriums vorgeschlagen haben, die Studien nicht zu veröffentlichen. Die Ergebnisse würden die Forderungen der Regierung nach einer Begrenzung des Alkoholmarketings nicht stützen. Am Ende hat die damalige Ampelregierung ihr Vorhaben nicht umgesetzt. In der aktuellen Regierung wird wieder über Maßnahmen diskutiert. Scheinbar ergreift sie jetzt auch welche, aber eher solche. Die Wein und Bierbranchen stecken wegen sinkender Umsatzzahlen immer noch in einer Krise. Also will die Politik eine Weinkampagne finanzieren, gemeinsam mit dem Deutschen Weininstitut. Es scheint, als würde sich die deutsche Politik bis heute nicht wirklich an den Alkohol rantrauen. Dafür sieht Tobias Effert drei Gründe. Der erste: Bis heute glauben viele in der Politik, dass ein bisschen Alkohol nicht schädlich ist. Der zweite, mit so einer Forderung, den Alkoholkonsum einzuschränken, macht man sich gerade in Wahlzeit natürlich nicht beliebt als Politikerin. Deswegen vermeidet man dieses Thema und geht da auch nicht aktiv ran. Der dritte Grund ist laut ETS die starke Lobbyarbeit in Deutschland. Für ihn und andere Experten ist klar, dass höhere Steuern und ein konsequenteres Werbeverbot die wirksamsten Mittel wären. Wer mehr trinkt, kostet die Gesellschaft potenziell mehr und sollte deshalb auch mehr Steuern bezahlen. Alkohol kostet das System jedes Jahr Milliarden. Er macht krank, psychisch und körperlich. Er tötet jedes Jahr unzählige Menschen und irgendwie scheint niemand dafür die Verantwortung zu übernehmen. Alkohol gehört eben irgendwie zu uns. Ich weiß immer noch, warum man getrunken hat. Ich kann verstehen, dass es einen lockerer macht. Ich weiß, dass man dann ähm ja, dass es auch kulturell erwartet wird, in der Gesellschaft erwartet wird, dass man mit trinkt. Ich finde dennoch, dass es einfach ganz wichtig ist, dass man alle negativen Punkte immer wieder im Auge behält. Für Marie kommen alle möglichen Beschränkungen zu spät. Sie musste sich alleine aus ihrer Alkoholsucht kämpfen. Mit 30 habe ich dann also wirklich zu meinem 30. Geburtstag meinen letzten Schluck Alkohol getrunken, aber das war damals nur möglich, weil ich mich ähm mit [musik] meinem Mann damals von allen Freunden gelöst hatte und wir dann auf Reisen waren. Also, wir haben unser Umfeld verlassen. Sie ist überzeugt davon, dass die Politik viel zu wenig tut. Ich fühle mich überhaupt nicht gesehen von der Politik als ehemals Abhängige. Ich habe so das Gefühl, dass gerade von Politikern immer alles von sich selbst weggeschoben wird. So, ich selbst habe gar kein Alkoholproblem. Das sind immer die anderen. Das sind die ähm schwachen Leute in der Gesellschaft, die ihr Leben nicht im Griff haben, die faul sind, die keine Lust haben, ähm irgendwas zu reißen. Ich habe einfach das Gefühl, ja, dass man sehr schnell stigmatisiert wird. Aber es gibt auch einen kleinen Lichtblick. Junge Menschen trinken heute deutlich weniger. Und bevor [musik] uns irgendwer falsch versteht, heute ausnahmsweise mal kein M.
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| Titel | Die unfassbare Macht der Alkohollobby |
| Kategorien | BulkNews, Simplicissimus |
| Hinzugefügt | 2026-07-18 01:02:35 |
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