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MDR Investigativ

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🤖 Zusammenfassung

Die Reportage begleitet eine 61-jährige Journalistin auf der Suche nach dem Sinn gendergerechter Sprache. Sie befragt Menschen auf einem Trabbi-Treffen in Sachsen, wo vor allem ältere DDR-sozialisierte Zeitgenossen Gendern ablehnen und die deutsche Sprache bewahren wollen; jüngere und internationale Besucher äußern sich differenzierter. Eine MDR-Umfrage zeigt: 86 Prozent der Befragten halten das Thema für unwichtig, nur 14 Prozent betrachten die Sichtbarkeit aller Geschlechter als wichtig; Zustimmung ist bei 16- bis 29-Jährigen deutlich höher. Die Linguistin Luise Pusch verteidigt den Sprachwandel als Mittel gegen die sprachliche Marginalisierung von Frauen. Ein Queer-Netzwerk in Wurzen setzt auf das Gender-Sternchen, um nicht-binäre Identitäten sichtbar zu machen. Zwei Leipziger Studentinnen betonen, dass echte Gleichbehandlung ihnen mindestens so wichtig ist wie gendergerechte Sprache. Kritisch bleibt die Frage, ob der von Universitäten vorangetriebene Sprachwandel die Gesellschaft spaltet oder einhergehende gesellschaftliche Ungleichheiten tatsächlich überwindet.

Summary created by "LinkBuster-KI HAL8999 – Status READY!!"

📜 Transkript

Ich gehöre zu den Baby-Boomern,
bin 61 Jahre alt und Journalistin.
Sprache
gehört zu meinem Berufsalltag.
Und die Sprache
hat sich sehr verändert.
Vor 1 Jahr hätte ich eine Mail
noch mit : "Liebe Kollegen" begonnen.
Heute mache ich das nicht mehr.
Also korrekte Anrede.
"Liebe Kolleginnen und Kollegen".
Meine Fernsehtexte
spreche ich selber.
Und mir graut vor dem Glottisschlag,
die kleine Pause vor dem "innen".
Den habe ich bisher noch nie
vor einem Mikrophon ausgesprochen.
Also "Lehrer:innen".
Mich lässt das Gefühl nicht los:
Ich muss mich ändern, anpassen
an neue Sprachgepflogenheiten.
Muss das sein?
Dass Sprache das Bewusstsein prägt,
leuchtet mir ein.
Bislang war es für mich okay,
von Politikern zu sprechen.
Dass Frauen da hineingehören,
ist für mich selbstverständlich.
Ich hatte und habe
ein paar schwule Freunde.
Und wenn sich jemand
weder als Mann noch als Frau sieht,
ist das auch kein Problem.
Was soll also die ganze Aufregung
um Sternchen und Co.?
Nitschka in Sachsen.
Was hat ein Trabbi-Treffen
mit Gendern zu tun?
Gar nichts.
Aber es bietet die Chance,
entspannt mit Leuten
ins Gespräch zu kommen.
Über ein Thema, das hierzulande
streitbar ist, zu diskutieren.
Annäherungsversuch
über den Keilriemen.
Die Keilscheibe sitzt hier,
der Lüfter geht hier runter.
Der sitzt hier.
Hier unten drunter?
Der geht hier hinten herunter.
Und da können Sie dann
die Strumpfhose drüberspannen.
Darf ich Ihnen mal
eine ganz andere Frage stellen?
Wissen Sie, was Gendern ist?
Gendern?
Nein.
In der Sprache
soll alles männlich sein.
Das soll sich ändern.
Das habe ich noch nie gehört.
Und in den Nachrichten,
dass die Sprecher sagen:
Politiker*innen.
Ist Ihnen schon mal aufgefallen,
dass man da eine Pause macht?
Das habe ich schon einmal gehört.
Aber da legt man
kein Augenmerk drauf.
Ich finde, die deutsche Sprache
sollte so bleiben, wie sie ist.
Was halten Sie von dem Thema Gendern
bzw. geschlechtergerechte Sprache?
Ich finde es nicht notwendig.
Warum nicht?
In der DDR war es so:
Wir hatten eine Rechtschreibung.
Da gab es männlich und weiblich
und von mir aus auch
lesbisch und schwul.
Und dann muss es ja mal
irgendwann aufhören.
Sogar Trabbi-Fans aus Holland
sind nach Nitschka angereist.
7 h haben sie gebraucht.
Wissen Sie,
was eine Gender-Sprache ist?
Sagt Ihnen Gendermainstreaming
etwas?
Bei uns in Amsterdam
hat man eine Regenbogensprache.
Früher war es deutlich,
es gab Jungen und Mädchen.
Jetzt gibt es viele Unterschiede.
Sie meinen divers, queer.
Divers.
Queer, okay.
Ich fand es prima, wie es war.
Ich habe Respekt davor,
was jemand so will.
Es ist schwierig,
niemandem …
…auf die Füße zu treten?
Ja.
Das meine ich.
Die korrekte Form zu finden,
ist eben anstrengend.
Darüber will ich auch
mit Manfred Engelmann sprechen,
dessen Trabi noch im Originalzustand,
wenn auch fahruntüchtig ist.
Den hat mein Vater 1964 bekommen.
Darf ich Ihnen eine Frage stellen.
Sie dürfen alles fragen.
Ich komme jetzt
mit einem anderen Thema um die Ecke.
Haben Sie schon einmal
das Wort Gendern gehört?
Das ist eben jetzt
die nächste Generation mit Englisch.
Das kann nun fast jeder,
ich nicht.
Das ist mit dem Gendern genauso.
Sie meinen, es verändert sich was.
Natürlich.
Für wie viele Leute ist denn
die Einheit oder Ost und West
noch ein Thema?
Das ist doch unser Thema.
Sein Thema ist das nicht mehr.
Für die junge Generation
gibt es Nord, Süd, Ost, West.
Ob Leute aus Wiesbaden
oder Baden-Baden kommen, ist Wurst.
Und für Sie wandelt sich
die Sprache einfach.
Ja, na klar.
Umfragen zum Thema
geschlechtersensible Sprache,
da gibt es einige.
Sie kommen alle
zu ähnlichen Ergebnissen
wie die jüngste vom MDR.
Danach sei die Debatte v.a. eines:
unwichtig.
86% haben dies angegeben.
Nur 14% der Befragten
sind der Auffassung:
alle Geschlechter in der dt. Sprache
sichtbar zu machen,
ist ein wichtiges Anliegen.
Mich interessiert es,
wie es dazu gekommen ist,
dass jemand in Deutschland
feststellte,
Sprache sei männlich
und Frauen würden dabei
nicht mitgedacht.
Die Antwort gaben Feministinnen
Anfang der 80er-Jahre.
Die Linguistik-Professorin
Luise Pusch
gehörte zu den Initiatorinnen.
Guten Tag, Frau Pusch,
schön, dass wir sprechen können.
Warum haben Sie sich
dafür eingesetzt,
dass es eine geschlechtergerechtere
Sprache braucht?
Wenn die Frauen vom Rand
ins Zentrum wollen,
müssen sie auch sprachlich
etwas tun.
Denn die Sprache
hält sie immer irgendwie am Rande.
Rein symbolisch
ist es in der Sprache sichtbar:
die Frauen sind am Rande.
Und jederzeit
können sie unterdrückt werden,
sowie auch nur ein einziger Mann
auftaucht.
99 Sängerinnen und 1 Sänger
sind dann 100 Sänger auf Deutsch,
in unserer Grammatik.
Die Frauen zählen halt nicht.
Im Netz finde ich eine Rubrik:
"Geschickt gendern von A bis Z".
Gegliedert in ungegenderte Begriffe
und gendergerechte Alternativen.
Abenteurer sagt man nicht mehr.
Dafür aber: Wagehals,
abenteuerlustige Person usw.
Ampelmännchen werden zu Ampelfiguren
oder Ampel-Menschlein.
Letzteres finde ich lustig.
Allein unter A
gibt es mehr als 170 Begriffe.
Sprache ist männlich,
kaum zu übersehen.
Es scheint so,
als müsste ich
eine neue Ausdrucksweise lernen.
Aber will ich das?
Und wessen Argumente
sprechen dafür?
Wurzen ist ein sächsisches
16,000-Einwohner-Städtchen.
Hier auf dem Marktplatz
wollte ich eigentlich Leute
aus der Queer-Bewegung treffen.
Weil es zu stark regnet,
haben sie die öffentliche Podiums-
Diskussion nach innen verlegt.
Das Thema:
Das Leben von Menschen,
die sich weder als männlich
oder weiblich begreifen
im ländlichen Raum.
Diese Gruppe ist eine Minderheit.
Aber sie legt sehr viel wert
auf geschlechtersensible Sprache.
Darüber möchte ich
mit den Organisator*innen
Vera Odendorf und Manuela Tillmanns
reden.
Warum wollen Sie auch durch Sprache
sichtbar werden?
Was ist Ihnen daran wichtig?
Sie sagen es ja schon:
Es geht um Sichtbarkeit.
Und geschlechtliche Vielfalt
wird in der Regel nicht sichtbar.
Schon gar nicht hier
im kleinstädtischen Raum.
Aber auch allgemein
gesellschaftlich.
Sie sind ja auch auf uns zugekommen
und sagten,
Sie kennen nicht-binäre Menschen
gar nicht.
So geht es
den allermeisten Menschen.
Und Sprache
macht Realitäten sichtbar.
Um diese Sichtbarkeit geht es.
Wir haben den Glottisschlag,
die kleine Pause vor "innen".
Wir haben das Sternchen.
Früher gab es dann Binnenmajuskel-i.
Was wollen Sie?
Das Binnen-i macht eine
Zweigeschlechtlichkeit sichtbar.
Es verweist auf Männer und Frauen.
Deswegen ist es für uns
nicht ausreichend.
Wir als queeres Netzwerk Sachsen
haben uns für das Gender-Sternchen
entschieden,
weil es die Lücke gut markiert,
die geschlechtliche Vielfalt
umfasst.
Es gibt mehr Identitäten
als nur männlich und weiblich.
Sie sind eine Minderheit
in der Bevölkerung.
Wie haben Sie es geschafft,
dass sich Studenten dem Gendern
verschrieben haben
und auch immer queere und non-binäre
Menschen mitmeinen.
Es gibt nicht diese homogene Gruppe
an queeren Leuten.
Queer ist eine Querschnitt.
Queere Menschen
sind in allen Schichten vorhanden.
Sie treten an ihren Positionen
für ihre Rechte ein.
Es wundert mich gar nicht,
dass es an den Unis
soweit gekommen ist,
dass Profesor*innen
oder Dozent*innen
diese Interessen vertreten haben.
Es hat meiner Meinung nach
relativ lange gedauert,
dass sich die Sprachpolitiken
durchgesetzt haben.
Die Veranstaltung in Wurzen
findet in einem kleinen Rahmen statt.
Ich frage mich, ob diese Sichtweise
mehrheitsfähig ist
oder sie zu einer weiteren Spaltung
der Gesellschaft beiträgt:
In eine universitäre Elite
und Menschen,
die sich sprachlich abgehängt fühlen.
Diese Frage hatte ich auch
der Feministin und Linguistin
Luise Pusch gestellt.
Ich plädiere für Gelassenheit,
was die Sprache betrifft.
Im Wesentlichen sind das
die Jüngeren, die das gerne machen
und die sich als fortschrittlich
begreifen.
Und die anderen sind eingeladen
mitzumachen oder es zu lassen.
Bei den Altersgruppen
lässt sich klar feststellen:
Die 16-29-Jährigen stehen mit 38%
der Verwendung
einer geschlechtersensiblen Sprache
deutlich positiver gegenüber
als die über 65-Jährigen mit 7%.
Vorbereitungen zum Abendessen.
Abschließend möchte ich noch
mit jungen Menschen sprechen,
für die Gendern
inzwischen Alltag ist.
Dazu habe ich 2 Student*innen
von der Uni Leipzig eingeladen.
Beim gemeinsamen Kochen und Essen
lässt es sich angenehmer diskutieren.
Katharina Noll studiert
im 4. Semester Ethnologie.
Vanessa Friftschik
ist im 10. Semester Jura
mit Schwerpunkt Medienrecht.
Warum ist Ihnen
gendergerechte Sprache wichtig?
Es gibt viel mehr als eine weibliche
und eine männliche Form.
Deswegen.
Also Menschen, die für mich weder
Frau noch Mann sind.
Richtig.
Gerade die müssen wir auch
in den Vordergrund bringen.
Dass es männliche und weibliche
Formen gibt, ist uns bekannt.
Wir haben einfach divers eingeführt.
Man kann sich das in den
Personalausweis schreiben lassen.
Es ist rechtens hier.
Um diese Menschen geht es.
Ich begreife, wie wichtig
jungen Leuten dieses Thema ist.
Und dass Sprache auch eine Minderheit
sichtbar machen kann.
Meine Generation sagt:
Sprache prägt das Bewusstsein.
Das ist vollkommen logisch.
Aber mir ist es wichtiger,
dass Frauen den gleichen Lohn
bekommen für die gleiche Arbeit.
Dass sie die gleichen
Aufstiegsperspektiven haben
wie Männer.
Mir ist das wichtiger
als eine gendergerechte Sprache.
Mir ist das persönlich
auch viel wichtiger,
dass es wirklich Gleichbehandlung
gibt.
Und nicht nur die Sprache passt.
Aber die Sprache verändert sich
und mit ihr Gesellschaften.
Ich glaube,
das muss Hand in Hand gehen.
Es muss beides parallel passieren.
Es bringt nichts,
wenn man auf der einen beharrt
und bei der anderen
auf Widerstand stößt.
Vielmehr glaube ich,
man kann viel voneinander lernen
und den Zusammenhang erkennen.
Einig sind wir uns auch darüber,
dass jede und jeder
so sprechen sollte,
wie sie oder er es möchte,
weil Sprache doch
etwas sehr Persönliches ist.
Und sorry dafür,
dass diese Formulierung
nicht 100% genderneutral ist!


📊 Link-Infos

URL https://www.youtube.com/@MDRInvestigativ
Titel MDR Investigativ – YouTube
Kategorien Zeitung, Dresden, Einbruch, Juwelen, Kriminalfall, MDR Investigativ
Hinzugefügt 2026-07-20 21:44:27
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