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Queere Geschichte: vom Verbot zur Pride-Bewegung | Terra X

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Queere Geschichte: vom Verbot zur Pride-Bewegung | Terra X

Kanal-Aufrufe 0 🔗 https://www.youtube.com/watch?v=-R_GfpGi0Zs 🤖 Zusammenfassung Der Text skizziert die deutsch-europäische Geschichte queerer Identitäten vom 19. Jahrhundert bis heute. Er beginnt mit der Etymologie von „queer“ und der historischen Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Sexualität. Wichtige Stationen sind Karl Heinrich Ulrichs' Emanzipationsreden und die Begriffsprägungen „Uranismus“ (1864) sowie „homosexual“ durch Kertbeny (1868); Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und…

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🤖 Zusammenfassung

Der Text skizziert die deutsch-europäische Geschichte queerer Identitäten vom 19. Jahrhundert bis heute. Er beginnt mit der Etymologie von „queer“ und der historischen Kriminalisierung gleichgeschlechtlicher Sexualität. Wichtige Stationen sind Karl Heinrich Ulrichs' Emanzipationsreden und die Begriffsprägungen „Uranismus“ (1864) sowie „homosexual“ durch Kertbeny (1868); Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und seine Theorie sexueller Zwischenstufen; die florierende, aber zerstörte queere Subkultur Berlins in den 1920ern; die NS-Verfolgung mit verschärftem § 175, Rosa Winkel und Lagerhaft; die Fortsetzung der Strafverfolgung in BRD und DDR; die Stonewall-Aufstände 1969 als internationaler Protestimpuls; die AIDS-Krise der 1980er; und schließlich rechtliche Meilensteine wie die eingetragene Lebenspartnerschaft 2001 und die Ehe für alle 2017. Kritisch anzumerken ist, dass einige historische Deutungen – etwa zu mittelalterlichen Schwurbruderschaften – spekulativ bleiben und die Darstellung trotz ihrer Breite den deutschen Fokus nicht als globalen Überblick missverstanden werden sollte.

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📜 Transkript

„Queer“ – ein Sammelbegriff für die Vielfalt an sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Im Englischen bedeutet „queer“ was Verkehrtes, was Verdrehtes. „Verkehrt“ – ein Vorwurf, der in der Geschichte immer wieder Anlass für die Diskriminierung und Verfolgung von queeren Menschen ist. Was halten Sie von Homosexuellen? Bis heute kämpfen homo- und bisexuelle, trans und nicht-binäre Personen für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung. Immer wieder wurden sie im Laufe der Geschichte unterdrückt und strafrechtlich verfolgt. Der deutsche Juristentag 1867 in München. Auf dem Fachkongress werden aktuelle Rechtsfragen debattiert. Der Jurist Karl Heinrich Ulrichs fordert in einer flammenden Rede und unter dem Protest seiner Kollegen die Legalisierung homosexueller Akte. Denn diese sind damals in Teilen Deutschlands illegal. In den 1850er Jahren war das in deutschen Landen unterschiedlich. Das, was französisch besetzt war, war nach französischem Rechtsvorbild reformiert worden. Das heißt, dort war mannmännliche Sexualität straffrei. In Preußen sahen die Dinge anders aus. Da gab es das Strafgesetzbuch für die preußischen Staaten und hat mannmännliche Sexualität unter Strafe gestellt und auch mit Gefängnis bedroht. Ein Blick in die Geschichte zeigt: Nicht immer war gleichgeschlechtliche Sexualität illegal. In der Antike ist sie sogar vielfach Normalität. Allerdings oft in Konstellationen, die aus heutiger Sicht kaum als gleichberechtigte Beziehung auf Augenhöhe bezeichnet werden können. Im antiken Griechenland gehen erwachsene Männer ein zeitlich begrenztes Mentorenverhältnis mit einem männlichen Jugendlichen ein. Eine uns heute sehr fremd erscheinende, damals aber übliche und klaren Regeln folgende Form gleichgeschlechtlicher Beziehungen – „Päderastie“ genannt. Diese Beziehung zwischen dem Älteren und den Jüngeren beinhaltete auch durchaus Sex. Das war aber hierarchisch geregelt. Also der Ältere war in aller Regel der Aktive, der Jüngere der Passive. Das schloss aber nicht aus, dass diese Männer verheiratet waren. Gleichgeschlechtliche Liebe und Sex gibt es auch im Mittelalter. Eine Möglichkeit, sie zu leben, könnten die sogenannten „Schwurbruderschaften“ gewesen sein: mannmännliche Gemeinschaften mit kirchlichem Segen. Doch die Quellen lassen viel Raum für Interpretation. Im Lauf des Mittelalters wird gleichgeschlechtliche Intimität mehr und mehr kriminalisiert. „Sodomie“ – so nennt man, mit Bezug auf die biblische Geschichte der sündhaften Städte Sodom und Gomorra, alle Geschlechtsakte, die nicht unmittelbar der Fortpflanzung dienen. Der Sodomit war ein Gotteslästerer, der von Gott abgefallen ist und verantwortlich gemacht wurde für damals real grassierende Pestepidemien. Und diese Vorstellung, dass es da einen sexuell Abtrünnigen gibt, den es zu bestrafen gilt, das geht natürlich dann auch bis in moderne Gesetzgebungen, anti-homosexuelle Gesetzgebungen hinein. Beispielsweise die „Constitutio Criminalis Carolina“, das erste allgemeine deutsche Strafgesetzbuch aus dem 16. Jahrhundert. Darin wird die Sodomie mit Todesstrafe belegt. In Teilen Deutschlands gilt das Gesetz bis ins 19. Jahrhundert. Es war um 1850 tatsächlich so ein Epochenwechsel, dass man anfing sich zu überlegen, das kann ja nicht sein, dass Menschen wissentlich gegen ihr eigenes Wohl handeln, indem sie eine sündhafte Verirrung begehen, da muss was anderes dahinterstecken. Als einer der ersten entwickelt Karl Heinrich Ulrichs ab 1864 die Vorstellung, dass es sich bei der „mannmännlichen Geschlechtsliebe“ um eine Veranlagung handelt. Für die prägt er, in Anlehnung an den antiken Gott Uranus, das Wort „Uranismus“. Homosexuelle Männer bezeichnet er als „Urninge“. Ulrichs hat sich gleichgeschlechtlich liebende Männer auch vorgestellt als Menschen, die eine weibliche Seele in einem männlichen Körper haben, und er vertrat natürlich die Ansicht, dass das keine sündhafte Verirrung ist, der man willentlich entgegentreten kann, sondern eine natürliche Veranlagung. Gegen die diskriminierenden Gesetze kämpft zur selben Zeit auch der österreichisch-ungarische Schriftsteller Karl Maria Kertbeny. Er ist es, der 1868 – übrigens in einem Brief an Ulrichs – die Wortneuschöpfung „homosexual“ verwendet. Daraus wird bald: „homosexuell“. Das hatte dann in Jahrzehnten danach auch einen großen Erfolg und verdrängt so langsam aber sicher den Begriff „Uranismus“, „Urningtum“, oder was es da noch so gab. Die Vorstellung einer natürlichen Veranlagung, die sich um 1900 etabliert, ist durchaus ambivalent. Einerseits lässt sie zu, Homosexualität als eine Störung zu betrachten, für die der Betroffene nichts kann, die aber behandelt gehört. Andererseits ist sie ein Argument für die Legalisierung – kann eine Veranlagung doch nicht strafbar sein. Doch die Kriminalisierung bleibt. Im Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich sieht der § 175 für „widernatürliche Unzucht zwischen Personen männlichen Geschlechts“ eine Gefängnisstrafe vor. Schwuler Sex ist damit eine Straftat. Das „Institut für Sexualwissenschaft“ in Berlin-Tiergarten. Hier erforscht der Arzt Magnus Hirschfeld im frühen 20. Jahrhundert sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten, die von der gesellschaftlich etablierten Norm abweichen. Dabei entwickelt er die Theorie der „sexuellen Zwischenstufen“. Da nicht nur Homosexualität, sondern alle Formen von nicht konformem Geschlechterverhalten als krank betrachtet wurden, versuchte Hirschfeld, sie aus dieser Definition des Krankseins herauszunehmen. Jeder Mensch ist sozusagen eine Tochter oder ein Sohn eines Vaters und einer Mutter, also er hat sozusagen männliche und weibliche Anteile in sich. Der normale Mann, die normale Frau ist irgendwo auf dieser Skala zwischen dem „Vollweib“ und dem „Vollmann“ angesiedelt, mit unterschiedlichen männlichen und weiblichen Anteilen. Und insofern ist jeder Mensch eigentlich eine Zwischenstufe. Da ist der Gedanke auch von Solidarität im weitesten Sinne auch dahinter. Im Rahmen seiner Forschungen prägt Hirschfeld 1910 einen neuen Begriff: „Transvestit“. Das sind Personen, die entweder nur die Kleidung des anderen Geschlechts bevorzugen, in der Rolle des anderen Geschlechts leben oder sich diesem vermeintlich anderen Geschlecht ganz zugehörig fühlen, also auch physisch und psychisch zugehörig fühlen. Und im Laufe der Zeit beginnt Hirschfeld hier Unterscheidungen vorzunehmen, eben jene Personen, die sich als Angehörige dieses vermeintlich anderen Geschlechts empfinden, die wir heute als transgeschlechtlich bezeichnen. Hirschfelds Begriff mag neu sein – nicht aber die Erkenntnis, dass es Menschen gibt, die nicht in das binäre Mann-Frau-Schema passen. Kulturen weltweit haben seit Jahrhunderten Platz für ein so genanntes „drittes Geschlecht“, dem oft besondere spirituelle Fähigkeiten zugeschrieben werden. Etwa die „Two Spirits“ bei vielen indigenen Völkern Amerikas oder die „Hijras“ in Indien. Auf Grundlage von Hirschfelds Gutachten stellt die Berliner Polizei ab 1909 Bescheinigungen aus, mit denen sich die Besitzer:innen als „Transvestit“ in der Öffentlichkeit bewegen können, ohne dabei wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ verhaftet zu werden. Eine Erleichterung – die aber auch Nachteile hat. Das ist natürlich ein schwieriger Prozess, der die Person erstmal dazu bringen musste, zum Arzt zu gehen und sich zu überwinden und sich im medizinischen Sinne als trans zu erklären. Und es war nicht billig. Man musste natürlich das Gutachten bezahlen. Wir haben Belege dafür, dass so ein Gutachten ungefähr damals 50 Mark gekostet hat. Und das ist richtig viel Geld gewesen. Und jetzt musste man mit diesem Transvestitenschein zur Polizei gehen. Das heißt, man musste sich zum zweiten Mal outen. Und das ist ja auch ein schwieriger Prozess. Also insofern ist das eine hoch ambivalente Geschichte gewesen. Berlin ist in den 1920ern eine quirlige Metropole mit internationaler Strahlkraft – gerade auch für queere Menschen. In einer lebendigen Subkultur, mit eigenen Lokalen, Vereinen und Zeitschriften, können sie hier vergleichsweise frei leben. Es gab ein Transvestitenlokal, „Eldorado“ heißt das, und das war eine internationale Drehbühne, wenn man das so will, der Trans-Szene auch. Und Berlinbesuchende, die sind in diese Lokale gegangen, weil das für sie spektakulär gewesen ist, das gab es wohl nirgendwo sonst auf der Welt. Promis gehen im „Eldorado“ ein und aus. Auch der spätere SA-Führer Ernst Röhm gehört zu den Stammgästen. Bereits kurz nach der Machtübernahme 1933 machen sich die Nazis daran, die queere Infrastruktur zu zerschlagen. Szenelokale wie das „Eldorado“ werden geschlossen. Im Mai 1933 plündern Berliner Studenten und die SA Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft. Bücher aus dem Bestand der Institutsbibliothek werden öffentlich verbrannt. Die zentrale Angst, glaube ich, ist die Unterminierung der öffentlichen Ordnung. Und natürlich auch die Tilgung des Verdachtes – wir müssen daran denken, dass die NS-Bewegung ja eine homosoziale Bewegung ist, also eine Männerbewegung gewesen ist –, dass Homosexualität unter der Nazi-Bewegung verbreitet sein könnte, den es unbedingt zu tilgen gilt. Es gibt eine regelrechte Homo-, oder wir könnten auch sagen Queerphobie. Und dazu kommt natürlich auch das furchtbare Rassenbild der Nazis. Und das drohten Personen, die nicht diesen Geschlechterbildern entsprachen, zu unterlaufen. Und da gehört Homosexualität genauso dazu wie Trans-Sein. Der homosexuelle SA-Führer Ernst Röhm wird im Juli 1934 auf Befehl Adolf Hitlers ermordet. Ernst Röhm war ja eine unglaublich mächtige Figur in der nationalsozialistischen Bewegung, und jetzt ging es sozusagen um Zweierlei: zum einen diesen Verdacht der Homosexualität in der NS-Bewegung zu unterbinden. Und gleichzeitig ging es darum, einen missliebigen Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, der sehr mächtig geworden war. Das war sozusagen ein demonstrativer Akt, wie eine Art Purifikation, ein Reinigungsritual. 1935 verschärfen die Nazis den § 175. Waren vorher nur „beischlafähnliche“ Handlungen unter Männern strafbar, so ist es jetzt schon die reine Annäherung. Nun ist das natürlich ein Gummiparagraph, denn wenn ich einem anderen Mann tief in die Augen schaue oder vielleicht zärtlich berühre oder vielleicht auch mehr oder weniger zufällig berühre, kann das als Annäherungsversuch, sozusagen als Anmache verstanden werden, und damit ist der Straftatbestand erhoben. Etwa 100.000 Männer werden bis 1945 wegen Verstößen gegen den § 175 verhaftet, etwa die Hälfte davon verurteilt. Lesbische Frauen wie auch trans Personen sind von dem Paragraphen zwar nicht betroffen. Doch auch sie sind nicht gefeit vor der Verfolgung durch die Nazis. Sie wurden beispielsweise als asozial bezeichnet. Es ging darum, ihnen ein pathologisches Label sozusagen zuzuweisen, und darüber konnten sie dann auch sterilisiert werden beispielsweise, oder auch in die Konzentrationslager eingeliefert werden. Und dasselbe gilt natürlich auch für trans Personen. Wegen Homosexualität verurteilte Männer tragen in den KZs den rosa Winkel als Erkennungszeichen an der Häftlingskleidung. Auch innerhalb der Lagerhierarchie spielte das ja eine große Rolle, dass die Rosa-Winkel-Häftlinge die waren, die auf der untersten Stufe gestanden haben, also nochmal auch besonderen Angriffen und Herabwürdigungen im KZ ausgeliefert gewesen sind. Das Ende des NS-Regimes 1945 bedeutet für die queeren Verfolgten nur bedingt eine Befreiung. Als Opfer werden sie in der konservativen Nachkriegszeit nicht anerkannt und erhalten keine Entschädigungen für das erlittene Unrecht. Und die strafrechtliche Verfolgung endet nicht. Die Stigmatisierung von Homosexuellen bzw. auch die rechtliche Behandlung wurde in der Bundesrepublik weitergeführt. Also der § 175 ist in der durch die Nazis verschärften Fassung in der Bundesrepublik beibehalten worden. Schwuler Sex ist also weiter strafbar und zwingt Männer zu einem Leben im Geheimen. Sex gibt es anonym auf öffentlichen Toiletten, sogenannten „Klappen“, oder bei Prostituierten. Mit dabei ist stets die Angst vor Erpressung, Denunziation und Polizeirazzien. Es gibt ja auch diese schönen Geschichten von den blinden Spiegeln auf öffentlichen Bedürfnisanstalten, hinter denen dann ein Polizist saß, der dann mal Fotografien gemacht hat, die man ja im Falle eines Falles auch erkenntnisdienstlich hätte nutzen können. Dazu kommt die Diskriminierung durch die Gesellschaft. Das ist was Scheußliches! / Die sind sehr nett und die tun keinem was. / Ich würde sagen, die Leute sind zu bedauern. / Ich find’s nicht richtig. / Ne Schweinerei sowas! / Solange sie sich anständig benehmen, hab ich nichts dagegen. / Also ich würde sagen, einsperren, sonst gar nichts! / Was halten Sie von Homosexuellen? Zwischen 1950 und 1965 werden in der Bundesrepublik etwa 45.000 Männer nach dem § 175 verurteilt. 1969 wird der Paragraph reformiert und Sex unter erwachsenen Männern legalisiert. Abgeschafft wird der Paragraph aber noch nicht. Es wurde die Unzucht zwischen Männern im Grunde genommen gestattet, aber es gab halt das Schutzalter von 21 Jahren, das beachtet werden musste. In der DDR ist es etwas anders gewesen. Hier wurde der alte Paragraph abgelöst durch einen anderen Paragraph 151, der ein unterschiedliches Schutzalter zwischen Hetero- und Homosexuellen eingeführt hat, nämlich dass das Schutzalter bei Homosexuellen 18 Jahre beträgt, was bei Heterosexuellen bei 16 Jahren gelegen hat. Und insofern galt sozusagen eine sehr abgemilderte Fassung weiter, die hier aber auch auf Frauen ausgedehnt wurde. Der § 151 besteht bis 1988. Trotz der rechtlichen Erleichterung – um Sichtbarkeit und ihren Platz in der Gesellschaft müssen queere Menschen in der DDR dennoch kämpfen. Das, was später als sozialistisches Menschenbild skizziert und definiert wurde, dort wurde Homosexualität sozusagen als Relikt, als Überbleibsel der bürgerlichen Gesellschaft begriffen, die es eher zu bekämpfen oder zumindest zu unterbinden galt, auf keinen Fall zu fördern galt. Homosexuelle hatten in der DDR kaum Freiräume. Die Christopher Street im New Yorker Greenwich Village. Die von der Mafia betriebene Bar „Stonewall Inn“ ist Ende der 1960er ein Treffpunkt für Schwule, Lesben, trans Personen, Dragqueens, darunter viele aus den Black- und Latino-Communities. Mit Ausnahme von Illinois ist Homosexualität zu dieser Zeit in den ganzen USA illegal. Dass die Polizei regelmäßig zu – oft vorab angekündigten – Razzien im „Stonewall Inn“ erscheint, ist für alle Beteiligten Routine. Doch in den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 ändert sich alles: Es war ein drückend heißer Tag, sagen alle Quellen, und irgendwie hat dieser Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht. Die versammelten trans Menschen, Dragqueens, Schwule, Lesben etc. haben sich zur Wehr gesetzt, und das führte dazu, dass diese Polizeieinheit sich vor dem wütenden Mob in das „Stonewall Inn“ zurückziehen musste und darin verbarrikadierte und um Verstärkung gerufen hat. Was genau die Situation zum Eskalieren gebracht hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Fest steht: Der lange angestaute Frust der Gäste über Diskriminierung und Marginalisierung entlädt sich in dieser und den folgenden fünf Nächten in gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Das sind die sogenannten „Stonewall Riots“. Und es ist halt das erste Mal, dass sich da eine vielfältige Minderheit, also nicht nur Homosexuelle, sondern auch eben viele Straßenkinder und trans Menschen auch zur Wehr gesetzt haben gegen Polizeiwillkür. Den ersten Jahrestag der Aufstände nehmen Aktivisten 1970 zum Anlass für eine Großdemo in New York: den Christopher Street Gay Liberation Day March. Tausende kommen, um für ihre Rechte und gegen die Kriminalisierung von Homosexualität zu demonstrieren. Es ist der erste CSD der Geschichte. Ein Urknall für die internationale Pride-Bewegung? Es hat eine gewisse Zeit gedauert, bis das in Deutschland organisatorisch dann auch soweit war, dass man auf die Straße gegangen ist. Also es war jetzt nicht ein, so wie ich das sehe, unmittelbarer Impuls, und dann schwappt das sofort im selben Jahr auch auf Deutschland über. Das ist nicht der Fall. Das hat dann halt doch noch mal gedauert. Bis der Impuls von Stonewall Deutschland erreicht, vergehen etwa zehn Jahre. Das „Homolulu“-Festival in Frankfurt am Main im Juli 1979 bietet Workshops, Diskussionsrunden und eine zentrale Demo – eines der ersten großen Pride-Events in der Bundesrepublik. Ja, jeder lebt sein Leben. / Jedem seinen Spaß, gell! / Die sollen sie auf den Mond schießen! / Ich find’s lustig! Zur Emanzipation gehört auch, sich das Schimpfwort „schwul“ als selbstbewusste Eigenbezeichnung anzueignen. Die 1980er beginnen mit einem Schock. Die Medizin beobachtet ein neues, tödliches Krankheitsbild, von dem zunächst vor allem schwule Männer betroffen zu sein scheinen: AIDS. Da war von der sogenannten „Schwulenseuche“ die Rede, und die große Angst war, dass natürlich die Stigmatisierung von Homosexualität durch die Krankheit AIDS rapide zunehmen wird. Interviewer: Wie haben Ihre Freunde reagiert auf diese Krankheit? – AIDS-Patient: Sehr negativ. Sagen wir, wenn man 20 Freunde hat und man teilt ihnen mit, dass man die Krankheit hat, dann kann man glücklich sein, wenn man noch zwei hat. Andererseits, so im Rückblick betrachtet, hat das einen enormen Aufschub gebracht, was das Reden über Sexualität angeht. Also ich meine, wer hätte sich vorgestellt, dass man mal im deutschen Fernsehen Kondomwerbung sieht? Unvorstellbar bis dahin! Durch die breite Aufklärungsarbeit wächst in der Gesellschaft das Wissen um die Übertragungswege von HIV. Und das Bewusstsein dafür, dass AIDS alle Bevölkerungsgruppen betrifft – nicht nur schwule Männer. Ein zentrales Ziel der Lesben- und Schwulen-Bewegung ist weiterhin die Abschaffung des inzwischen zwar abgemilderten, aber in der Bundesrepublik immer noch existierenden § 175. Erst 1994 wird er ersatzlos gestrichen. Auch kämpfen viele Aktivist:innen für das Recht homosexueller Paare, heiraten zu dürfen. Ab 2001 können Schwule und Lesben eine „eingetragene Lebenspartnerschaft“ eingehen – ein eheähnlicher rechtlicher Status, aber keine vollwertige Ehe. Der große Meilenstein ist erst im Juni 2017 erreicht: Der Bundestag beschließt die „Ehe für alle“. Mit Ja haben gestimmt 393. Damit ist der Gesetzentwurf angenommen. Längst ist die Bewegung diverser geworden, und schließt heute neben Homosexuellen auch trans, intergeschlechtliche, nonbinäre, bi- und asexuelle Personen sowie alle möglichen anderen Varianten von Sexualität und Geschlechtsidentität mit ein. Die 1978 entworfene Regenbogenflagge als Symbol der Vielfalt erfährt stetige Ergänzungen und Weiterentwicklungen. Der Begriff „queer“ fasst diese Vielfalt in einem Wort zusammen. Wenn man genau schaut, unterscheiden sich eben schwule Männer, lesbische Frauen, trans Frauen, trans Männer, intersexuelle, non-binäre Personen voneinander. Aber sie stellen schon in gewisser Weise auch eine Gemeinschaft in gewisser Weise dar, nämlich der Nonkonformen. „queer“ heißt sozusagen, genau diese Vielfalt in eins zu denken. Sein dürfen, wer man ist und lieben, wen man liebt, ein Recht, das sich queere Menschen hart erkämpft haben, und das doch immer noch und immer wieder in Frage gestellt wird. Sichtbarkeit und Gleichberechtigung bleiben das Ziel der weltweiten Pride-Bewegung. Welche Aspekte von queerer Geschichte würden euch noch interessieren? Schreibt es uns in die Kommentare. Und um kein Video zu verpassen, lasst uns ein Abo da.


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Titel Queere Geschichte: vom Verbot zur Pride-Bewegung | Terra X
Kategorien Dokumentationen, BulkNews, Terra X History
Hinzugefügt 2026-07-20 22:58:18
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