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🤖 Zusammenfassung
Die Reportage schildert drei sächsische Infrastrukturprojekte, die trotz hoher Kosten und langer Planung kaum vorankommen. An der S228 zwischen Schopau und Schafenstein regelt seit 19 Jahren eine Baustellenampel den Verkehr, weil ein instabiler Hang die Fahrbahn absenkt; ein Baubeginn ist frühestens 2027 möglich. Die Bahnstrecke Chemnitz–Leipzig ist nur halb elektrifiziert und größtenteils eingleisig; die Kosten steigen von 500 auf 750 Mio. Euro, der nördliche Abschnitt ist noch nicht einmal geplant. Parallel dazu bleibt die A72 sowie die marode Agra-Brücke in Leipzig seit Jahrzehnten unvollendet bzw. nur notdürftig gesichert, während Politiker wiederholt Versprechen abgaben. Nach dem Einsturz der Carolabrücke wird nun eine eins-zu-eins-Neubau-Variante ohne Lärmschutz bevorzugt, obwohl Experten günstigere Alternativen vorschlagen. Die jüngste Anschaffung statt Miete der Ampel deutet nicht auf baldige Lösungen hin.
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📜 Transkript
Die S228 zwischen Schopau und Schafenstein. Seit 19 Jahren bremst hier eine Baustellenampel den Verkehr aus. Geschätzte Kosten für die gemietete Lichtzeichenanlage rund 200.000 €. Ein endlos teurer Spaß. Also, ich nehm es schon mit Humor. Wir alle nehmen es mit Humor mittlerweile. Was anderes bleibt dann ja nicht über. Manche haben es noch nie anders erlebt. Wie alt sind Sie? Ach so. Ne, ich bin 20, aber das kennen wir ja schon, also seit 100 Jahren gefühlt, ne? Also, sie kennen das gar nicht ohne die Ampel. Nee, gar nicht ohne. Also, ich glaub einmal war das weg, aber es war auch noch vor zwei Tage oder so und dann war es wier da. Wie finden Sie das? Ja, smart sich dran gewöhnt mittlerweile, aber schön ist den nicht, ne? Der Grund für die Neverending Story liegt weiter unten. Ein instabiler Hang, der zu einer Absenkung der Fahrbahn führt. Deshalb ist die Straße auf 100 m nur einseitig befahrbar. Trotz Bauarbeiten, die schon 2011 begonnen haben, ist das Problem bis heute nicht behoben. Der einzige, [musik] der das Stop and Go dynamisch findet, ist dieser Fahrlehrer. Ich komme vom Dorf. Wir haben keine Ampeln und da freue ich mich immer, dass ich wenigstens eine Ampel habe, mit der ich arbeiten kann. Wie finden Sie das? Genial. Seit 19 Jahren. Ich habe bestimmt schon hier mehrere Wochen meines Lebens verbraucht an der Ampel. Wir fragen beim Landesamt für Straßenbau an und bitten um ein Interview. Das will man uns Überraschung nicht geben, aber schriftlich zeigt man sich optimistisch. Bei optimalem Verlauf und vorbehaltlich der Bereitstellung ausreichender Haushaltsmittel wird gegenwärtig ein Baubeginn für 2027 angestrebt. Wer nicht vor der Ampel, sondern die auf dem Bahnsteig warten möchte, kommt weiter nördlich auf seine Kosten. In Mittelsachsen, in der Mitte zwischen Chemnitz und Leipzig liegt Geithein. 60 mal am Tag hält hier ein Zug. Selten pünktlich, meistens verspätet und manchmal auch gar nicht, wie das so ist bei der Bahn. Die Verbindung ist also ausbaufähig. Doch es gibt zwei Probleme. Erstens, nur die Hälfte der Strecke ist elektrifiziert. Heißt, ab Geitilen geht es nur noch mit dem Dezug weiter. Ändert sich das bald? Was glauben die Kunden? Also das Planfeststellungsverfahren für den Teil der Strecke ist gemacht und für den Rest nach Leipzig ist das noch nicht mal in Gang gesetzt. Also vor 2050 glaube ich da nicht dran. Elektrifizierung wäre der nächste Schritt, aber zumindest, dass man schon mal zweigleisig fährt, wäre schon mal das glaube ich das Wichtige von beiden. Und das ist das zweite Problem. Die Strecke ist überwiegend eindleisig. Heißt bleibt Einzug liegen, egal aus welcher Richtung, rollt hier nichts mehr. Das zweite Gleis wurde übrigens vor 80 Jahren demontiert [musik] und ging nach dem Krieg als Reparation an die Sowjetunion. Das ist Katja Meer. Sie war mal sächsische Justizministerin und ist heute eine von noch sieben grünen Landtagsabgeordneten. Da liegt ihr der Ausbau der Bahn natürlich am Herzen. Die größte Gefahr, die natürlich besteht, ist, dass es eben nicht zur Elektrifizierung und vor allem nicht zum zweikleisigen Ausbau kommt, was dazu führt, dass es dann diesen 30 Minutenakt, der so wichtig für die Region ist, nicht sichergestellt werden kann und damit eben auch die essentielle Anbindung an den Fernverkehr hier auch in Frage steht. Meer hat eine kleine parlamentarische Anfrage gestellt, wollte wissen, wann der Ausbau fertig ist und was er kostet. Antwort vom Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung. Für den Nordabschnitt stünden 500 Millionen Euro bereit. Aber Zitat: "I Jahr 2024 hat die DB Infrago im Rahmen des INVKG Prozesses eine Fortschreibung der bisherigen Kostenschätzung Klammer auf ohne Vorliegen der Leistungsphase 1 und 2 nach Hai Klammer zu vorgenommen und Kosten in Höhe von 750 Millionen Euro benannt. Aha, einfach ausgedrückt. Das Ganze wird wohl 50% teurer als gedacht. Fun Fact, das Infrastrukturministerium steht in Dresden neben der eingestürzten Carol Brücke. Beim Bahnausbau ist das Behördentempo auch eher krachend langsam. Den Nordabschnitt hat man ja noch nicht mal mit der Planung begonnen. Da gibt's jetzt die Aussage, dass das jetzt in 2026 starten soll. Aber auch hier äh gibt's jetzt aktuelle Information, dass jetzt erst wieder ein Gutachten erarbeitet wird, äh wie man äh mit den finanziellen Mitteln, die zur Verfügung stehen, diese Strecke ausbauen kann. Und eigentlich sollte dieses Gutachten jetzt schon im März vorliegen. Jetzt ist das neue Datum im Juni und ob dann überhaupt mit der Planung in 26 gestartet werden kann, das steht in den Stern. Die Alternative zur Bahn, das Auto. Parallel zur Zugstrecke verläuft die A72. Die sollte eigentlich schon 2006 fertig sein. Pünktlich zur Fußball WM, dem Sommermärchen. Die Älteren erinnern sich. Jetzt ist der Bau vielleicht Ende des Jahres abgeschlossen. Die Betonung liegt auf vielleicht. Ist sie eines Tages fertig, führt die Autobahn auf die sogenannte Arabrücke im Süden Leipzigs. Ein gewaltiges Bauwerk mitten in einem Landschaftspark, aber ziemlich marode. Aktuell ist die Brücke halbseitig gesperrt und für Lastwagen [musik] tabu. Damit sie nicht zusammenkracht, wird sie von 408 zusätzlich eingesetzten Stützpfeilern gehalten. Die Brücke wurde im Jahr 1976 in den Park gesetzt. Seit bekannt ist, dass sie nicht mehr hält, kämpft ein Bürgerverein für eine zeitgemäßere Lösung. Seit nun mehr 14 Jahren. Ja. [musik] Wir hatten Dobrint, wir hatten Wissing Scheuer, wir hatten Wissing. Ja, das Bundespräsidialamt hat uns im Namen von Herrn Gau geschrieben und hat unseren Kampf gewürdigt. Über die Jahre wird dieses Vorhaben von Politikern aller Colleur unterstützt. Alle, die mal Rang und Namen hatten, haben alles mögliche versprochen. Bundes- und Ministerpräsidenten, Wirtschafts oder Verkehrsminister. gibt ja noch ein Schreiben von Herrn Dulich, der war Wirtschaftsminister und Verkehrsminister in Sachsen. Zum gegenwärtigen Stand des Bauvorhabens kann ich Ihnen jetzt mitteilen, dass es uns im sechsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gelungen ist für die Fortführung der Planung erforderlichen finanziellen Mittel im neuen Doppelhaushalt 2023 24 zu verankern. Ja, da ist aber nichts geschehen. So vergingen Jahre, ohne dass ein einziger Bagger der Agrabrücke nahkam. Eine endlose Hinhaltestrategie. Das heißt, die Menschheit konnte glauben, also wenn es im Plan steht, dann wird's Realität. Aber es war leider immer nur ein Verweis auf die Zukunft. Für die Zukunft wünscht man sich hier ein Konzept, bei dem der historische Park wiederhergestellt wird und bei dem sowohl das Vogelschutzgebiet als auch die Anwohner weniger unter dem aktuellen Verkehrslärm leiden. Das ist Engelbert Lütedaltrup. Er war mal Chef des Flughafen BER, ist renommierter Stadtplaner und hat Alternativen zur Brücke im Gepäck. Seit etwa 15 Jahren ist die Brücke bekannt, Marode. Es ist nichts passiert. Lange wurde uns eine Tunnellösung, eine Drucklösung versprochen. Leider ist die Planung nicht vorangegangen. Und hier sind Varianten dargestellt, was man jetzt machen könnte. Man kann es genauso schlecht machen wie vor 50 Jahren, als in der Braunkohleplanung diese Brücke als Monstrum im Park gebaut worden ist oder das ist eine Lösung, die sehr preiswert zu realisieren ist, eine Drucklösung etwa 3 m ee eingegraben mit Lärmschutzwänden, die ein bisschen die Landschaft modellieren und dadurch hätten wir keine optische Beeinträchtigung mehr und wir hätten keine Lernbelastung mehr. Dann bricht vor knapp zwei Jahren die Carolabrücke in Dresden zusammen. Sie besteht aus Hennsdorfer Spannenbeton, dieselbe Art von Material, mit dem auch die Agrabrücke errichtet wurde. Plötzlich ist auch in Leipzig Eile geboten. Jetzt soll ein Neubau her, der genauso aussieht wie die alte Brücke. Wie gehabt ohne Lärmschutz. Na toll. Es gibt ein Gesetz in Deutschland, das sagt, wenn man eins zu eins etwas nachbaut, braucht man kein förmliches Planverfahren, was etwa ein zwe Jahre extra Zeit erfordert. Und keiner kann mir glaubhaft erklären, dass diese monströse Brücke, wenn man sie eins zu eins nachbaut, billiger ist, als wenn ich die Straße in die Erde eingrabe und sie nur halb absenke. Zurück zur Dauerampel bei Chopau. Der Fahrlehrer vom Filmanfang ist auch wieder da. Diesmal wartet ihr auf der anderen Seite. Nee, ansonsten es ist es ist einfach nervig und es wird sich auf lange Zeit hier nichts tun, weil hier muss ja wirklich richtig gebaut werden. Aber kommt nichts. Unser Geld geht sonst wohin, aber hier fällt scheinbar. Das ist ja nicht nur bei diesem Infrastrukturprojekt so, ne? Nee, das ist bei vielen Sachen so. Vielleicht woll euch ein Band war so. Übrigens, in diesem Jahr wurde die Mietampel gegen ein gekauftes Exemplar ersetzt, was nicht wirklich dafür spricht, dass jetzt Bewegung in die Sache kommt.
📊 Link-Infos
| URL | https://www.youtube.com/watch?v=UNhwo1gmS2A |
| Titel | Baustelle Deutschland: Das Infrastruktur-Desaster | SPIEGEL TV |
| Kategorien | Zeitung, BulkNews, DER SPIEGEL |
| Hinzugefügt | 2026-07-23 16:12:38 |
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