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🤖 Zusammenfassung
Die Laudatio von SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil ehrt Franz Müntefering und beginnt mit dem Warnhinweis auf die 1920er Jahre, als die Demokratie in Deutschland scheiterte. Klingbeil lobt Münteferings Bodenständigkeit, Klartext und Verantwortungsethik, seine Amtskarriere sowie seine Rolle bei umstrittenen Reformen wie Agenda 2010, Rente mit 67 und der Mehrwertsteuererhöhung. Er nennt dessen demokratische Klarheit von der Heuschreckendebatte bis zur AfD und würdigt den familiären Rückzug bei der Erkrankung seiner Frau. Zugleich verbindet die Rede die Hommage mit einem aktuellen Plädoyer für mutige Reformen statt Blockade, wobei die positive Reformbilanz kritisch betrachtet bleibt und die komplexe Wirkung der Reformen vereinfacht dargestellt wird.
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📜 Transkript
vor 100 Jahren in den 20er Jahren. Ich will das nicht dramatisieren, aber da ist das grandios schiefgegangen für Deutschland. Wir haben die Chance in diesen 20er Jahren zu beweisen. Alle demokratischen Parteien, die können dieses Land gut regieren. Franzteing Politik Lebenswerk. Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, vor allem aber lieber Franz Müntefering. Wie beschreibt man einen Mann, der einen eigenen Stil hat? Das Problem für mich beim Schreiben dieser Laudo, dieser Ehrung war, dass Franz ja selbst als Meister der kurzen Sätze gilt. Also je länger ich jetzt über ihn rede, desto weiter entferne ich mich eigentlich vom Franz. Und ich hätte es eigentlich so machen müssen, dass ich sage: Haltung gut, Kompass auch, Ehrung verdient, Glück auf. Aber [applaus] aber lieber Franz, das wäre dir und diese Auszeichnung nicht angemis und deswegen habe ich mich ein bisschen für einen längeren Part entschieden. Ich erinnere mich noch sehr gut und Tjo Schumacher hat es gerade angesprochen. Ich bin im Jahr 2005 nachgerückt, hatte ein Augenbrauen Piercing mitten in der Legislatur, stellvertretender US Bundesvorsitzer. Franz, du warst damals Fraktionsvorsitzender und du hast mich begrüßt in der ersten Fraktionssitzung mit dem Spruch: "Der Lars ist Uso und das sieht man ihm auch an. Damit war alles gesetzt für die nächsten Wochen. Am Ende der Fraktionssitzung hast du dich neben mich gesetzt, hast mich zur Seite genommen und hast gesagt, Lars, ich gebe dir einen Ratschlag mit. Für uns Sozialdemokratin und Sozialdemokraten verlaufen die entscheidenden Unterschiede in dieser Gesellschaft nicht zwischen alt und jung, sondern zwischen arm und reich. Das ist auch ein Kompass, lieber Franz, für den du sehr früh in meinem politischen Wirken hier in Berlin gestanden hast. Das ist der Kern deines Stils. Klartext statt Theater. Verantwortung statt Schlagzeile bodenständig, uneitel, mit klarem Blick für die Realität. Zu wissen, was richtig ist und danach auch zu handeln, auch wenn es Gegenwind gibt, mit einem ganz klaren Komposs. Das ist am Ende ein Ethus, lieber Franz, dass du geprägt hast. Du bist in Neheim im Sauerland aufgewachsen. Kaufmännische Ausbildung, Praxis, Neugier bis. Das hat dich geprägt und es hat dich auch zu dem, was du es hat dich zu dem gemacht, was du bist, einem Politiker, dem man glaubt. Dieser Urgedanke sozialdemokratische Politik, da steht einer, bei dem man spürt, das ist einer von uns. Jemand, der nicht erklärt bekommen muss, wie sich Sorgen anfühlen, weil er sie kennt. Jemand, der weiß, wie sich das anfühlt, morgens raus, anpacken, Zähne zusammenbeißen, weitermachen. Jemand, der weiß, dass daraus Stolz erwächst, stolz auf die eigene Leistung und eine echte Nähe zu Menschen, die erwarten, dass Politik genau das Gleiche tut, nämlich anpacken und Probleme lösen. Politik ist Organisation, lieber Franz, ein Satz von Herbert Wener, der deine Richtschnur war. Du hast es gelebt in jedem Wahlkampf, den du geführt hast. Du wusstest, jeder Wahlkampf ist ein Unikat und kein Rezept von gestern taugt für morgen. Du konntest in wenigen Sätze Dinge sagen, für die andere drei Seiten brauchten aufgeschrieben und trotzdem zu oft gescheitert sind. Und manchmal denke ich, das bräuchten wir heute eigentlich wieder mehr. Mehr Klarheit statt Spiegelstriche, mehr Volksschule Sauerland. Und manchmal, sehr geehrte Damen und Herren, kommt dieser Müntefering auch bei mir per Post an. Und auch bei anderen mit seiner Erika verfasst Franz Briefe mit seiner Schreibmaschine Briefe, die direkt auf den Punkt kommen mit dem typischen trockenen Humor und die genau deswegen so wirksam sind. Lieber Franz, du warst 30 Jahre Abgeordneter, Minister, Bundesgeschäftsführer, der erste Generalsekretär der SPD, Fraktionsvorsitzender, zweimal Parteivorsitzender, Vizekanzler und Arbeitsminister. Du hast mal gesagt, der SPD-Vorsitz sei das Schönste am neben dem Papst. Berbel und ich haben dir das geglaubt. [applaus] Aber lieber Franz, wenn wir heute auf dein Lebenswerk schauen, dann ist das viel mehr als die Ämter und die Posten. Das ist deine Verlässlichkeit. Du bist ein Mensch, der zusammengehalten hat das Land und die Partei. Du bist einer, der den Maschinenraum kannte und der ihn nicht verachtet hat. Einer, der wusste, es reicht nicht recht zu haben. Man muss auch Mehrheiten organisieren können. Die Rente mit 67, die Agenda 2010, die Mehrwertsteuerhöhung, alles keine Ankündigung jetzt von mir auf der Bühne, liebe Journalistinnen und Journalisten im Raum, sondern Maßnahmen, die du vorangebracht hast und die du vertreten musst. Das war nicht populär, das hat Gegenwind gebracht, aber Franz hat es gemacht aus innerer Überzeugung, weil für ihn immer geilt erst das Land und dann die Partei. Das ist eine westfelische Festigkeit, nicht Sturheit, aber klar ist, wer Vereinbarung trifft, der hält sie. Wenn es unbequem wird, dann umso mehr. Da soll noch mal jemand von dem Gerücht erzählen, sauer Länder sein zu sprunghaft. Lieber Franz, du hast nicht nur nach außen verändert, du hast unsere Partei auch gefordert. Eine Partei, in der man streitet, um besser zu werden, in der man junge Menschen nicht nur zur Deko reinholt, sondern reinholt, um ihn Verantwortung zu geben, in der man neue Ideen zulässt, nicht weil sie angenehm sind, sondern weil Stillstand keine Option ist. Franz hat vorgelebt, stark bleibt eine Partei, wenn sie sich nicht schont, sondern wenn sie den Mut hat, die Türen aufzumachen und das Gespräch mit der Gesellschaft sucht. Wenn ich das politische Herzstück von Franz benennen sollte, dann ist es die Würde der Arbeit. Von ihm stammt der Satz, die Priorität heißt gute Arbeit zuerst. Es ist ein Satz, der eigentlich so einfach ist, dass man ihn überhören könnte. Aber wer ihn ernst nimmt, der weiß, das ist ein politisches Programm. Wenn Menschen Vollzeit arbeiten und trotzdem nicht über die Runden kommen, dann stimmt etwas nicht. Wenn Mehrarbeit sich kaum auszahlt, dann stimmt etwas nicht. Wenn Leistung sich nicht mehr lohnt, dann stimmt etwas nicht. Dann verlieren wir nicht nur Wachstum, dann verlieren wir in der Gesellschaft auch Vertrauen. Lieber Franz, du hast in den frühen 90er Jahren in deinen Reden immer diese eine Passage gehabt. Nichts ist auf Dauer sicher. Nicht der Frieden, nicht der Sozialstaat, nicht die Bürgerrechte, nicht die Demokratie. Alles muss immer wieder von jeder Generation neu erkämpft und begründet werden. Wie wahr? Sicherheit im Wandel. Das war nicht nur ein Programmsatz, das war eine Haltung von dir und sie ist heute aktueller denn je. Wie wahr? Aber wer dachte, du hättest dich nach diesen 30 Jahren zur Ruhe gesetzt, der täuscht sich. Du bist beim Arbeiter Samarita Bund aktiv. Du setzt dich in der Bundesarbeitschaft der Seniorenorganisation ein. Lieber Franz, du zeigst, Demokratie kennt keine Altersgrenze. Da sitzt einer, der Demokratie kennt. Der Demokrat ist mit jeder Phase seines Körpers. Ein Demokrat, der klar benennt, was auf dem Spiel steht, damals die Heuschreckendebatte und heute die klaren, deutlichen Worte zur AfD. Das ist Franz Müntefering, einer der nicht schweigt, wenn es darauf ankommt. [applaus] Aber ich will lieber Franz auch einen anderen Moment erwähnen. Als deine Frau Anke Petra wieder schwer erkrankte, hast du nicht gezögert. Da hast du Ämter und Posten niedergelegt und hast sie begleitet. Nicht der Job war in diesem Moment das Wichtigste. Die Familie war es. Das sagt alles über den Menschen Franz Müntefering aus. Auch das, lieber Franz ist Haltung und das ist Kompass. [applaus] Vor kurzem [applaus] hast du in einem Interview gesagt, wie außergewöhnlich diese Zeit heute ist, gerade im Vergleich zu der Zeit, in der du selbst Politik gemacht hast. Wenn du das sagst, dann ist das nicht nur eine Beschreibung, das ist doch ein Auftrag. Ich will und ich hoffe, wir alle hier wollen, dass Deutschland ein starkes Land bleibt, aber wir hören immer wieder, es bleibt zu viel liegen, es dauert zu lange, es wird zu viel vertagt, wir sind ein blockiertes Land und manche reagieren dann mit Zurückhaltung. Lieber nichts anfassen, am Status Quo festhalten. Doch ich sage Ihnen und euch, dieses Denken schafft keine Sicherheit und keine Zukunft. Dieses Dank Denken konserviert den Stillstand. Ein blockiertes Land wird nicht durch Debatten entblockt, sondern durch den Mut zur Veränderung, den Mut zur Entscheidung. Mut heißt dabei nicht die nächste Schlagzeile zu jagen. Mut heißt ehrlich zu sagen, was nicht funktioniert und es zu ändern. Reformen bedeuten Kompromisse, aber niemals ohne Kompass. Nicht wegen äußerer Zwänge, sondern aus innerer Überzeugung, das ist sozialdemokratischer Anspruch. Und ich glaube, genau jetzt braucht es das, wofür Franz Müntefering immer Stand und noch steht. Keine Lautstärke, sondern Verlässlichkeit. Den Mut Dinge zu entscheiden, auch wenn sie nicht bequem sind. Mit dem Wissen, dass es Gegenwind geben wird, mit dem Wissen, dass es nicht darum geht, jedem zu gefallen, aber dass es am Ende allen zugute kommt. Der Kompass bleibt dabei die Frage, ist es gerecht? Profitieren die, die jeden Tag arbeiten, tatsächlich davon? Wir entscheiden, ob aus einem Wandel mehr Spaltung entsteht oder ob Zusammenhalt und Zuversicht wachsen können, ob am Ende wenige gewinnen oder viele. Unser Kompass ist dabei klar, Fortschritt ist für uns nur dann Fortschritt, wenn er gerecht ist. Franz hätte jetzt das Ganze vermutlich auf den Punkt gebracht. In drei Worten nicht klagen, sondern machen. Lieber Franz, wenn ich auf deine Arbeit deine Reden blicke, dann ist das immer ein klarer Appell gegen die gedankliche und praktische Trägheit. Stark kann man werden, wenn man politisch kämpft, nicht wenn man lamentiert. Demokratie lebt nur dann, wenn alle sich praktisch auch einsetzen. Wohlstand und Zusammenhalt brauchen Reformen einen langen Atem. Und lieber Franz, ich will das hier klar sagen. Dir ist bis heute Gott sei Dank nicht die Energie ausgegangen, um für Demokratie, für Freiheit und Zusammenhalt zu kämpfen. Jeden Tag gehst du den Weg hinunter ins Tal und schiebst mit aller Kraft den Stein wieder nach oben. Das tust du unbeirrt und diszipliniert. Ich glaube, sehr geehrte Damen und Herren, wir können uns Franz Münteferingen als sehr glücklichen Menschen vorstellen. Lieber Franz, danke für deinen langen Atem, für deine Klarheit. Danke dafür, dass du gezeigt hast, was es heißt, Sozialdemokrat, Demokrat in diesem Land zu sein. Nicht bequem, aber verlässlich. Nicht laut, aber wirksam. Nicht der, der erklärt, warum etwas nicht geht, sondern der, der zeigt, wie Dinge gehen. Und danke dafür, dass du in unserem Land, unserer Partei und auch mir persönlich etwas mitgegeben hast, das mehr wert ist als jedes Amt, ein Kompass und eine klare Haltung. Lieber Franz, ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Brief von dir und ich darf im Namen von uns allen sagen, vielen Dank für dein Engagement für unser Land und unsere Demokratie. Vielen, vielen [applaus] Dank.
📊 Link-Infos
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| Titel | Franz Müntefering erhält Preis für Lebenswerk – Laudatio von Lars Klingbeil | Politikaward |
| Kategorien | BulkNews, SPD |
| Hinzugefügt | 2026-07-15 16:40:22 |
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