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Die Bundeswehr soll Frieden sichern. Doch in Afghanistan geraten deutsche Soldaten in Gefechte mit den Taliban. Sie werden beschossen, verwundet und verlieren Kameraden.
Nach ihrer Gründung 1955 nahm die Bundeswehr jahrzehntelang an keinen Kampfeinsätzen teil. Doch die Terroranschläge vom 11. September 2001 leiten eine historische Wende ein. Zum ersten Mal wird der NATO-Bündnisfall ausgerufen. Die Partner stehen den USA im Kampf gegen den Terror zur Seite.
Auch Deutschland wird eine Rolle in Afghanistan spielen, wo das Taliban-Regime die Täter von 9/11 unterstützte. Nach dem Sturz der Taliban sollen deutsche Soldaten zur Stabilisierung des Landes beitragen: nicht kämpfen, sondern Aufbauhilfe leisten, Demokratie und Gleichberechtigung fördern. Die Bundeswehr hat die Verantwortung für den Norden Afghanistans als Teil der multinationalen Truppe ISAF.
Doch was als Stabilisierungsmission geplant war, entwickelt sich zunehmend zu einem militärischen Kampfeinsatz. Die Bundeswehr muss käm
🤖 Zusammenfassung
Die Dokumentation schildert den Wandel der Bundeswehr vom selten kämpfenden zur kriegserfahrenen Armee am Hindukusch. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem ersten NATO-Bündnisfall wurde der Einsatz zunächst als Aufbau- und Stabilisierungsmission dargestellt, entwickelte sich ab 2006 aber zunehmend zu einem Gefechtseinsatz gegen die Taliban. Besonders der Norden um Kunduz wurde durch Sprengfallen, Hinterhalte und direkte Feuergefechte geprägt. Das Karfreitagsgefecht 2010, bei dem drei deutsche Soldaten starben, gilt als verlustreichster Einsatz der Bundeswehrgeschichte. Soldaten wie Jan Hecht, Daniela Klix und Naef Adebahr berichten von Kameradschaft, Tapferkeit und militärischem Ansehen, kritisieren aber auch eine irreführende politische Kommunikation, gesellschaftliches Desinteresse und langanhaltende psychische Verletzungen. 59 deutsche Soldaten starben insgesamt; der Abzug 2021 hinterlässt Zweifel am Erfolg. Die Bundeswehr muss sich nun neuen Bedrohungen stellen und Kriegstüchtigkeit entwickeln.
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📜 Transkript
Eine Gefechtsübung der Bundeswehr: Wirklich kämpfen musste sie bislang nur selten. Was der Ernstfall bedeutet, davon berichten Soldateninnen und Soldaten, die in Afghanistan kämpften: Jan Hecht schlägt mit seinen Männern 80 Gegner zurück. Daniela Klix führt als erste Frau einen Zug im Gefecht. Naef Adebahr überlebt einen Angriff, der hohe Opfer fordert – und noch lange nachwirkt. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 – eine historische Wende. Zum ersten Mal in der Geschichte der NATO wird der Bündnisfall ausgerufen. Die Partner stehen den USA im Kampf gegen den Terror zur Seite. Auch Deutschland wird eine Rolle spielen. In Afghanistan, wo das Taliban-Regime die Täter unterstützte. Die Sicherheit der Bundesrepublik werde auch am Hindukusch verteidigt, sagt Minister Struck. Nach dem Sturz der Taliban sollen deutsche Soldaten dazu beitragen, die politische Lage in der Hauptstadt Kabul zu stabilisieren. Nicht kämpfen, sondern Aufbauhilfe leisten. Das war die größte Herausforderung, dass wir Europäer und in dem Kontext auch die Nordamerikaner mit unserer Wahrnehmung, wie man Gesellschaft organisiert, wie man lebt, immer mit der Unterstellung, alle wollen Demokratie, alle wollen Gleichberechtigung. Und wir mussten halt lernen, dass das nicht alle wollen. Und manche sogar das so sehr nicht wollen, dass sie dafür bereit sind, zu militärischen Mitteln zu greifen. Ab 2006 übernimmt die Bundeswehr Verantwortung für den Norden Afghanistans als Teil einer von der NATO geführten multinationalen Truppe, der sogenannten ISAF. Es ist ein Gebiet so groß wie die Bundesrepublik. Die Region gilt als vergleichsweise sicher. Drei große Feldlager sollen zu Keimzellen des Wiederaufbaus werden. In Mazar-i-Sharif liegt das ISAF-Hauptquartier Nord. Hier wird 2009 General Frank Leidenberger das Kommando übernehmen. Ja, und die Taliban haben ihre eigene Agenda gehabt und wir haben unterschätzt, dass sie in gewisser Weise auch die Initiative behalten haben. 2009 häufen sich im Gebiet Kunduz die Angriffe der Taliban auf Konvois der Bundeswehr – vor allem mit Sprengfallen. Herr Major, welches Auto wurde angesprengt? Das Führende. Das erste vorne? Ja. Nach der Sprengung greifen die Taliban an. Die größte Bedrohung waren im Kern immer diese Improvised Explosive Devices, wie man das nennt. Also Sprengfallen, die improvisiert hergestellt wurden, also keine professionellen Minen. Aber dennoch mit tödlicher Wirkung. Minensuchtrupps sichern die Straßen und sprengen gefundene Minen. Diese Aufnahmen kommen von Jan Hecht. Er führte 2009 einen Panzergrenadierzug im Gebiet Kunduz. Seine Einheit bekommt stärkere Waffen, den Schützenpanzer Marder, um der Bedrohung durch die Taliban Herr zu werden. Da konnten wir also schnell feststellen, dass die Aufständischen dafür ein Gefühl entwickelt haben, die Distanz zu uns geändert haben. Die Sprengfallen, die sie eingebracht haben, waren deutlich höher dimensioniert. Also sie haben sich relativ schnell auf dieses neue Waffensystem eingestellt und Mittel und Wege gefunden, dem auch zu begegnen. Kämpfer der Taliban: Aus Sicht der islamistischen Fundamentalisten sind auch die Deutschen Besatzer. Diese Aufnahmen der Taliban entstanden 2009. Einer Ihrer Anführer in der Provinz Baghlan ist bis heute Muhammad Mirvais. Bis 2001 war er öfter in Deutschland. Ich war geschäftlich da – wir kauften Autos und reisten regelmäßig hin und her, zwischen Afghanistan und Deutschland. Wir hielten uns meistens in Städten auf, in Zweibrücken, aber auch Hamburg, München und Frankfurt haben wir oft besucht. Am Ende war es Gottes Gnade wir ließen den Handel, die Geschäfte und all das hinter uns und traten in den Dchihad ein, den bewaffneten Kampf. Die Taliban-Kämpfer professionalisieren sich. Das Know-How für den Bau tödlicher Sprengfallen kommt aus dschihadistischen Netzwerken und von tschetschenischen Kämpfern. Im Kampf muss man selbstverständlich jede verfügbare Technik und Taktik einsetzen. Wir verlegten Minen am Rand der Fahrbahn, und wir gruben sie mitten in der Straße ein. An den Kampfstellen haben wir versucht, einen Schritt vor der Frontlinie Sprengfässer oder Minen zu platzieren. Manche waren ferngezündet, manche per Funk, andere lösten durch Druck aus, etwa durch ein Fahrzeug. Wenn Panzer vorrückten und die Soldaten zu Fuß kamen, bedrohten wir sie mit unseren Gewehren. Die Taliban haben uns ja immer als Gegner wahrgenommen. Also wir waren für die der Feind. Und wir haben immer gedacht, wir sind da, um ja allen irgendwie zu helfen. Und man muss nur lieb und nett sein und dann wird das schon alles. Und da gibt es ein paar Verwirrte. Die Taliban nutzen ihre Vorteile. Sie werden von der Bevölkerung unterstützt. Und nur sie entscheiden, wo und wann sie zuschlagen. Ich persönlich war nicht dafür, dass Deutsche getötet werden. Aber sie gehörten nun mal zur NATO – und waren gezwungen, mitzukämpfen. 29. April 2009: Sergej Motz ist der erste deutsche Soldat seit dem Zweiten Weltkrieg, der in einem Feuergefecht ums Leben kommt. Quasi täglich hatten wir Meldungen reinbekommen von gefallenen ISAF-Soldaten. Aber jetzt war es einer von uns. Das hat schon was mit uns gemacht. Im Krisengebiet sind auch Jan Hecht und sein Zug gefragt und werden deshalb nach Kunduz verlegt. Ich hatte einen Zug von jungen Männern. Der jüngste war 19, den ich mit im Einsatz hatte. Und der älteste Mannschaftsdienstgrad, nicht älter als 25. 4. Juni 2009. Für Hechts Männer beginnt der Tag mit Routinearbeiten. Fing deswegen auch noch unspektakulär an, weil an dem Morgen, als wir das Feldlager verlassen haben, mein Gruppenführer 1, Daniel, befördert worden ist. Er ist an dem Tag Hauptfeldwebel geworden. Kurz danach meldete mein letztes Fahrzeug, dass er im Feuerkampf steht. Wir haben Feuer von der Seite und von hinten bekommen. Daniel stand dann noch unmittelbar auf kürzester Entfernung in einer Duellsituation mit Taliban-Kämpfern. Christian, der abgesprungen ist vom Fahrzeug, weil er erkannt hat, hier ist eine Flankenbedrohung für Daniel. Er hatte keine Körperpanzerung an, keinen Helm, gar nichts. Also er war verwundbar, wie man nur in dem Moment verwundbar sein kann. Und er hat das getan, weil er die Gefahr für Daniel abwenden wollte. Mein MG-Schütze während dieses Hinterhaltes hatte sein Waffensystem auf dem Fahrzeug eine Störung. Er hat die Störung an der Waffe behoben. Es sind Geschosse eingeschlagen an der Waffe und im Munitionskasten. Und er hat trotzdem das Gewehr feuerbereit gemacht und danach weitergekämpft. Ich habe keine Verluste gehabt, wir hatten keine Verwundeten, ich hatte keine Toten. Aber es war ganz, ganz oft eine Sache von Zentimetern, die darüber entschieden hat, ob ich alle mit nach Hause bringe oder nicht. Nach dem Gefecht filmt ein Soldat aus Hechts Zug die Spuren des Kampfes am Ort des Geschehens. Brandspuren und Einschläge der Geschosse lassen erahnen, was hier geschah. Meine Vorbilder sind meine Männer. In allem, was sie taten haben sie mich da herausgefordert, ihrem Beispiel zu folgen. Das ist halt so. Wenn man diese Situation sieht, wie Menschen sich so für das Wohl einer Gruppe aufopfern, dann fühlt man sich verpflichtet, diesem Vorbild zu folgen. Auch stellvertretend für die Männer seines Zugs wird Jan Hecht mit dem Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet. Orden wie die Gefechtsmedaille, das Ehrenkreuz für Tapferkeit, das entsteht alles. Es ist für die anderen Staaten das Normalste der Welt, solche Auszeichnungen zu haben. Weil sie sich zum ersten Mal auch im Kampf bewähren mussten, was andere Armeen längst hinter sich hatten. Für seine Freundin in Deutschland filmt Fallschirmjäger Johannes Clair seinen Arbeitsplatz in Afghanistan. „Ich befinde mich auf Höhe 432, also mitten im Feindesland in Chardarreh. Und ich werde jetzt eine kleine Führung starten. Hier ist unser Maschinengewehr, immer in Bereitschaft. So, jetzt gehen wir durch die Schützengräben, man sieht hier, absolutes Erster Weltkriegs-Feeling. Ich nehme an, so haben die damals auch gehaust. Hier sieht man meine Unterkunft, hier schlafe ich zusammen mit Muli. So, wir nähern uns jetzt unserer wichtigsten Stellung, die genau auf das feindliche Dorf Isa Kehl gerichtet ist. Hier befindet sich unsere schwerste Waffe, die GRAMAWA, die Granatmaschinenwaffe, hier steht sie. Ganz ganz liebe Grüße nach Deutschland und noch einen schönen Tag bei 48 Grad im Schatten. Tschüß!“ Soldaten sind ja keine dumpfen Kampfmaschinen, sondern das sind Menschen mit ihren Gefühlen, mit ihren Fragen, mit ihrem Können, mit ihrem Versagen. Und ich begleite Menschen. Als Seelsorger. Bernd Schaller leitet das katholische Militärdekanat Berlin. Zweimal war er in Afghanistan und stand Soldaten bei auch bei ethischen Fragen rund um Leben und Tod. Eine Frage hört der Militärseelsorger immer wieder: Bei Ihnen heißt es doch, du sollst nicht töten. Und dann sind Sie sozusagen für diejenigen da, die töten? Da sag' ich: ja, wenn wir das konsequent weiterverfolgen, ja, du sollst nicht töten. Aber sollst du zuschauen, wie andere getötet werden? Zum Beispiel die Frage, wir sind mit der Patrouille unterwegs und sehen an irgendeinem Ort, da wird eine Frau gesteinigt. Eigentlich müssten wir jetzt anhalten, aussteigen, das verhindern. Was machen Sie da? Und dann fahren wir weiter. Aber die Frage, warum haben wir nichts getan, die nehmen wir mit. Und die holt uns immer wieder ein. Warum führen wir denn Kriege? Die Fragen, die müssten wir doch beantworten. Und das sind ja nicht diejenigen, die die Fragen beantworten müssen, die dann anschließend ihren Kopf hinhalten und ihr Leben. Soldaten wie Naef Adebar. Er war als Fallschirmjäger in Afghanistan. Immer wieder zieht es ihn in den „Wald der Erinnerung“ in Potsdam. Die Gedenkstätte der Bundeswehr ist allen im Dienst oder im Auslandseinsatz verstorbenen Soldatinnen und Soldaten gewidmet. Auch er hat Kameraden verloren. Jeder, der eine Waffe in der Hand hat, sollte sich darüber Gedanken machen, dass das, worum es denn tatsächlich in dem Soldatenberuf geht, um Verteidigen, um Angriff, dann geht es auch immer um Leben und Tod. Ich bin geboren in Jordanien und bin mit dreieinhalb Jahren dann nach Deutschland gekommen und in Deutschland aufgewachsen. Zur Bundeswehr will er: Um Kameradschaft zu erleben, um Deutschland etwas zurückzugeben. Das waren die Gründe. Dafür setzt er viel aufs Spiel. Ich habe mein Testament extra vor dem Einsatz aufgeschrieben und natürlich auch mit meiner damaligen Lebensgefährtin über das Worst-Case-Szenario gesprochen, was passiert, wenn ich verwundet werde, was passiert, wenn ich falle? Unweit von Kunduz sollen Fallschirmjäger nahe der Ortschaft Isa Khel Sprengfallen räumen am Karfreitag 2010. Wir sind schon mit meiner Gruppe sehr, sehr nah an Isa Khel dran. Es war für mich der Auftrag mit der Drohne in die Compounds reinzuschauen, um dann auch ein gesamtes Lagebild zu haben und dann eben auch schnellstmöglich darauf zu reagieren, falls der Feind denn einen Hinterhalt geplant hat. Die Taliban bereiten sich vor – und filmen das Geschehen. Dann habe ich die Drohne gestartet, bin über Isa Khel geflogen und als ich sie dann zurückholen wollte, gab's dann eben einen Windstoß. Die Drohne ist abgetrieben, ist dann quasi auf einem der Felder abgestürzt. Aber wo? Noch einmal soll Adebahrs Spähtrupp das Feld durchkämmen und die Drohne bergen. Da war natürlich auch ein gewisses Unverständnis, warum sollen wir uns jetzt nochmal dieser Gefahr aussetzen? Ist doch klar, dass wir da auf dem Präsentierteller sind. Aber es ist eben so: Befehl und Gehorsam Etwa 80 Taliban-Kämpfer eröffnen das Feuer. Beim Ausweichen hat es mich dann leider getroffen. Ein Oberschenkeldurchschuss, ein Unterschenkeldurchschuss und ein Fersenschuss. Unter Beschuss der Taliban schlägt sich eine Gruppe Fallschirmjäger durch zu den verwundeten Kameraden. In dem Moment hab' ich definitiv auch gebetet. Ich hab' meinem Kameraden, gesagt, wenn ich hier jetzt sterben sollte, und du überlebst es, dann sag bitte meiner Frau, meiner Lebensgefährtin, dass ich sie liebe.# Auf dem Weg zu den Verwundeten wird ein Soldat so schwer getroffen, dass er später seinen Verletzungen erliegt. Irgendwann kam dann der Zug und hat dann unter Feuer, unter massivem Feuer mich dort von dem Feld heruntergezogen. Im Feldlager Kunduz starten zwei amerikanische Rettungshubschrauber, um die Schwerverwundeten zu evakuieren. Die Black Hawk ist dann ja quasi unter massivem Feuer ja auch gestanden von den Taliban, vom Feind. Und hat sich ja trotz dieses massiven Feuers da in diese Zone begeben, in diese Hot Zone. Und hat uns da rausgeholt. Während des Gefechts gerät an anderer Stelle ein Truppentransporter „Dingo“ in eine Sprengfalle. Insgesamt drei Soldaten sterben. In der Geschichte der Bundeswehr ist das so genannte Karfreitagsgefecht das schwerste und verlustreichste. Der Schmerz sitzt tief. Was sagen Sie denen? Gar nichts. Sie hören zu. Man kommt am Ende des Tages zu der Erkenntnis, dass es Situationen gibt, in denen man alles richtig machen kann und man verliert trotzdem. Bei der Trauerfeier im Feldlager Kunduz versucht Militärseelsorger Bernd Schaller tröstende Worte zu finden. Am 2. April war Karfreitag, ein ganz schwarzer Tag für uns, Heute ist Ostersonntag, blauer Himmel, Tag der Auferstehung, und dann so zu entwickeln, dass das Leid eben zum Leben dazugehört, aber dass es nicht das letzte Wort hat. Es ist schlimm, es ist ganz schlimm für die, die betroffen sind. Aber wir müssen weitermachen. Die Kernfrage für mich war eher, wie erhalte ich die Motivation und die Bereitschaft, im gesamten Kontingent zu sagen, ja, das Risiko da draußen ist offensichtlich so groß, dass wir Soldaten verlieren, aber wir müssen trotzdem wieder rausfahren. Wir müssen weitermachen, wir haben einen Auftrag. Streitkräfte müssen sich naturgemäß oft mit Sterben, mit Tod, Verantwortung, Schuld, Trauma, Erinnerung daran beschäftigen, weil die Rolle von Streitkräften ist der Einsatz von militärischer Gewalt in Kriegen und Konflikten, die das alles mit sich bringen. Und die Bundeswehr hat Gott sei Dank fast nie kämpfen müssen und bis zum Afghanistan-Ansatz eigentlich gar nicht kämpfen müssen, mit ganz, ganz kleinen Ausnahmen. Und deswegen würde ich formulieren, dass die Bundeswehr letztlich am Hindukusch erwachsen geworden ist. Aus der „Friedensmission“ in Afghanistan wird mancherorts ein Kriegseinsatz. Wir stecken in der größten Schafs-Scheiße ever. Feind von allen Seiten, ein Verwundeter. Und wir müssen die Stellung halten. Ein solches Szenario war nicht vorgesehen. Es ist schiefgelaufen, dass unsere Truppen dort unter einem völlig falschen Label runtergeschickt worden sind und auch öffentlich verkauft worden sind. Ich weiß von einem, der hat mir geschrieben, Herr General, hier ist alles, nur kein Frieden. Es ist der Öffentlichkeit aus rein politisch opportunistischen Gründen verschwiegen worden, dass die Truppen, die dort runtergeschickt worden sind, nicht stabilisieren, wie es hieß, Krankenhäuser bauen, sondern dass sie dort unten Sicherheit erkämpfen müssen. Auch Oberleutnant Daniela Klix macht diese Erfahrung. Zwei Tage nach dem Karfreitagsgefecht kommt sie im April 2010 nach Afghanistan. Ich hab' insgesamt 30 Männer auf- und abgesessen im Einsatz geführt. Man hat alle Szenarien trainiert, aber es ist ja was anderes, im Training und dann im Einsatz zu sein und dann vor allen Dingen auch vor dem Hintergrund zu wissen, dass die eigenen Kameraden zwei Tage zuvor genau in einem solchen Gefecht waren, mit Verwundung, mit Tod. Wir waren sehr, sehr angespannt. Heute lehrt die promovierte Sportwissenschaftlerin und Psychologin an der Führungsakademie der Bundeswehr. Stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen kam sie 2001 als eine der ersten Frauen zur kämpfenden Truppe. Ich habe mich natürlich damit auseinandergesetzt, dass man sich für ein Kriegsszenario ausbilden lässt und dass man am Ende, wenn ein solches Szenario eintritt, natürlich auch mit der Waffe seinen Dienst leistet. Ein neues Kapitel in der Geschichte der Bundeswehr. An der Kaserne selber sind wir alle gleich aufgenommen worden. Da wurde erst mal kein Unterschied gemacht, aber man hat schon sehr wohl wahrgenommen, dass viele Augenpaare auf einen gerichtet waren, so, da ist eine Frau, da ist sie. Vorbehalte waren sicherlich gegeben: Sind die Frauen geeignet für den Dienst? Bringen sie die körperlichen Voraussetzungen mit? Bringen sie aber auch einfach die Bissfestigkeit, die Willensstärke mit? Man war ja ständig auch unter einem gewissen Leistungsdruck und Leistung geben zu müssen und einfach aufzuzeigen, dass das kein Fehler war, die Bundeswehr zu öffnen für Frauen. So wird Daniela Klix zu einer Art Pionierin in der Truppe. Ich hätte das tatsächlich auch vor Eintritt der Bundeswehr gar nicht so sehr gedacht, dass ich immer wieder die Erste sein werde. Das fing in der Grundausbildung an mit dem feierlichen Gelöbnis. Ja, da kann ja die Frau Klix die Gelöbnisrede halten. Es ging dann weiter über die Laufbahn, Fahnenjunkerlehrgang, dann erste Richtschützin, Bordmaschinenkanone am Schützenpanzer Marder, Ausgebildet zum Einzelkämpfer. Dann war auch einfach wieder die Erwartungshaltung: Das muss sie jetzt schaffen. Erste Frau Einzelkämpfer mit Abzeichen. Sie setzt sich durch, steigt auf. Als Oberleutnant übernimmt sie Verantwortung beim Einsatz in Afghanistan. Von diesen 122 Tagen haben wir 93 Tage außerhalb des Lagers verbracht, auf Patrouille, im Fahrzeug, im Gefechtsfahrzeug. Immer auf der Hut vor Hinterhalten der Taliban-Kämpfer. Man hat gemerkt, wenn auf einmal weniger los war auf der Straße, dann war das auch schon ein Zeichen dafür, dass man jetzt besondere Aufmerksamkeit walten lassen sollte, wenn es auf einmal ruhig wird, wenn die Einheimischen halt nicht mehr über die Straße gehen. Es gab Indizien, worauf man hindeuten konnte, okay, es liegt was in der Luft. Es war ruhig, es war kein Leben mehr auf der Straße. Es war nichts zu sehen. Und bevor wir überhaupt aufklären konnten, wurde der Sprengsatz von den gegnerischen Kräften gezündet. Es kam zu einer Riesendetonation. „Achtung an alle Panzer: Panzerfaust-Abschuss, jetzt!“ Daniela Klix und ihre Männer waren in einen Hinterhalt der Taliban geraten. In Deutschland nimmt die Öffentlichkeit kaum wahr, welchen Gefahren Soldaten wie Daniela Klix in Afghanistan ausgesetzt sind. Das stimmt mich nachdenklich. Wir gehen ja nicht ohne Grund in den Einsatz, sondern wir sind eine Parlamentsarmee. Der Bundestag entscheidet, wenn wir in den Einsatz gehen. Und der Bundestag wiederum wird gewählt. Jeder einzelne Bürger trägt ja mit seiner Stimme dazu bei. Und dass man dann so wenig Interesse zeigt an den Soldaten, die sich entschieden haben für dieses Berufsbild. Wo ich auch ganz klar sage, es muss nicht jeder dieses Berufsbild ausüben. Aber man sollte denjenigen, die sich für dieses Berufsbild entscheiden, zumindest den notwendigen Respekt bringen. Und nicht einfach nur sagen, das haben sie ja frei entschieden für. Sie werden ja gut entlohnt. In Afghanistan sterben 59 deutsche Soldaten. 2021 endet der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch nach 20 Jahren. War alles umsonst? Es sind ja letztlich alle Staaten gescheitert. Es waren über 50 Staaten in Afghanistan. Es gibt kein Land, das wirklich die Bedingungen in Afghanistan drehen konnte. Der Einsatz in Afghanistan hat für manchen Soldaten schwere Folgen. Soldatin Steffi Schenke ist mit ihrem Assistenzhund Loki durch schwere Zeiten gegangen. Schenkes Dienstort ist die Offizierschule der Luftwaffe in Roth. Mit 17 Jahren kommt sie zur Bundeswehr und wird ausgebildet zur Rettungsassistentin 2009 Einsatz im Kosovo – dann zweimal in Afghanistan. Sie ist Soldatin, bewaffnet zur Verteidigung – und Sanitäterin, wenn es Verletzte gibt. Bei der Rückkehr 2014 kommt der Zusammenbruch. Schweißausbrüche, Angst, also wirklich im Nachhinein, kann ich es ja quasi beschreiben, war es wirklich Todesangst. Und das macht unheimlich Angst, dass da oben irgendwas nicht mehr zusammenspielt. Also dass da irgendwas, dass man den Kopf nicht mehr im Griff hat. In Afghanistan nimmt ihre Seele Schaden. Steffi Schenke entwickelt eine Posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS. Als es dann den Punkt gab, als ich verstanden habe, dass es mir nicht gut geht, dass ich krank bin, habe ich dann von meinen Eltern und von einer sehr guten Freundin damals schon auch die Rückkopplung bekommen, dass sie es gewusst haben. Das war eher so ein: Gut, dass du es jetzt endlich verstanden hast. Meine Tochter ist nach Afghanistan gefahren und ist nicht wiedergekommen. Sie ist nicht wiedergekommen. Da ist ein anderer Mensch wiedergekommen, der sehr ernst ist, verschlossen ist. Jetzt fängt es wieder an, dass ich meine Tochter wieder kriege. Sport und eine Gruppentherapie für Einsatzgeschädigte der Bundeswehr helfen ihr, wieder in ein aktives Leben zurückzufinden. Und das hat mir so gutgetan, diese körperliche Aktivierung, diese Struktur. Und auch einfach wieder das Gefühl zu haben, dass man was schafft, dass man es wert ist, die Uniform wieder anzuziehen. Ich habe mir mal gesagt, ich will die Uniform nicht nur anziehen, sondern ich will sie auch wieder füllen können. Den Durchbruch bringt eine neuartige Sporttherapie der Bundeswehr-Sportschule in Warendorf. Auch Naef Adebahr, schwer verwundet im Karfreitagsgefecht, nutzt dieses interdisziplinäre Programm, um wieder zu Kräften zu kommen – physisch wie psychisch. Zur Gesundung kommt eine neue Berufsperspektive. Ich bin der Truppenpsychologiefeldwebel, das ist im Prinzip der Assistent der Truppenpsychologin. Dass ich diese Arbeit tun kann, hängt zu 100 Prozent mit dem Erlebten zusammen. Die Kameradinnen und Kameraden vertrauen sich mir viel, viel schneller an, weil sie wissen, dass ich Ähnliches, Gleiches, Schlimmeres erlebt habe. Das ist einfach immens wichtig, dass ich auf diesem Dienstposten einfach auch ganz genau weiß, was die Menschen ertragen mussten, ertragen müssen. Die Beine tragen wieder bis ins Ziel. Sogar bis aufs Siegertreppchen. Wenn man sieht, was er durchgemacht hat am Karfreitagsgefecht und seine Verwundung und jetzt steht er da in Warendorf und ist für alle da, um zu helfen und stellt sich selber so in den Hintergrund. Also in meinen Augen ist, und das Wort benutze ich nicht oft, ist es ein moderner Held tatsächlich für mich. Beide – Steffi Schenke und Naef Adebahr – nehmen erfolgreich teil an den Invictus Games. Wettspiele für verwundete, verletzte und erkrankte Veteranen aus aller Welt. Eine wunderschöne Begrüßung. Wir sind alle gerade ein bisschen geflasht und genießen den Moment. Die Spiele 2018 in Sydney sind für sie ein Erfolg in jeder Hinsicht. Das war seit langem mal wieder so euphorisch. Da habe ich eine Tür zu einem Raum, wo die, ich sag jetzt mal, bösen Geister waren, wirklich fest schließen können und habe das Gute im Leben gespürt und habe gewusst, dass sich die ganze Kraft auch lohnt aufzubringen um wieder das Gute im Leben zu sehen und zu fühlen. Steffi Schenke geht es wieder besser. Aber ihren Assistenzhund Loki gibt sie nicht mehr her. Seitdem es mir viel besser geht, ist es eher, dass er trotzdem an meiner Seite ist und ich ihn natürlich jetzt nicht gehen lasse, nur weil`s mir besser geht. Ich bin eher der Assistenzmensch für ihn. Jetzt hat er mehr Erkrankungen als ich. Nur selten musste die Bundeswehr wirklich kämpfen. Jetzt steht sie in einer Welt voller Bedrohungen vor neuen Herausforderungen. Sie soll „kriegstüchtig“ werden, um Land und Bündnis zu schützen, abzuschrecken, damit Gefechte auch weiterhin die Ausnahme bleiben. Wenn euch das Video gefallen hat, dann abonniert unseren Kanal.
📊 Link-Infos
| URL | https://www.youtube.com/watch?v=rWjfrnO5Xi0 |
| Titel | Wo die Bundeswehr wirklich kämpfte | Terra X |
| Kategorien | BulkNews, Terra X History |
| Hinzugefügt | 2026-07-26 18:23:03 |
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